DAK-Gesundheitsmonitor 2026: Zufriedenheit auf tiefstem Stand seit 15 Jahren
DAK-Monitor 2026: Nur 62% zufrieden – Tiefstwert seit 15 Jahren. Ärztemangel betrifft 36%, Wartezeiten sind Problem Nr. 1.
Nur noch 62 Prozent der Menschen in Deutschland sind mit dem Gesundheitssystem zufrieden. Das zeigt der DAK-Gesundheitsmonitor 2026, für den das Institut für Demoskopie Allensbach unter Leitung von Prof. Dr. Renate Köcher im April 2026 repräsentativ 1.015 Personen ab 16 Jahren befragt hat. Damit fällt die Zufriedenheit auf den niedrigsten Wert seit 15 Jahren: Zwischen 2012 und 2022 hatten konstant über 80 Prozent der Bevölkerung das Gesundheitssystem positiv bewertet. Seither ist der Wert kontinuierlich gesunken. Die Zahl der kritischen Stimmen hat sich seit 2020 von 11 auf 35 Prozent mehr als verdreifacht. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung hat persönlich in den letzten zwei bis drei Jahren schlechtere Erfahrungen mit der ärztlichen Versorgung gemacht als früher.
Ärztemangel und Wartezeiten: Die zwei größten Baustellen
Der wichtigste Grund für den Vertrauensverlust ist der zunehmende Ärztemangel. Laut DAK-Gesundheitsmonitor erleben 36 Prozent der Befragten ihn heute in ihrer Region – 2011 waren es erst 13 Prozent. In Ostdeutschland ist mit 57 Prozent mehr als jeder Zweite betroffen. Damit hat sich das Problem in gut zehn Jahren nahezu verdreifacht.
Eng verknüpft mit dem Ärztemangel sind lange Wartezeiten. 72 Prozent der Befragten nennen lange Wartezeiten auf einen Arzttermin als zentralen Kritikpunkt – der am häufigsten genannte Negativfaktor überhaupt. Fast jeder Zweite gibt an, in den vergangenen Jahren mehrmals sehr lange auf einen Termin warten zu müssen. Das sind 15 Prozentpunkte mehr als noch 2016. Besonders schwierig ist die Lage bei Fachärzten in ländlichen Regionen, wo Termine teils sechs bis acht Wochen im Voraus vergeben werden und die nächste Praxis mitunter 30 Kilometer entfernt liegt. Prof. Dr. Renate Köcher, Leiterin der Allensbach-Studie, stellt fest laut Pressemitteilung: „Die Gesundheitsversorgung ist für die Bevölkerung ein außerordentlich wichtiges Thema. Die große Mehrheit macht sich Sorgen, dass sich die Qualität der Versorgung verschlechtert."
Krankenhäuser: Auch das Vertrauen in die stationäre Versorgung schwindet
Nicht nur bei niedergelassenen Ärzten sinkt das Vertrauen. Laut Allensbach-Erhebung haben aktuell nur noch 33 Prozent der Befragten uneingeschränktes Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Krankenhäuser – 2022 waren es noch 43 Prozent, ein Rückgang um zehn Prozentpunkte in nur vier Jahren. Das spiegelt eine reale Krise wider: Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnt, dass ein Drittel aller Kliniken die laufende Gesundheitsreform finanziell nicht überleben werde. Seit 2022 haben bundesweit bereits 85 Krankenhäuser Insolvenz angemeldet.
Pessimistischer Blick in die Zukunft – und Kritik an der Gesundheitspolitik
Die Bevölkerung blickt mehrheitlich skeptisch auf die kommenden Jahre: 59 Prozent erwarten, dass sich die Gesundheitsversorgung in den nächsten zehn Jahren weiter verschlechtert. Die große Mehrheit rechnet mit steigenden Kosten und einer verstärkten Zwei-Klassen-Medizin. Zwei Drittel der Befragten sind überzeugt, dass das System umfassend reformiert werden muss – vor zehn Jahren sagte das erst 41 Prozent. Der Reformwille ist vorhanden, der Glaube an die Umsetzung fehlt: Nur 10 Prozent glauben, dass es gelingt, die GKV-Beiträge stabil zu halten. 68 Prozent haben dafür keine Hoffnung.
