Von Redaktion

Diabetes 2026: 9,3 Millionen Erkrankte – viele ohne Diagnose

Der Gesundheitsbericht Diabetes 2026 zeigt: 9,3 Mio. Menschen betroffen, bis 2040 könnten es 12 Mio. sein. Was Prävention und neue Technik bewirken.

Fast jede zehnte Person in Deutschland lebt mit Typ-2-Diabetes – und die Zahl steigt weiter. Laut dem Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2026, den die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe gemeinsam veröffentlicht haben, sind derzeit rund 9,3 Millionen Menschen in Deutschland betroffen. Jedes Jahr kommen etwa 450.000 Neuerkrankungen hinzu. Eine Prognose des Robert Koch-Instituts geht bis 2040 von bis zu 12 Millionen Menschen mit Diabetes in Deutschland aus.

Warum Diabetes so viele Menschen betrifft

Typ-2-Diabetes entwickelt sich meist schleichend über Jahre. Übergewicht, Bewegungsmangel und unausgewogene Ernährung gelten als die wichtigsten Risikofaktoren. Ein zentrales Problem: Viele Betroffene ahnen lange nichts von ihrer Erkrankung. Der Blutzuckerspiegel steigt langsam an, ohne dass deutliche Symptome auftreten. Laut Schätzungen liegt bei jeder fünften Person zwischen 18 und 79 Jahren in Deutschland ein sogenannter Prädiabetes vor – also erhöhte Blutzuckerwerte unterhalb der eigentlichen Diabetes-Schwelle. Die meisten wissen es nicht.

Dazu kommt Typ-1-Diabetes, eine Autoimmunerkrankung, die weder durch den Lebensstil ausgelöst noch verhindert werden kann. Hier zerstört das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse. Laut Gesundheitsbericht sind inzwischen 340.000 Erwachsene und 35.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland betroffen – mit steigender Tendenz. Als mögliche Ursachen gelten Virusinfektionen, Veränderungen der Darmflora und Umweltfaktoren, die die Autoimmunreaktion begünstigen können.

Was der Gesundheitsbericht 2026 im Detail zeigt

Die Zahlen verdeutlichen die gesellschaftliche Tragweite der Erkrankung. 16 Prozent aller Todesfälle in Deutschland stehen im Zusammenhang mit Diabetes. Die jährlichen Kosten für Behandlung und Folgeschäden belaufen sich auf rund 36 Milliarden Euro – Deutschland liegt damit im internationalen Vergleich auf Platz vier.

Menschen mit Diabetes erkranken überdurchschnittlich häufig an Herzerkrankungen, Nierenproblemen und Augenschäden. Besonders der Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen rückt aktuell in den Fokus: Eine Auswertung des Deutschen Gesundheitsportals vom Mai 2026 zeigt, dass Diabetes und Fettleber häufig gemeinsam auftreten und sich dabei gegenseitig verstärken. Menschen, die beides haben, tragen ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall – ein Zusammenhang, der lange unterschätzt wurde.

„Das ist nicht nur eine medizinische, sondern auch eine gesellschaftliche Herausforderung", sagt laut Pressemitteilung Dr. Jens Kröger, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE. „Prävention wirkt – und sie ist der wirtschaftlichste Weg, um die Krankheitslast zu verringern."

Was Prävention konkret bedeutet

Die Botschaft des Berichts ist eindeutig: Ein Großteil der Neuerkrankungen wäre vermeidbar. Nach aktuellen Schätzungen könnten neun von zehn Typ-2-Diabetes-Erkrankungen durch Lebensstilveränderungen verhindert werden. Studien zeigen, dass bereits 30 Minuten Bewegung pro Tag das Erkrankungsrisiko um bis zu 40 Prozent senken können – selbst zügiges Spazierengehen zählt.

Regelmäßige Blutzuckertests können einen Prädiabetes bis zu zehn Jahre vor einer Diabetes-Diagnose aufdecken. Das eröffnet ein wichtiges Zeitfenster: Wer in dieser Phase handelt, kann die Krankheit oft noch aufhalten oder deutlich verzögern. DDG und diabetesDE fordern deshalb flächendeckende Früherkennungs-programme und die Umsetzung einer nationalen Diabetesstrategie – bislang fehlt Deutschland, anders als viele andere EU-Länder, ein solches verbindliches Gesamtkonzept.

„Gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und Aufklärung sind zentrale Hebel, um diese chronische Erkrankung zu vermeiden, auszubremsen oder Folgeerkrankungen zu verhindern", betont laut Bericht Professorin Dr. Julia Szendrödi, Präsidentin der DDG.

Neue Technologien verändern den Alltag mit Diabetes

Für Menschen, die bereits erkrankt sind, verbessern sich die Behandlungs-möglichkeiten rasch. Immer mehr Betroffene nutzen Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM), die den Blutzucker rund um die Uhr überwachen – ohne Fingerstiche. Besonders bei Typ-1-Diabetes setzen sich automatisierte Insulin-Dosierungssysteme (AID) durch: Sie erkennen Blutzuckerschwankungen und passen die Insulinzufuhr automatisch an. Kinder und Jugendliche profitieren davon besonders im Schulalltag.

Parallel erforschen Wissenschaftler Wege, die insulinproduzierenden Zellen im Körper langfristig zu erhalten oder sogar wiederherzustellen. „Diese Innovationen machen Hoffnung, dass wir Diabetes künftig besser kontrollieren oder eines Tages vielleicht sogar heilen können", so Szendrödi laut Pressemitteilung der DDG.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes?

Bei Typ-1-Diabetes zerstört das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse. Die Erkrankung tritt oft schon in der Kindheit oder Jugend auf und erfordert lebenslang Insulin. Typ-2-Diabetes entsteht dagegen meist im Erwachsenenalter und hängt stark mit Lebensstil und genetischen Faktoren zusammen. Der Körper produziert noch Insulin, kann es aber nicht mehr ausreichend verwerten.

Woran erkenne ich einen Prädiabetes?

Prädiabetes verursacht kaum Symptome – er wird fast immer zufällig bei einem Bluttest entdeckt. Ein einfacher Nüchternblutzucker-Test oder HbA1c-Wert beim Hausarzt reicht aus. Risikofaktoren sind Übergewicht, Bewegungsmangel, erhöhter Blutdruck, ein Diabetesfall in der Familie oder ein früherer Schwangerschafts-diabetes. Ab 35 Jahren empfiehlt sich eine regelmäßige Kontrolle.

Kann Typ-2-Diabetes auch wieder verschwinden?

In frühen Stadien kann eine deutliche Gewichtsreduktion und dauerhafte Lebensstiländerung die Blutzuckerwerte wieder in den Normalbereich bringen – medizinisch spricht man von einer Remission. Das gelingt nicht immer, zeigt aber, dass frühes Handeln entscheidend ist.

Was hilft bei Prädiabetes wirklich?

Vor allem drei Dinge: mehr Bewegung, weniger raffinierte Kohlenhydrate und Gewichtsabnahme – auch schon fünf bis zehn Prozent des Körpergewichts können den Blutzucker deutlich verbessern. Diabetologische Beratung und digitale Coaching-Apps können dabei unterstützen. Manche Krankenkassen erstatten zertifizierte Präventionsprogramme vollständig. Den Hausarzt ansprechen lohnt sich – ein einfacher Bluttest ist der erste Schritt.

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