Diabetes 2026: 9,3 Millionen Betroffene – und es werden immer mehr
Der neue Gesundheitsbericht Diabetes 2026 zeigt: Immer mehr Menschen erkranken – und immer früher. Was die Zahlen bedeuten und was du tun kannst.
Rund 9,3 Millionen Menschen in Deutschland leben mit Typ-2-Diabetes. Jedes Jahr kommen etwa 450.000 Neuerkrankungen dazu – das entspricht einer neuen Diagnose alle 70 Sekunden. Das zeigt der Deutsche Gesundheitsbericht Diabetes 2026, den die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe zum Weltdiabetestag im November 2025 veröffentlicht haben. [1] Das Fazit der Fachgesellschaften: Deutschland braucht endlich eine nationale Diabetesstrategie – und mehr Prävention, bevor es zu spät ist.
Was der Gesundheitsbericht 2026 zeigt
Die Zahlen sind eindeutig. Beim Typ-2-Diabetes – der häufigsten Form, die eng mit Übergewicht, Bewegungsmangel und ungesunder Ernährung zusammenhängt – liegt Deutschland mit 9,3 Millionen Betroffenen unter den am stärksten belasteten Ländern Europas. [1]
Hinzu kommt ein beunruhigender Trend: Diabetes trifft zunehmend jüngere Menschen. Früher galt Typ-2-Diabetes als Erkrankung des höheren Alters. Heute erkranken auch 30- und 40-Jährige – befeuert durch steigendes Übergewicht und immer weniger körperliche Aktivität im Alltag. [2]
Auch Typ-1-Diabetes, eine Autoimmunerkrankung, nimmt zu: Derzeit sind 340.000 Erwachsene und 35.000 Kinder und Jugendliche betroffen. Als Ursachen werden genetische Faktoren, Virusinfektionen, Veränderungen der Darmflora und Umweltchemikalien diskutiert. [1]
Was Diabetes das Gesundheitssystem kostet
Die volkswirtschaftliche Belastung ist enorm. Laut Gesundheitsbericht belaufen sich die jährlichen Kosten für Behandlung und Folgeerkrankungen auf rund 36 Milliarden Euro – Platz 4 weltweit. [1] Und 16 Prozent aller Todesfälle in Deutschland stehen im Zusammenhang mit Diabetes. Das sind mehr als 150.000 Menschen pro Jahr.
Menschen mit Diabetes erkranken überdurchschnittlich häufig an Herzinfarkten, Nierenschwäche und Erblindung durch diabetische Netzhautschäden. Diese Folgeerkrankungen entstehen oft schleichend über Jahre – und viele Betroffene wissen lange nicht, dass ihr Blutzucker zu hoch ist. „Prävention wirkt – und sie ist der wirtschaftlichste Weg, um die Krankheitslast zu verringern", sagt Dr. Jens Kröger, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE. [1]
Eine Prognose des Robert Koch-Instituts (RKI) rechnet bis 2040 mit bis zu 12 Millionen Menschen mit Diabetes in Deutschland. [2] Das entspricht etwa 14 Prozent der Bevölkerung.
Warum die Erkrankung immer häufiger – und früher – zuschlägt
Typ-2-Diabetes entsteht nicht über Nacht. Oft geht eine Phase des sogenannten Prä-Diabetes voraus, in der die Blutzuckerwerte schon erhöht sind, aber noch kein Diabetes diagnostiziert wurde. In dieser Phase lässt sich die Erkrankung durch Lebensstiländerungen noch aufhalten oder verzögern. [3]
Das Problem: Viele Menschen wissen nichts von ihrer Erkrankung. Schätzungen zufolge lebt jeder fünfte Mensch mit Typ-2-Diabetes in Deutschland unentdeckt mit der Krankheit. Weil Diabetes lange keine spürbaren Symptome verursacht, wird er oft erst diagnostiziert, wenn Folgeschäden bereits eingetreten sind.
