Von Redaktion

DiGAV 2026: AbEM-Pflicht und ergebnisbasierte Vergütung sind in Kraft

Seit Februar 2026 gilt: DiGA-Hersteller müssen Behandlungserfolge belegen. Was AbEM-Pflicht und GOP 01482 für Patienten bedeuten.

Seit dem 1. Februar 2026 gelten für digitale Gesundheitsanwendungen in Deutschland neue Regeln. Die Zweite Verordnung zur Änderung der Digitale-Gesundheitsanwendungen-Verordnung (DiGAV) ist in Kraft getreten und bringt zwei Neuerungen, die den DiGA-Markt grundlegend verändern: eine verpflichtende Erfolgsmessung für alle dauerhaft gelisteten Apps sowie eine Vergütungsstruktur, bei der mindestens 20 Prozent des Erstattungsbetrags direkt vom nachgewiesenen Behandlungserfolg abhängen[1].

Was AbEM bedeutet – und warum es neu ist

Das Kürzel AbEM steht für anwendungsbegleitende Erfolgsmessung. Gemeint ist eine systematische Datenerhebung, die DiGA-Hersteller ab sofort für jede dauerhaft im BfArM-Verzeichnis gelistete Anwendung durchführen müssen. Konkret: Quartalsweise werden Daten zu Nutzungsintensität, Therapietreue, Patientenzufriedenheit und messbaren Gesundheitsverbesserungen gesammelt und in anonymisierter, aggregierter Form an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) übermittelt[2]. Die Meldetermine sind halbjährlich: bis zum 15. Oktober für das erste und zweite Quartal, bis zum 15. April für das dritte und vierte Quartal.

Was sich damit ändert, ist grundsätzlicher Natur. Bislang mussten DiGA-Hersteller vor der Zulassung einen positiven Versorgungseffekt nachweisen – danach war die Vergütung weitgehend unabhängig davon, ob Patienten die App tatsächlich nutzten und ob sie ihnen half. Mit AbEM endet dieses Modell. "Apps auf Rezept müssen künftig belegen, was sie leisten", schrieb die Pharmazeutische Zeitung kurz nach Inkrafttreten der Verordnung[2]. Hersteller, die keine ausreichenden Daten liefern oder deren Apps schlechte Nutzungswerte aufweisen, riskieren künftig Konsequenzen beim Erstattungsbetrag.

Ergebnisbasierte Vergütung: 20 Prozent hängen am Erfolg

Die zweite große Neuerung betrifft direkt den Geldbeutel der Hersteller. Ab 2026 muss mindestens ein Fünftel des verhandelten Erstattungsbetrags an messbare Versorgungsergebnisse geknüpft sein. Das Prinzip nennt sich Pay-for-Performance: Wer Wirkung nachweist, bekommt den vollen Betrag. Wer die vereinbarten Zielwerte verfehlt, erhält weniger[1][3].

Für den Markt ist das ein erheblicher Druck. Die Verordnungszahlen sind zuletzt stark gewachsen – im Jahr 2024 wurden rund 861.000 DiGA-Verordnungen ausgestellt, die Krankenkassen zahlten dafür 234 Millionen Euro, ein Plus von 71 Prozent gegenüber dem Vorjahr[3]. Gleichzeitig haben mehr als 15 Anwendungen das Verzeichnis bereits wieder verlassen, weil die Erstattungsbeträge nach den Preisverhandlungen ab Monat 13 oft um 50 bis 60 Prozent sanken. Die neue Erfolgspflicht dürfte diesen Selektionsdruck weiter verstärken.

GOP 01482: Ärzte können Verlaufskontrolle für Kranus Mictera abrechnen

Parallel zur AbEM-Einführung gibt es seit dem 1. April 2026 eine konkrete Neuerung für die Praxis: Mit der GOP 01482 wurde im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) eine neue Abrechnungsziffer für die ärztliche Verlaufskontrolle der DiGA "Kranus Mictera" eingeführt[4][5].

