DAK-Hitzereport 2026: Fast jeder Dritte leidet unter Hitze
DAK-Hitzereport 2026: 30 % der Deutschen haben Hitzebeschwerden – +10 Prozentpunkte in 3 Jahren. Frauen doppelt so betroffen wie Männer.
Hitze macht krank – und immer mehr Menschen in Deutschland spüren das am eigenen Körper. Laut dem DAK-Hitzereport 2026, der am 13. Juli 2026 veröffentlicht wurde, berichtet inzwischen fast jeder und jede Dritte von gesundheitlichen Beschwerden durch hohe Temperaturen. Das sind rund 30 Prozent der Bevölkerung – zehn Prozentpunkte mehr als noch vor drei Jahren. Für die repräsentative Studie befragte das Forsa-Institut im Auftrag der DAK-Gesundheit zwischen dem 22. Juni und dem 1. Juli 2026 insgesamt 1.519 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger ab 18 Jahren.
Müdigkeit, Schlafprobleme, Kreislaufbeschwerden – die häufigsten Symptome
Die häufigsten Beschwerden, über die Betroffene berichten, sind Müdigkeit und Abgeschlagenheit (71 Prozent), Schlafprobleme (68 Prozent), Kreislaufbeschwerden wie Schwindel oder niedriger Blutdruck (64 Prozent) sowie Kopfschmerzen (52 Prozent). Obwohl fünf Prozent der Betroffenen deshalb einen Arzt aufsuchen mussten, gibt die große Mehrheit – 94 Prozent aller Befragten – an, zu wissen, wie man sich persönlich vor hitzebedingten Gesundheitsfolgen schützen kann.
Besonders anfällig sind Menschen, die in Großstädten leben: Dort leiden 38 Prozent unter hitzebedingten Beschwerden. Auch die Altersgruppe der 30- bis 44-Jährigen ist mit 35 Prozent überdurchschnittlich häufig betroffen. Ein auffälliger Befund betrifft das Geschlecht: Frauen haben mit 40 Prozent fast doppelt so häufig Gesundheitsprobleme wie Männer (21 Prozent). Warum das so ist, ist noch nicht abschließend erforscht – Faktoren wie Körperzusammensetzung, hormonelle Einflüsse und berufliche Exposition dürften dabei eine Rolle spielen.
Pflege, Bau, Schule: Drei Bereiche unter besonderem Druck
Laut DAK-Hitzereport 2026 sieht die große Mehrheit der Befragten bestimmte Branchen und Einrichtungen als besonders stark von Hitzewellen betroffen. Auf Platz eins: körperlich schwere Berufe wie Handwerk, Bau und Produktion – 89 Prozent nennen diesen Bereich. Dicht dahinter liegt die Pflege: 86 Prozent der Befragten bezeichnen Pflegeeinrichtungen als besonders hitzebelastet. Auf dem dritten Platz folgen Schulen und Kindergärten mit 58 Prozent – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr, als noch 49 Prozent diesen Bereich als betroffen einstuften.
Diese Einschätzungen decken sich mit internationalen Forschungsergebnissen: Ältere Menschen, Kinder und Personen mit chronischen Erkrankungen sind physiologisch stärker hitzegefährdet. In Pflegeheimen und Schulen, wo diese Gruppen konzentriert sind, können Hitzewellen schnell zu medizinischen Notfällen führen – insbesondere wenn Klimatisierung fehlt und Trinkwasserzugang schlecht organisiert ist.
Drei Viertel fordern mehr Hitzeschutz – und vertrauen dem Staat nicht
Der DAK-Hitzereport zeigt auch ein deutliches politisches Signal: 72 Prozent der Befragten – fast drei Viertel – sind der Meinung, dass die bisherigen Hitzeschutzmaßnahmen nicht ausreichen. Bei jungen Menschen zwischen 18 und 29 Jahren steigt dieser Anteil sogar auf 82 Prozent. Gleichzeitig machen sich insgesamt 40 Prozent der Deutschen große und weitere 22 Prozent sehr große Sorgen vor weiteren Extremwetterereignissen.
„Hitzewellen werden zunehmend zur Belastung: Wenn ein Drittel der Bevölkerung schon Gesundheitsprobleme hatte, dann muss der Hitzeschutz gerade für ältere Menschen, chronisch Kranke und Kinder verbessert werden", wird Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit, in der Pressemitteilung vom 13. Juli 2026 zitiert. „Es ist alarmierend, wenn die große Mehrheit der Menschen Sorge vor dem Extremwetter hat und die aktuellen Maßnahmen nicht ausreichend findet."