DDG-Präsidentin Prof. Dr. Julia Szendrödi betont: „Gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und Aufklärung sind zentrale Hebel, um diese chronische Erkrankung zu vermeiden, auszubremsen oder Folgeerkrankungen zu verhindern." [1] Die Fachgesellschaften fordern deshalb flächendeckende Früherkennungsprogramme und eine nationale Diabetesstrategie – beides fehlt in Deutschland bislang.
Wie Technik den Alltag mit Diabetes verändert
Wer bereits erkrankt ist, hat heute deutlich bessere Werkzeuge als noch vor zehn Jahren. Insulinpumpen und Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) messen den Blutzucker automatisch im Minutentakt und übertragen die Werte direkt aufs Smartphone. Automatische Insulin-Dosierungs-Systeme (AID) passen die Insulindosis sogar selbstständig an – fast wie eine künstliche Bauchspeicheldrüse. [1]
Besonders Kinder und Jugendliche profitieren: Sie müssen sich tagsüber weniger oft in den Finger stechen, und die Gefahr gefährlicher Unterzuckerungen sinkt deutlich. Diese Technologien gehören mittlerweile zur Regelversorgung der gesetzlichen Krankenkassen – vorausgesetzt, die medizinischen Voraussetzungen sind erfüllt.
Parallel forscht die Wissenschaft an Wegen, die körpereigene Insulinproduktion langfristig zu erhalten oder sogar wiederherzustellen. Erste klinische Studien zeigen vielversprechende Ergebnisse – bis zur Zulassung sind es aber noch Jahre. [3]
Häufige Fragen zu Diabetes
Wie erkenne ich, ob ich Prä-Diabetes habe?
Prä-Diabetes verursacht meist keine Beschwerden. Ein einfacher Nüchtern-Blutzuckertest beim Hausarzt reicht für die Diagnose. Wer übergewichtig ist, sich wenig bewegt, raucht oder Diabetes in der Familie hat, sollte regelmäßig testen lassen. [2]
Kann Typ-2-Diabetes durch Lebensstiländerungen verhindert werden?
Ja – laut Studienlage lässt sich das Risiko durch eine Gewichtsreduktion von 5 bis 10 Prozent, mehr Bewegung und eine ballaststoffreiche Ernährung erheblich senken. In der Prä-Diabetesphase kann die Erkrankung sogar noch vollständig abgewendet werden. [3]
Übernimmt die Krankenkasse CGM-Sensoren?
Für Menschen mit Typ-1-Diabetes werden CGM-Geräte in der Regel erstattet. Bei Typ-2-Diabetes hängt die Kostenübernahme von der Therapieform ab – wer Insulin spritzt, hat bessere Chancen auf Erstattung. Der Hausarzt oder Diabetologe kann eine Verordnung ausstellen.
Welche Diabetes-Apps werden von der Kasse bezahlt?
Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) für Diabetes, die vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassen sind, können per Rezept verordnet und von der GKV erstattet werden. [1]
Alle Diabetes-Apps, DiGAs und digitale Gesundheitsangebote findest du auf bestes.com.
Quellen:
[1] Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG). Pressemitteilung zum Weltdiabetestag, 13. November 2025. https://www.ddg.info/presse/2025/zum-weltdiabetestag-zeigt-der-deutsche-gesundheitsbericht-diabetes-2026-warum-handeln-jetzt-wichtiger-ist-denn-je
[2] Informationsdienst Wissenschaft (idw-online). "Gesundheitsbericht Diabetes 2026: Immer mehr Menschen erkranken – und immer früher." 13. November 2025. https://idw-online.de/de/news861489
[3] Gelbe Liste Online. "Diabetes in Deutschland: Gesundheitsbericht 2026 zeigt wachsende Belastung." 15. Dezember 2025. https://www.gelbe-liste.de/diabetologie/diabetes-gesundheitsbericht-2026-trends-praevention