Kranus Mictera ist eine App für Frauen ab 18 Jahren mit Stress- und Dranginkontinenz. Das zwölfwöchige Programm kombiniert Beckenbodentraining, Blasentraining, Wissensvermittlung und Verhaltensänderungen. Ende 2025 wurde die Anwendung dauerhaft ins DiGA-Verzeichnis des BfArM aufgenommen. Mit der GOP 01482 können Ärzte die Verlaufskontrolle einmal je Krankheitsfall abrechnen – bewertet mit 64 Punkten, was einem Honorar von rund 8,15 Euro entspricht. Die Vergütung erfolgt für zunächst zwei Jahre extrabudgetär, belastet also nicht das reguläre Arztbudget[5].

Die Einführung einer eigenen EBM-Ziffer für eine DiGA ist noch vergleichsweise selten. Sie signalisiert, dass die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) die ärztliche Begleitung von App-Therapien zunehmend als vergütungsrelevante Leistung anerkennt – und nicht mehr nur als selbstverständlichen Bestandteil der Grundpauschale.

Was das für Patienten bedeutet

Für Patientinnen und Patienten, die eine DiGA verschrieben bekommen oder aktiv nutzen, ändert sich an der Verordnungspraxis zunächst nichts. Apps auf Rezept werden weiterhin von Ärzten, Psychotherapeuten und seit dem Digitale-Versorgung-Gesetz (DigiG) auch direkt von Krankenkassen ausgestellt. Die Kosten trägt vollständig die gesetzliche Krankenversicherung.

Was sich mittelfristig ändern dürfte, ist die Marktzusammensetzung. Die AbEM-Pflicht und die ergebnisbasierte Vergütung zwingen Hersteller dazu, echte Nutzungsdaten vorzulegen. Apps, die kaum geöffnet werden oder deren Patienten abbrechen, werden das in der Vergütungsverhandlung spüren. Für Patienten ist das prinzipiell eine gute Nachricht: Der Markt bewegt sich weg von Apps, die nur auf dem Papier funktionieren, hin zu Anwendungen, die tatsächlich genutzt werden und messbar helfen. Einen unabhängigen Überblick über aktuell gelistete digitale Gesundheitsanwendungen bietet bestes.com in der DiGA-Kategorie – mit Informationen zu Indikation, Verordnungsweg und aktuellem Status im BfArM-Verzeichnis.

Quellen:
[1] Buzer.de: „Änderungen DiGAV vom 01.02.2026." buzer.de, Februar 2026. https://www.buzer.de/gesetz/13879/v336803-2026-02-01.htm
[2] Pharmazeutische Zeitung: „Apps auf Rezept: Hersteller müssen Erfolg ihrer DiGA künftig belegen." pharmazeutische-zeitung.de, 2026. https://www.pharmazeutische-zeitung.de/hersteller-muessen-erfolg-ihrer-diga-kuenftig-belegen-152588/
[3] ad-hoc-news.de: „DiGA-Reform: Neue Abrechnung und Erfolgspflicht ab April." ad-hoc-news.de, 2026. https://www.ad-hoc-news.de/boerse/news/ueberblick/diga-reform-neue-abrechnung-und-erfolgspflicht-ab-april/68945938
[4] KBV: „Vergütung für neue DiGA im EBM geregelt." kbv.de, März 2026. https://www.kbv.de/praxis/tools-und-services/praxisnachrichten/2026/03-26/verguetung-fuer-neue-diga-im-ebm-geregelt
[5] KV Nordrhein: „Harninkontinenz: Neue EBM-Leistung zur DiGA Kranus Mictera ab 1. April 2026." kvno.de, 2026. https://www.kvno.de/aktuelles/aktuelles-detail/nachricht/harninkontinenz-neue-ebm-leistung-zur-diga-kranus-mictera-ab-1-april-2026

Die Bestes-App

Gesundheit, die kostenlos in deiner Tasche ist.

Quiz, Vorsorge, KI-Coach und mehr — für dich und deine Familie. Jetzt im App Store und bei Google Play.