COVID-19-Impfschutz 2025/2026: Studie zeigt 55 % weniger Hospitalisierungen
Eine von der CDC blockierte, nun in JAMA Network Open publizierte Studie belegt: Der aktuelle COVID-Impfstoff senkt Hospitalisierungsrisiko um 55 Prozent.
Eine Studie über die Wirksamkeit des aktualisierten COVID-19-Impfstoffs wurde Ende Juni 2026 im Fachjournal JAMA Network Open veröffentlicht – nachdem sie zuvor von der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC blockiert worden war. Das Ergebnis ist eindeutig: Der Impfstoff der Saison 2025/2026 reduziert das Risiko einer COVID-19-bedingten Krankenhauseinweisung um 55 Prozent. Für Deutschland und Europa ist die Studienlage relevant, da sie den aktuellen Erkenntnisstand zur Schutzwirkung zeitgemäßer Impfstoffe belegt.
Was die Studie gemessen hat
Forscherinnen und Forscher der CDC sowie Wissenschaftler aus zehn US-Bundesstaaten untersuchten Erwachsene ab 18 Jahren mit normaler Immunfunktion, die zwischen September und Dezember 2025 medizinische Versorgung wegen COVID-19-ähnlicher Symptome aufgesucht hatten. Insgesamt wurden 85.725 Behandlungsfälle aus Notaufnahmen und Notfallpraxen ausgewertet. Das Studiendesign, das sogenannte Test-negative Design, vergleicht geimpfte und ungeimpfte Patientinnen und Patienten mit ähnlichem Krankheitsbild – eine seit rund 20 Jahren bewährte Methode zur Messung realer Impfeffektivität, wie sie das RKI und europäische Gesundheitsbehörden ebenfalls einsetzen.
Die Ergebnisse, veröffentlicht in JAMA Network Open am 23. Juni 2026: Der aktualisierte Impfstoff senkte das Risiko einer COVID-19-Hospitalisierung um 55 Prozent. Das Risiko, wegen COVID-19 eine Notaufnahme oder Notfallpraxis aufsuchen zu müssen, sank um 50 Prozent. Bei Erwachsenen ab 65 Jahren – der Gruppe mit dem höchsten Schwerekrankheits-Risiko – lag die Schutzwirkung gegen Krankenhausaufnahmen bei 53 Prozent, gegen Notaufnahmebesuche bei 48 Prozent.
Die Studie beantwortet damit eine Frage, die viele Menschen beschäftigt: Lohnt sich die Auffrischimpfung noch, wenn man COVID-19 bereits hatte oder schon mehrfach geimpft wurde? Laut der Analyse: ja. Die Schutzwirkung wurde in einer Bevölkerung gemessen, in der viele bereits Vorimmunität durch frühere Infektionen oder Impfungen besaßen.
Warum die CDC die Studie zunächst blockierte
Ursprünglich war die Studie für den Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR) der CDC vorgesehen – einen wöchentlichen Bericht, in dem die Behörde epidemiologische Daten veröffentlicht. Im März 2026 hätte sie dort erscheinen sollen. Doch der amtierende CDC-Direktor Jay Bhattacharya stoppte die Veröffentlichung nachträglich – obwohl die Studie bereits das wissenschaftliche Gutachterverfahren durchlaufen und eine redaktionelle Freigabe erhalten hatte.
Bhattacharya kritisierte das verwendete Test-negative-Design als methodisch unzureichend. In einem Kommentar für die Washington Post argumentierte er im April 2026, dass Längsschnittstudien – also die Beobachtung geimpfter und ungeimpfter Gruppen über längere Zeiträume – eine robustere Methode darstellten. Unabhängige Experten widersprachen: Professor William Schaffner von der Vanderbilt University Medical Center erklärte gegenüber Healthline, die Studie bestätige, „dass COVID noch unter uns ist und der Impfstoff erheblichen Schutz gegen schwere Erkrankungen bietet". Letztlich wurde die Arbeit bei JAMA Network Open eingereicht, wo sie nach erfolgreichem Peer-Review veröffentlicht wurde.
