Dreiviertel der Smartphone-Nutzer nutzen Gesundheits-Apps – ePA als Treiber
73 % der Smartphone-Nutzer in Deutschland greifen auf Gesundheits-Apps zurück. Wie der ePA-Rollout digitale Gesundheit verändert.
Mehr als drei Viertel der Deutschen, die ein Smartphone besitzen, nutzen mittlerweile mindestens eine App für Gesundheit, Fitness oder Wohlbefinden. Das zeigt die repräsentative Studie „Digital Health 2025" des Digitalverbands Bitkom, veröffentlicht am 20. November 2025. Demnach greifen 73 Prozent der Smartphone-Nutzerinnen und -Nutzer auf solche Anwendungen zurück – ein deutlicher Anstieg gegenüber 69 Prozent im Jahr 2023. Der Markt wächst, und ein zentraler Treiber ist klar: die elektronische Patientenakte.
Vom Schrittzähler zur Gesundheitszentrale
Sport-Apps, Ernährungstagebücher, Zyklustracker – Gesundheits-Apps sind längst Alltag. Was sich in den letzten zwei Jahren verändert hat, ist die Tiefe der Nutzung. Laut Bitkom nutzen 45 Prozent der Smartphone-Nutzer inzwischen zentrale Gesundheits-Apps wie Apple Health, Google Fit oder Health Connect – also Plattformen, die Daten aus verschiedenen Quellen bündeln und auswerten. Das ist neu: Noch 2023 konzentrierte sich die Nutzung vor allem auf Einzel-Apps.
Sport-Apps, die Aktivitäten wie Laufen, Schwimmen oder Radfahren aufzeichnen, nutzen 37 Prozent. 33 Prozent setzen auf Apps mit geführten Fitness-Übungen. Körperdaten wie Herzfrequenz, Schlaf und Atemfrequenz tracken 30 Prozent – genauso viele wie Apps zu Gewicht und Ernährung. Und Angebote für psychische Gesundheit, Achtsamkeit und Stressmanagement liegen mit 20 Prozent klar im Aufwind.
Der entscheidende Befund: Das Tracking wirkt. 64 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer von Gesundheits-Apps fühlen sich durch die Apps gesünder. Genauso viele konnten ihr Training optimieren, 60 Prozent bewegen sich mehr. Ein gutes Drittel hat damit sogar abgenommen.
Die ePA verändert das Spiel
Seit dem 15. Januar 2025 gilt in Deutschland die automatische Einrichtung der elektronischen Patientenakte – kurz ePA – für alle gesetzlich Versicherten. Wer nicht aktiv widerspricht, bekommt eine ePA. Rund 70 Millionen Menschen haben so inzwischen automatisch eine digitale Akte von ihrer Krankenkasse erhalten. Seit dem 1. Oktober 2025 sind Ärzte und Kliniken verpflichtet, relevante Dokumente dort einzustellen.
Die ePA ist damit nicht nur ein Datenspeicher, sondern der Ausgangspunkt einer neuen Stufe der digitalen Gesundheitsversorgung. Und das Smartphone soll die Benutzeroberfläche dazu sein: Laut Bitkom-Studie wollen 62 Prozent der Versicherten ihre ePA mit einem persönlichen Zugang am Smartphone oder PC nutzen. Die Verbindung von Arztdaten, Laborbefunden und eigenen App-Messungen – das ist die nächste Entwicklungsstufe. Für Anbieter digitaler Gesundheitsangebote ist das eine enorme Chance.
Dabei gibt es noch viel Luft nach oben: 46 Prozent der Befragten fühlen sich über die ePA nicht ausreichend informiert, 36 Prozent empfinden die Nutzung als zu kompliziert. Bitkom-Vizepräsidentin Christina Raab mahnt: „Der aktuelle Weg über die GesundheitsID ist für viele noch zu kompliziert. Hier braucht es dringend Vereinfachungen."
KI-Chatbots als neuer Gesundheitsberater
Parallel zum App-Boom wächst die Nutzung von KI-Chatbots für Gesundheitsfragen. Laut Bitkom fragen schon 45 Prozent der Deutschen einen Chatbot wie ChatGPT, Gemini oder Copilot, wenn sie Symptome klären oder Gesundheitsfragen haben. Jeder Zehnte tut das bereits häufig. Und die Bereitschaft, den Antworten zu vertrauen, ist erstaunlich hoch: 55 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer vertrauen den Antworten von KI-Chatbots in gesundheitlichen Fragen.
Das ist ein Signal an alle Anbieter digitaler Gesundheitslösungen: Die Schwelle, digitale Angebote für die eigene Gesundheit zu nutzen, ist gesunken. Was früher nach Technik-Affiner klingt, ist jetzt Mainstream.
Was das für Nutzerinnen und Nutzer bedeutet
Gesundheits-Apps können echten Mehrwert liefern – wenn man weiß, welche App welche Versprechen tatsächlich halten kann. Ein paar Anhaltspunkte helfen bei der Orientierung:
Symptom-Checker und erste Orientierung: Apps wie Ada Health helfen dabei, Symptome einzuordnen und herauszufinden, ob ein Arztbesuch sinnvoll ist. Sie ersetzen keinen Arzt, aber sie geben eine fundierte erste Einschätzung.
Telemedizin, wenn die Praxis zu weit oder zu voll ist: Anbieter wie Kry und TeleClinic ermöglichen Videosprechstunden mit Ärztinnen und Ärzten – ohne Wartezeit im Wartezimmer. Für Routineerkrankungen, Folgeverschreibungen oder eine schnelle Einschätzung ist das eine echte Alternative.
Psychische Gesundheit digital begleiten: Apps wie MindDoc helfen, die eigene Stimmung zu beobachten und einzuordnen – auf Basis klinisch validierter Selbstauskunftsbögen. 7Mind bietet geführte Meditationen und Achtsamkeitsübungen für den Alltag. Beide Apps sind zertifizierte Medizinprodukte.
Finde passende digitale Gesundheitsangebote auf bestes.com – geprüft und übersichtlich.
Häufige Fragen
Muss ich die ePA aktiv beantragen?
Nein. Seit dem 15. Januar 2025 wird die ePA für alle gesetzlich Versicherten automatisch eingerichtet, sofern man nicht aktiv widerspricht. Die Krankenkasse informiert darüber per Brief oder App.
Sind Gesundheits-Apps datenschutzrechtlich sicher?
Das kommt auf die App an. Zertifizierte Medizinprodukte nach EU MDR und DiGAs (Digitale Gesundheitsanwendungen im BfArM-Verzeichnis) unterliegen strengen Datenschutz- und Sicherheitsanforderungen. Bei nicht-zertifizierten Apps gilt: Datenschutzerklärung lesen, Serverstandort prüfen und im Zweifel skeptisch sein.