Von Redaktion

ePA 2026: 73 Millionen Akten angelegt – warum kaum jemand sie aktiv nutzt

Seit Januar 2025 haben fast alle gesetzlich Versicherten eine ePA. Aber nur jeder Vierte nutzt sie aktiv. Was dahintersteckt – und was die Akte wirklich bringt.

Fast alle gesetzlich Versicherten in Deutschland haben seit Januar 2025 automatisch eine elektronische Patientenakte – kurz ePA. Rund 73 Millionen Akten wurden angelegt, über 100 Millionen Dokumente sind bereits darin gespeichert. Und doch: Nur etwa jeder vierte Deutsche nutzt die ePA aktiv. Das zeigt eine Civey-Umfrage im Auftrag von Pharma Deutschland vom April 2026 [1] – und der neue Tätigkeitsbericht des Bundesbeauftragten für den Datenschutz (BfDI), der dem Bundestag Anfang Mai 2026 vorgelegt wurde. [2]

Wie kann das sein? 73 Millionen Akten, aber kaum Nutzer

Die Erklärung liegt im System selbst. Die ePA funktioniert nach dem sogenannten Opt-out-Prinzip: Wer nicht aktiv widerspricht, bekommt automatisch eine Akte. Das erklärt die hohen Zahlen. Aber die meisten dieser Akten werden ausschließlich von Ärzten befüllt – seit Oktober 2025 sind Praxen, Kliniken und Apotheken gesetzlich dazu verpflichtet, Befunde, Arztbriefe und Medikamentenpläne einzutragen. [1]

Wer dagegen selbst auf seine Akte zugreifen will – Dokumente einsehen, ergänzen oder Zugriffsrechte verwalten – braucht eine sogenannte GesundheitsID. Das ist ein digitales Konto, das über die App der eigenen Krankenkasse eingerichtet wird. Bis April 2026 hatten das lediglich rund 5,1 Millionen Menschen getan. [2] Bei 73 Millionen Versicherten ist das wenig.

Der BfDI-Bericht benennt das größte Hindernis: 42 Prozent der Nicht-Nutzer sehen schlicht keinen persönlichen Bedarf. Rund 7 Prozent haben der ePA ganz widersprochen – mehr als die Hälfte davon aus Datenschutzgründen.

Was die Akte heute schon kann

Dabei ist die ePA für Patienten praktischer als ihr Ruf. Wer sich einmal einloggt, findet dort alle wichtigen Gesundheitsdaten an einem Ort: Arztbriefe, Laborwerte, Entlassungsberichte aus dem Krankenhaus, den digitalen Medikationsplan und das digitale Bonusheft vom Zahnarzt. Über 5,5 Millionen solcher Zahnarzt-Bonushefte liegen bereits in der ePA. [1]

Besonders nützlich wird die Akte beim Arztbesuch. Wer mehrere Fachärzte hat oder regelmäßig verschiedene Medikamente nimmt, profitiert davon, dass Arztpraxen inzwischen bis zu 93.000 Mal pro Woche auf die digitalen Medikamentenlisten zugreifen. [1] So lassen sich Wechselwirkungen vermeiden – ohne dass Patienten selbst an alles denken müssen.

Demografisch fällt auf: Junge Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren sind mit 28,8 Prozent die aktivste Gruppe. Und im Osten Deutschlands liegt die Nutzungsrate mit 28,9 Prozent deutlich über dem westdeutschen Schnitt von 22,2 Prozent. [1]

Was Datenschützer kritisieren

Der BfDI-Bericht ist kein Lob. Bundesbeauftragte Louisa Specht-Riemenschneider kritisiert einen zentralen Mangel: Wer bestimmten Ärzten den Zugriff auf einzelne Dokumente verweigern will, hat kaum Möglichkeiten. Aktuell können Patienten einem Arzt entweder vollen Zugriff geben – oder gar keinen. [2] Eine feinere Kontrolle, die etwa erlaubt, dem Hausarzt einen psychiatrischen Befund zu verbergen, gibt es noch nicht.

