Von Redaktion

ePA 2026: Neue Pflichten, neuer Medikationsplan – und Patienten fordern Tempo

Ab 2026 drohen Ärzten Sanktionen, der Medikationsplan kommt in die ePA – und 70 % der Deutschen finden: Das geht noch immer zu langsam.

Fast 73 Millionen gesetzlich Versicherte in Deutschland haben seit Anfang 2025 automatisch eine elektronische Patientenakte – kurz ePA. Aber nur rund 20 Prozent nutzen sie aktiv. Jetzt zieht das System an: Ab 2026 drohen Ärzten, die die Akte nicht befüllen, spürbare Sanktionen. Gleichzeitig kommen neue Funktionen, die die ePA deutlich nützlicher machen sollen. Doch der soeben erschienene Digital Health Report 2026 von Doctolib zeigt: Für 70 Prozent der Deutschen geht das alles noch viel zu langsam. [1]

Was sich 2026 konkret ändert

Seit Oktober 2025 sind Arztpraxen, Kliniken und Apotheken gesetzlich verpflichtet, Befunde, Arztbriefe und Medikamentenlisten in die ePA einzutragen. Bislang passierte das nicht flächendeckend – ohne Konsequenzen. Das ändert sich jetzt: Wer ab Januar 2026 die ePA nicht nutzt oder keine ePA-taugliche Software einsetzt, riskiert Honorarkürzungen von 2,5 Prozent sowie weitere Sanktionen bis hin zum Abrechnungsausschluss. [2]

Parallel dazu beschlossen die gematik-Gesellschafter Ende 2025 eine umfangreiche Funktionserweiterung: Der elektronische Medikationsplan (eMP) kommt in zwei Stufen. Ab Juli 2026 startet er in ausgewählten Regionen, ab Oktober 2026 wird er bundesweit eingeführt. [3] Er ersetzt den bisherigen Bundesmedikationsplan und zeigt Dosierungen, Einnahmehinweise und rezeptfreie Mittel wie Nasensprays oder Schmerztabletten – alles auf einen Blick.

Der digitale Medikationsplan: Was er konkret bringt

Wer regelmäßig mehrere Medikamente einnimmt, kennt das Problem: Arzt A weiß nicht, was Arzt B verschrieben hat. Der neue elektronische Medikationsplan soll genau das lösen. Alle Verschreibungen – Hausarzt, Facharzt, Krankenhaus – landen in einem strukturierten Dokument in der ePA. Ärzte und Apotheken können künftig prüfen, ob Wechselwirkungen drohen, bevor ein neues Präparat ausgegeben wird. [3]

Neu ist auch, dass rezeptfreie Präparate ergänzt werden können – relevant für Menschen, die neben verschreibungspflichtigen Mitteln regelmäßig Schmerzmittel oder Antihistaminika nehmen. Laut Ärztezeitung soll außerdem eine Volltextsuche in der ePA kommen, die den schnellen Überblick über Dokumente erleichtert. [4] Diese Funktion ist allerdings erst für Anfang 2027 geplant.

70 Prozent der Deutschen: Digitalisierung geht zu langsam

All das klingt nach Fortschritt – und ist es auch. Aber für die meisten Menschen geht es noch immer nicht schnell genug. Das zeigt der Digital Health Report 2026, den das Marktforschungsinstitut YouGov im Auftrag von Doctolib unter 1.000 Patienten und mehr als 400 Ärzten und medizinischen Fachangestellten durchgeführt hat. [1] Das Ergebnis ist deutlich:

Sieben von zehn Deutschen finden, dass die Digitalisierung im Gesundheitswesen zu langsam vorangeht. Mehr als zwei Drittel sind überzeugt, dass Deutschland dabei international zurückfällt. Und fast zwei Drittel der Befragten beschreiben die Arztterminsuche als regelrechten Hindernislauf – mit dem Ergebnis, dass ein erheblicher Teil von ihnen Arztbesuche aufgeschoben oder ganz aufgegeben hat. [1]

Das liegt nicht nur an der Technik. Laut Report nutzen zwar rund 80 Prozent der Deutschen die ePA dem Namen nach – aber aktiv damit arbeiten wollen viele erst, wenn die Funktionen ihren Alltag wirklich erleichtern. Der elektronische Medikationsplan könnte genau diesen Punkt erreichen.

Was das für Versicherte bedeutet

Konkret: Wer ab Herbst 2026 regelmäßig mehrere Medikamente nimmt, findet seinen vollständigen Medikationsplan automatisch in der ePA – vorausgesetzt, die Arztpraxis nutzt die neue Funktion. Für den Eigennutz ist weiterhin eine GesundheitsID nötig: Das ist ein digitales Konto, das über die App der eigenen Krankenkasse eingerichtet wird. Bis April 2026 hatten das erst rund 5,1 Millionen Menschen getan. [3]

Push-Benachrichtigungen, die Patienten informieren, wenn ein Arzt etwas in die Akte hochlädt, sind ebenfalls geplant – aber noch nicht umgesetzt. Wer heute schon auf seine ePA zugreifen will, startet am einfachsten über die App seiner Krankenkasse.

Häufige Fragen zur ePA 2026

Ab wann kommt der elektronische Medikationsplan?

Ab Juli 2026 startet er in ausgewählten Testregionen, ab Oktober 2026 wird er schrittweise bundesweit eingeführt. Vollständig verfügbar sein soll er dann bis Ende 2026. Er zeigt alle aktuellen Medikamente inklusive Dosierung und Einnahmehinweisen – auch rezeptfreie Mittel.

Was passiert, wenn Ärzte die ePA nicht befüllen?

Ab Januar 2026 drohen Honorarkürzungen von 2,5 Prozent sowie weitere Sanktionen. Praxen, die keine ePA-taugliche Software einsetzen, riskieren zudem Ausschlüsse bei der Abrechnung. Die Sanktionen sollen die bislang lückenhafte Nutzung durch Leistungserbringer verbessern.

Brauche ich etwas zu tun, damit meine ePA aktuell bleibt?

Für die passive Nutzung – also dass Ärzte Befunde und Medikamente eintragen – müssen Sie nichts tun. Die ePA wurde automatisch für Sie angelegt. Wenn Sie selbst darauf zugreifen, eigene Einträge ergänzen oder Zugriffsrechte verwalten wollen, brauchen Sie die GesundheitsID-App Ihrer Krankenkasse.

Welche digitalen Gesundheits-Apps und Dienste mit der ePA zusammenarbeiten, findest du auf bestes.com.

Quellen:
[1] Doctolib / YouGov. "Digital Health Report 2026: Patienten fordern Tempo." Juni 2026. https://www.arzt-wirtschaft.de/digital-health/digital-health-report-2026
[2] Solidaris / KBV. "Elektronische Patientenakte: Neue Pflichten und Sanktionen für Arztpraxen." 2026. https://www.solidaris.de/aktuelles/elektronische-patientenakte-neue-pflichten-und-sanktionen-fuer-arztpraxen-und-krankenhaeuser
[3] gematik. "Gesellschafter beschließen Funktionserweiterung der ePA für alle." 2025. https://www.gematik.de/newsroom/news-detail/gesellschafter-beschliessen-funktionserweiterung-der-epa-fuer-alle
[4] Ärztezeitung. "Welche neuen ePA-Funktionen 2026 kommen sollen." 2026. https://www.aerztezeitung.de/Wirtschaft/Welche-neuen-ePA-Funktionen-2026-kommen-sollen-460768.html

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