Auf kommunaler Ebene fehlt es bislang an flächendeckenden Hitzeschutzplänen. Einige Bundesländer haben in den vergangenen Jahren Maßnahmen ergriffen – etwa Hitzeaktionspläne für Pflegeheime oder Kühlräume in öffentlichen Gebäuden. Doch die Umsetzung ist uneinheitlich, wie eine Auswertung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigt.
Was jede und jeder selbst tun kann
Viel Wasser trinken – mindestens 1,5 bis 2 Liter täglich, bei Hitze und körperlicher Aktivität mehr – bleibt die wichtigste Einzelmaßnahme. Betroffene sollten außerdem direktes Sonnenlicht zwischen 11 und 15 Uhr meiden, Wohnräume durch Rollläden oder Jalousien kühl halten und auf körperlich anstrengende Aktivitäten in den frühen Morgen oder den späten Abend verlegen. Wer besonders unter Kreislaufproblemen oder Schlafstörungen durch Hitze leidet, sollte das mit seiner Hausarztpraxis besprechen – nicht erst, wenn die Beschwerden ernst werden.
Telemedizinische Angebote wie Kry oder TeleClinic ermöglichen eine unkomplizierte Ersteinschätzung ohne langen Anfahrtsweg – ein Vorteil gerade dann, wenn sich hitzebedingte Beschwerden langsam entwickeln und man noch nicht sicher ist, ob ein Arztbesuch nötig ist. Wer dauerhaft mit Schlafproblemen kämpft, die sich in Hitzenächten verschärfen, findet auf bestes.com eine Übersicht über digitale Gesundheitsangebote zu Schlaf, Wohlbefinden und Allgemeinmedizin.
Ältere Menschen ab 65, Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenerkrankungen oder Diabetes sowie Menschen mit bestimmten Medikamenten (etwa Diuretika, Betablocker oder Psychopharmaka) sollten bei anhaltender Hitze besonders wachsam sein. Diese Gruppen schwitzen weniger effizient oder können ihren Flüssigkeitsbedarf schlechter wahrnehmen. Wenn Angehörige in Risikogruppen nicht gut versorgt sind, lohnt ein Anruf – auch das kann Leben retten.
Häufige Fragen zur Hitze und Gesundheit
Warum macht Hitze krank?
Der menschliche Körper hält seine Kerntemperatur von etwa 37 Grad Celsius aufrecht, indem er schwitzt und die Blutgefäße erweitert. Bei extremer Hitze gerät dieses Kühlsystem unter Druck: Flüssigkeits- und Salzverlust durch Schwitzen kann zu Dehydration führen, der Kreislauf wird belastet, und der Schlaf verschlechtert sich, weil der Körper nachts Schwierigkeiten hat, abzukühlen. Wenn der Mechanismus komplett überfordert ist, kann ein Hitzschlag entstehen – ein medizinischer Notfall, der sofort behandelt werden muss.
Warum sind Frauen stärker von Hitzebeschwerden betroffen?
Laut DAK-Hitzereport 2026 berichten Frauen (40 Prozent) fast doppelt so häufig von Gesundheitsproblemen wie Männer (21 Prozent). Mögliche Ursachen sind hormonelle Einflüsse auf die Thermoregulation, ein geringerer Anteil an Muskelmasse – die Wärme effizienter leitet – sowie berufliche Faktoren (z. B. Pflege oder Kinderbetreuung, wo Frauen überrepräsentiert sind).
Ab wann sollte man bei Hitzebeschwerden zum Arzt?
Müdigkeit, Kopfschmerzen und Schlafprobleme sind häufige, aber meist harmlose Reaktionen auf Hitze. Sollten Schwindel, Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit, schneller Herzschlag oder Aufhören des Schwitzens auftreten, handelt es sich möglicherweise um einen Hitzeschlag – sofort den Notruf (112) rufen. Bei anhaltenden Kreislaufproblemen oder wenn bekannte Grunderkrankungen sich verschlechtern, sollte eine Arztpraxis oder ein telemedizinischer Dienst kontaktiert werden.
Sind aktuelle Hitzeschutzmaßnahmen in Deutschland ausreichend?
Nach den Ergebnissen des DAK-Hitzereports 2026 sagt die klare Mehrheit: Nein. 72 Prozent der Befragten halten die bisherigen Maßnahmen für nicht ausreichend. Besonders junge Menschen unter 30 Jahren sind skeptisch (82 Prozent). Bundesweit fehlen einheitliche kommunale Hitzeschutzpläne – das Thema steht gerade politisch auf der Agenda.