Die Methodik: Was das Test-negative Design leisten kann – und was nicht
Das Test-negative Design vergleicht Patientinnen und Patienten, die mit gleichen Symptomen medizinische Hilfe suchen, aber unterschiedliche Testergebnisse haben: Die einen testen positiv auf SARS-CoV-2, die anderen negativ. Da beide Gruppen ähnliche Motive für den Arztbesuch haben, werden Verzerrungen durch unterschiedliches Gesundheitsverhalten reduziert – ein entscheidender Vorteil gegenüber rein bevölkerungsbasierten Studien.
Wie Natalie Dean, Professorin für Biostatistik an der Rollins School of Public Health der Emory University, in einem Begleit-Editorial in JAMA Network Open beschreibt, ist das Design eine „pragmatische Lösung für das schwierige Problem der Messung von Impfeffektivität". Gleichzeitig weist sie auf Grenzen hin: Einige Patientinnen und Patienten könnten die Notaufnahme aus Gründen aufgesucht haben, die nicht direkt mit COVID-19 zusammenhängen. Impfnachweise könnten in Einzelfällen unvollständig gewesen sein. Und: Die Studie erfasste nicht, ob Teilnehmende frühere COVID-Infektionen oder Vorgänger-Impfungen hatten. Die gemessene Wirksamkeit zeigt also den zusätzlichen Schutz des 2025/2026-Impfstoffs auf eine bereits teilimmuner Bevölkerung.
Was das für informierte Impfentscheidungen bedeutet
Die Kontroverse rund um diese Studie zeigt ein grundlegendes Problem: Wenn Gesundheitsbehörden Forschungsergebnisse zurückhalten, werden informierte Entscheidungen erschwert – für medizinisches Fachpersonal ebenso wie für Privatpersonen. Notfallmediziner Robert Glatter vom Lenox Hill Hospital in New York formulierte es gegenüber Healthline so: „Die eigentliche Botschaft lautet nicht: Der Impfstoff ist zu 50 Prozent wirksam, Punkt. Sie lautet: Selbst wenn man COVID kürzlich hatte und bereits geimpft wurde, reduziert der aktuelle Impfstoff messbar die Wahrscheinlichkeit, so krank zu werden, dass man medizinische Hilfe benötigt."
Für Menschen, die ihre Gesundheitsentscheidungen auf aktuelle, belegte Daten stützen möchten, ist genau das der entscheidende Punkt: Die jetzt in JAMA Network Open veröffentlichte Studie liefert diese Grundlage – trotz behördlicher Hürden in den USA. In Deutschland empfehlen das Robert Koch-Institut und die Ständige Impfkommission (STIKO) weiterhin die COVID-19-Impfung für Risikogruppen, insbesondere für Menschen ab 60 Jahren, Schwangere und Personen mit Grunderkrankungen. Die aktuellen Zahlen aus den USA bestätigen diese Linie.
Die Publikation ist auch Teil einer breiteren Debatte: Im Mai 2026 blockierte die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA zwei Studien zur COVID-Impfstoffsicherheit sowie zwei Studien zum Gürtelrosen-Impfstoff Shingrix. Experten sehen darin ein Muster, das das öffentliche Vertrauen in Impfempfehlungen langfristig beschädigen könnte. Glatter betont: „Das normale Vorgehen bei einer Studie, mit der man nicht einverstanden ist, ist offene Kritik: eine Replik schreiben, eine Korrektur fordern, eine eigene Studie durchführen."
Für die konkrete Frage – lohnt sich die Auffrischung gegen COVID-19? – liefert die Studie aus dem VISION Network der CDC eine klare, datengestützte Antwort: Der aktualisierte Impfstoff schützt messbar vor schwerer Erkrankung, auch in einer bereits weitgehend immunen Bevölkerung. Wie bei jeder Impfentscheidung gilt: das persönliche Risikoprofil mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt besprechen und aktuelle Empfehlungen der Gesundheitsbehörden beachten.