Das steht auch im Widerspruch zum Europäischen Gesundheitsdatenraum (EHDS), der seit März 2025 in Kraft ist und mehr Datensouveränität für Patienten vorsieht. Deutschland hat bis 2029 Zeit, die nationalen Regeln anzupassen – die Datenschutzbehörde dringt aber darauf, jetzt die Weichen zu stellen. Außerdem wissen laut Umfragen 40 Prozent der Patienten nicht, dass ihre ePA automatisch angelegt wurde – viele glauben, sie entstehe erst nach dem Download der App. [2]

Was sich bis 2028 noch ändert

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat mit dem geplanten Digitalgesetz (GeDIG) ehrgeizige Ziele. Bis Februar 2028 sollen Krankenkassen digitale Terminbuchungen direkt in der ePA-App anbieten. Bis September 2029 kommt der digitale Überweisungsschein zum Facharzt. Und bis 2030 soll sich die Zahl der aktiven ePA-Nutzer verfünffachen. [1]

Auf der technischen Seite plant die gematik Volltextsuche in Dokumenten und Push-Benachrichtigungen, die Patienten informieren, wenn ein Arzt etwas in die Akte hochlädt. Außerdem sollen Versicherte künftig auch Ärzten in anderen EU-Ländern Datenzugriff gewähren können – praktisch für Behandlungen im Urlaub.

Häufige Fragen zur ePA

Wie aktiviere ich meine ePA?

Über die App Ihrer Krankenkasse. Dort richten Sie eine GesundheitsID ein – das dauert wenige Minuten. Mit dem Konto können Sie Dokumente einsehen, Zugriffsrechte für Arztpraxen verwalten und eigene Informationen ergänzen. Ohne GesundheitsID können Ärzte Ihre Akte trotzdem befüllen – Sie selbst haben dann aber keinen Einblick.

Was sieht mein Arzt in der ePA?

Grundsätzlich alles, was dort gespeichert ist – sofern Sie dem Arzt Zugriff gewährt haben. Eine feingranulare Steuerung, die einzelne Dokumente für bestimmte Ärzte sperrt, ist aktuell noch nicht möglich. Sie können einem Arzt aber den Zugriff auf die gesamte Akte entziehen.

Kann ich der ePA widersprechen?

Ja. Wer keine ePA möchte, kann bei seiner Krankenkasse widersprechen. Die Akte wird dann deaktiviert und keine Daten mehr gespeichert. Rund 7 Prozent der Versicherten haben diesen Schritt bislang gemacht. [2]

Was passiert mit meinen ePA-Daten in der Forschung?

Seit Oktober 2025 können anonymisierte ePA-Daten über das Gesundheitsforschungsdatenzentrum (FDZ) für genehmigte Forschungsprojekte genutzt werden. Patienten haben das Recht, dieser Sekundärnutzung zu widersprechen. Ob Krankenkassen dieses Widerspruchsrecht ausreichend kommunizieren, prüfen die Aufsichtsbehörden derzeit. [3]

Alle Gesundheits-Apps und digitalen Dienste, die mit der ePA zusammenarbeiten, findest du auf bestes.com.

Quellen:
[1] ad-hoc-news.de / boerse-global.de. "Elektronische Patientenakte: Ein Jahr nach dem Rollout." 5. Mai 2026. https://www.ad-hoc-news.de/wirtschaft/elektronische-patientenakte-ein-jahr-nach-dem-rollout-fortschritte/69278980
[2] Boerse Express / BfDI-Tätigkeitsbericht 2026. "ePA: 73 Millionen Akten, aber kaum aktive Nutzer." 21. Mai 2026. https://www.boerse-express.com/news/articles/epa-73-millionen-akten-aber-kaum-aktive-nutzer-907421
[3] Born City. "ePA-Update: Patienten erhalten alleinige Kontrolle über Abrechnungsdaten." 2026. https://borncity.com/news/epa-update-patienten-erhalten-alleinige-kontrolle-ueber-abrechnungsdaten/

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