Auch die Gesundheitspolitik selbst steht unter erheblichem Druck: 61 Prozent der Bevölkerung haben keinen guten Eindruck von ihr – der schlechteste Wert seit 2009. DAK-Vorstandschef Andreas Storm kommentiert laut Pressemitteilung: „Das deutsche Gesundheitssystem ist krank. Wenn die Zufriedenheit der Menschen den tiefsten Stand seit 15 Jahren erreicht, dann müssen umgehend wirkungsvolle Therapien zur Hilfe eingeleitet werden. Wir brauchen bei der geplanten Gesundheitsreform eine Kombination aus fairer Lastenverteilung und mutigen Strukturreformen."
Was Menschen trotzdem schätzen: Das Solidarprinzip
Trotz aller Kritik bleibt ein Kernprinzip des deutschen Gesundheitswesens stabil verankert: 74 Prozent der Befragten unterstützen das Solidarprinzip der gesetzlichen Krankenversicherung, nur 9 Prozent äußern sich kritisch. Das System als solches steht nicht infrage – es ist die Qualität der Versorgung, die die Menschen beschäftigt und frustriert.
Bei den diskutierten Reformmaßnahmen zeigt sich ein klares Bild. Die Mehrheit befürwortet höhere Steuern auf Tabak und Alkohol sowie eine Zuckerabgabe für Erfrischungsgetränke. Höhere Pharmarabatte werden ebenfalls unterstützt. Klare Ablehnung gibt es dagegen bei Leistungskürzungen: 74 Prozent lehnen Einschnitte beim Zahnersatz ab, genauso viele höhere Kassenbeiträge. 67 Prozent sind gegen Einschränkungen bei der Hautkrebsvorsorge, 65 Prozent gegen Kürzungen beim Krankengeld, 53 Prozent gegen die teilweise Abschaffung der kostenlosen Ehepartner-Mitversicherung. Die Botschaft der Bevölkerung ist eindeutig: Reformen ja, aber nicht auf Kosten der Versicherten.
Was das für dich bedeutet
Lange Wartezeiten und Ärztemangel sind keine abstrakten Statistiken – sie betreffen Millionen Menschen im Alltag direkt. Wer nicht wochenlang auf einen Termin warten möchte, hat heute mehr Optionen als früher. Telemedizin-Angebote ermöglichen Arztgespräche oft noch am selben Tag, ohne Warteraum und Anfahrt. Symptom-Checker helfen bei der ersten Einschätzung, ob und wie dringend ein Arztbesuch nötig ist. Digitale Terminplattformen vergleichen Verfügbarkeiten in der Region und können Wartezeiten deutlich verkürzen. Bei akuten, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden hilft auch der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 – er wird seit Juli 2026 als Erstleitstelle weiter ausgebaut und ist kostenfrei. Auf bestes.com findest du einen strukturierten Überblick über telemedizinische Angebote und digitale Gesundheitsservices, die Wartezeiten reduzieren und den Zugang zur Versorgung verbessern können.
Häufige Fragen
Wie zufrieden sind Deutsche wirklich mit ihrem Gesundheitssystem?
Laut DAK-Gesundheitsmonitor 2026 (Institut für Demoskopie Allensbach, n=1.015) sind nur noch 62 Prozent zufrieden – der niedrigste Wert seit 15 Jahren. Zwischen 2012 und 2022 lag die Zustimmungsrate konstant über 80 Prozent. Die Zahl kritischer Stimmen hat sich seit 2020 mehr als verdreifacht: von 11 auf 35 Prozent.
Wie schlimm ist der Ärztemangel in Deutschland?
36 Prozent der Deutschen erleben in ihrer Region Ärztemangel – in Ostdeutschland sogar 57 Prozent. Zum Vergleich: 2011 waren es erst 13 Prozent bundesweit. Das Problem hat sich in zehn Jahren nahezu verdreifacht.
Was kann ich tun, wenn ich keinen Arzttermin bekomme?
Telemedizinische Angebote bieten oft kurzfristige Termine ohne Anfahrt. Alternativ hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 bei akuten Beschwerden außerhalb der regulären Sprechzeiten – ohne vorherige Terminvereinbarung, kostenfrei über die GKV.