Von Redaktion

ePA: 71 Prozent nutzen die elektronische Patientenakte nicht aktiv – was dahintersteckt

94 % kennen die ePA, 71 % nutzen sie nicht aktiv. Was die Zahlen zeigen und was du jetzt tun kannst.

Seit Januar 2025 hat fast jeder gesetzlich Versicherte in Deutschland eine elektronische Patientenakte – kurz ePA. 94 Prozent der Bevölkerung kennen sie. Trotzdem verwaltet die große Mehrheit die eigene Akte nicht aktiv: 71 Prozent der Versicherten, die die ePA kennen, nutzen sie bislang kaum oder gar nicht. Das zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) aus dem Februar 2026. Das Potenzial ist riesig – aber warum kommt die ePA noch nicht wirklich im Alltag an?

Was die Zahlen zeigen

Die Forsa-Umfrage, die der vzbv im Februar 2026 veröffentlichte, liefert ein ernüchterndes Bild: Von den Versicherten, die die ePA kennen, verwalten 71 Prozent ihre Akte nicht aktiv. 33 Prozent gaben an, bislang keinen persönlichen Nutzen darin zu sehen. Der häufigste Grund für die Zurückhaltung: Viele haben sich noch nicht intensiv mit der ePA beschäftigt – nicht weil sie dagegen sind, sondern weil der konkrete Mehrwert für den Alltag noch nicht spürbar genug ist.

Gleichzeitig ist das Interesse an bestimmten Funktionen hoch: 66 Prozent der Befragten wünschen sich digitale Untersuchungshefte, 64 Prozent Warnhinweise zu Wechselwirkungen zwischen Medikamenten, weitere 64 Prozent Erinnerungen an fehlende Impfungen. Die ePA könnte also deutlich mehr leisten – wenn die Funktionen existieren und einfach zugänglich sind.

Ärzte machen ihren Teil – Technik bleibt ein Problem

Auf der Seite der Praxen sieht die Lage besser aus. Eine KBV-Umfrage unter rund 4.500 Praxen aus dem Januar 2026 zeigt, dass 80 Prozent der Ärztinnen, Ärzte und Psychotherapeutinnen bereits Dokumente in die ePA hochgeladen haben. Drei Viertel gaben an, Befunde und Arztbriefe in der Akte aktiv für die Behandlung zu nutzen. Bis April 2026 waren bereits mehr als 100 Millionen Dokumente in elektronischen Patientenakten gespeichert – Befunde, Arztbriefe, Medikationspläne. Jede Woche greifen bis zu 93.000 Arzt- und Zahnarztpraxen auf die ePA zu, wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) im April 2026 mitteilte.

Doch die Technik bleibt ein wiederkehrendes Problem: Rund 60 Prozent der befragten Praxen berichteten, in den vergangenen Wochen mindestens einmal keinen Zugriff auf die ePA ihrer Patientinnen und Patienten gehabt zu haben. Verbindungsabbrüche, langsame Ladevorgänge und Schnittstellenprobleme mit bestehenden Praxissoftware-Systemen bremsen den Alltag. Die KBV fordert deshalb eine schnellere technische Weiterentwicklung.

Was kommt noch 2026?

Die ePA entwickelt sich weiter. Seit dem Rollout im Januar 2025 enthält die Akte bereits alle eingelösten E-Rezepte in einer automatisch geführten Medikamentenliste. Im Sommer 2026 soll der elektronische Medikationsplan folgen: Ärztinnen und Ärzte können dann Dosierungshinweise, Einnahmezeiten und weitere Informationen direkt in die Akte schreiben – und Patientinnen wie Patienten sehen alles in einer Übersicht. Mittelfristig ist die ePA als digitaler persönlicher Gesundheitsdatenraum gedacht: von der Terminbuchung bis zum Vorsorgeheft, alles an einem Ort.

Auch der Zugang soll einfacher werden. Wer die ePA heute nutzen will, muss sich über die App seiner Krankenkasse identifizieren – ein Prozess, den viele als zu aufwendig empfinden. Geplant ist, dass Versicherte künftig auch direkt beim Arztbesuch per Gesundheitskarte und PIN auf ihre Akte zugreifen können, ohne vorher eine Kassen-App einrichten zu müssen. Das Bundesgesundheitsministerium sieht die ePA langfristig als zentrales Element einer vernetzten Versorgung: Behandlungsdaten sollen mit Einwilligung der Versicherten zwischen Praxen, Kliniken und Apotheken geteilt werden können – weniger Doppeluntersuchungen, weniger Informationslücken, bessere Versorgungskontinuität.

Damit das klappt, muss die Aktivierung niedrigschwelliger werden. Aktuell kritisieren Verbraucherschützer, dass die Freischaltung der ePA über die Kassen-Apps zu kompliziert sei und wichtige Funktionen noch fehlten. Der vzbv fordert klarere Informationspflichten der Krankenkassen und eine bessere Aufklärung über die konkreten Vorteile der Akte.

Was bedeutet das für deine Gesundheit?

Die ePA speichert, was Ärztinnen und Ärzte einstellen – aber sie zeigt nicht automatisch das vollständige Bild deiner Gesundheit. Sie erfasst Behandlungen und Befunde aus dem Versorgungssystem, also das, was in Praxen und Kliniken passiert. Was zwischen den Terminen geschieht – Schlaf, Bewegung, Ernährung, Stimmung, Schmerz – landet dort bisher nicht.

Genau hier liegt eine Lücke, die digitale Gesundheits-Apps schließen können. Apps, die Menschen im Alltag begleiten, helfen dabei, Symptome zu beobachten, Gesundheitsziele zu verfolgen und Arzttermine besser vorzubereiten. Wer regelmäßig festhält, wie es ihm oder ihr geht, kommt informierter in die Sprechstunde – und profitiert dadurch auch mehr von dem, was Ärztin oder Arzt in die ePA eintragen.

Was du jetzt tun kannst

Wenn du deine ePA noch nicht aktiviert hast oder nicht weißt, ob du sie aktiv nutzt: Der erste Schritt ist die App deiner Krankenkasse. Dort findest du den Zugang zur ePA und kannst prüfen, welche Dokumente bereits dort liegen. Praktisch ist auch, Ärztinnen und Ärzte beim nächsten Termin aktiv anzusprechen und zu fragen, ob Befunde in die Akte eingestellt wurden.

Wer darüber hinaus die eigene Gesundheit besser im Blick behalten möchte, kann digitale Gesundheits-Apps nutzen, um Symptome, Medikamente oder Wohlbefinden festzuhalten – ergänzend zur ePA, nicht als Ersatz. Denn das Gesundheitssystem liefert die Diagnosen und Befunde. Was du daraus machst und wie du zwischen den Terminen für dich sorgst, liegt in deiner Hand.

Die Bestes-App

Gesundheit, die kostenlos in deiner Tasche ist.

Quiz, Vorsorge, KI-Coach und mehr — für dich und deine Familie. Jetzt im App Store und bei Google Play.