Von Redaktion

BARMER Arztreport 2026: Endometriose-Fälle in Deutschland verdoppelt

510.000 Frauen in Deutschland haben Endometriose – mehr als doppelt so viele wie 2005. Was der BARMER Arztreport 2026 zeigt.

Rund 510.000 Frauen in Deutschland lebten im Jahr 2024 mit einer Endometriose-Diagnose – mehr als doppelt so viele wie noch im Jahr 2005, als die BARMER rund 230.000 Betroffene zählte. Das zeigt der BARMER Arztreport 2026, der Anfang März in Berlin vorgestellt wurde. Gleichzeitig stieg die Zahl der Krankenhausbehandlungen wegen Endometriose seit 2005 um mehr als 80 Prozent – auf rund 38.000 stationäre Fälle pro Jahr.

Endometriose: Wenn Gewebe wächst, wo es nicht hingehört

Endometriose ist eine chronische Erkrankung, bei der sich Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter ansiedelt – etwa an Eierstöcken, Eileitern oder im Bauchraum. Dieses Gewebe reagiert wie normale Gebärmutterschleimhaut auf Hormonschwankungen: Es baut sich auf, und wenn keine Schwangerschaft eintritt, blutet es ab. Das verursacht Entzündungen, Vernarbungen und oft starke, wiederkehrende Schmerzen.

Schätzungen zufolge sind in Deutschland zehn bis 15 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter betroffen. Viele davon wissen es lange nicht: Bis zur korrekten Diagnose vergehen laut Fachgesellschaften im Schnitt mehrere Jahre. Betroffene hören häufig, ihre Beschwerden seien "normal" oder typisch für die Menstruation – dabei ist starker Schmerz kein normaler Bestandteil des Zyklus.

Mehr als verdoppelt: Die Zahlen des BARMER Arztreports 2026

Für den Arztreport 2026 hat das BARMER Institut für Gesundheitssystemforschung (bifg) die Versorgungsdaten von mehreren Millionen Versicherten ausgewertet. Das Kernergenis: Die Zahl der Frauen mit Endometriose-Diagnose stieg von rund 230.000 im Jahr 2005 auf rund 510.000 im Jahr 2024 – ein Plus von mehr als 120 Prozent in knapp zwei Jahrzehnten.

BARMER-Vorstandschef Prof. Dr. Christoph Straub betont, dass die gestiegenen Fallzahlen nicht zwingend bedeuten, dass tatsächlich mehr Frauen erkrankt sind. Ein Teil des Anstiegs lasse sich durch verbesserte Diagnostik und ein gewachsenes Bewusstsein erklären – bei Ärztinnen und Ärzten wie auch bei den Patientinnen selbst. Dennoch machen die Zahlen deutlich, wie häufig Endometriose ist und wie stark sie das Gesundheitssystem belastet.

Frühere Diagnosen – aber mehr Begleiterkrankungen

Ein weiterer Befund des Arztreports: Frauen erhalten die Diagnose heute früher. Das Durchschnittsalter bei der Erstdiagnose sank laut BARMER-Auswertung zwischen 2015 und 2024 um 3,8 Jahre – von rund 41 auf nun 37,4 Jahre. Das ist ein Fortschritt: Frühzeitige Diagnosen ermöglichen frühzeitige Behandlung.

Gleichzeitig zeigen die Daten, wie belastend die Erkrankung ist: Frauen mit Endometriose leiden laut Auswertung doppelt so häufig unter Bauch- und Beckenschmerzen wie Frauen ohne die Erkrankung. Auch Migräne, Depressionen und Angststörungen treten deutlich häufiger auf. Endometriose ist damit weit mehr als ein gynäkologisches Problem – sie beeinträchtigt die gesamte Lebensqualität. Prof. Dr. Joachim Szecsenyi vom Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (AQUA) sieht darin einen Hinweis, dass das Versorgungssystem stärker auf ganzheitliche Behandlungsansätze setzen muss.

Regionale Unterschiede: Saarland vorne, Thüringen hinten

Die BARMER-Daten zeigen erhebliche Unterschiede innerhalb Deutschlands. Im Saarland werden rund 20 Prozent mehr Frauen mit Endometriose behandelt als im Bundesschnitt; Thüringen liegt etwa 20 Prozent darunter. Laut Arztreport erklärt sich das vor allem durch die unterschiedliche Dichte an spezialisierten Zentren: Regionen mit mehr gynäkologischen Fachzentren diagnostizieren häufiger und früher.

Für Betroffene in strukturschwächeren Regionen bedeutet das im Zweifel längere Wartezeiten und spätere Diagnosen – ein Ungleichgewicht, das Fachverbände seit Jahren kritisieren.

Neue Leitlinie 2025: Weniger Operationen zur Diagnosestellung

Bisher galt die Laparoskopie – eine Bauchspiegelung mit operativem Eingriff – als Standardverfahren zur sicheren Endometriose-Diagnose. Viele Frauen mussten also zunächst operiert werden, bevor die Erkrankung überhaupt offiziell feststand.

Das ändert sich: Eine neue Leitlinie aus dem Jahr 2025 empfiehlt, nicht-invasive Bildgebungsverfahren wie Ultraschall und MRT als erste Diagnoseoption einzusetzen. Die Laparoskopie kommt künftig nur noch dann zum Einsatz, wenn bildgebende Verfahren keine eindeutige Diagnose liefern – oder wenn ohnehin ein operativer Eingriff notwendig ist. Für Betroffene bedeutet das: weniger Risiken, weniger Operationen, schnellere Gewissheit.

Was Betroffene jetzt wissen sollten

Wer regelmäßig unter starken Unterleibsschmerzen leidet – besonders rund um die Menstruation – sollte das aktiv mit dem Frauenarzt oder der Frauenärztin besprechen und gezielt nach Endometriose fragen. Auch bei unerfülltem Kinderwunsch ist Endometriose eine mögliche Ursache, die frühzeitig abgeklärt werden sollte.

Digitale Hilfsmittel können den Weg zur Diagnose erleichtern: Apps wie die Endo App helfen Betroffenen, Symptome systematisch zu dokumentieren und für Arztgespräche aufzubereiten. Auch Zyklustracker wie Clue oder Flo Health ermöglichen es, Muster im Schmerzgeschehen über mehrere Monate hinweg sichtbar zu machen. Auf der Gesundheitsplattform bestes.com finden Betroffene eine Übersicht digitaler Gesundheitsangebote rund um Frauengesundheit und Zyklusbeschwerden.

Wer bereits die Diagnose hat, findet Unterstützung bei spezialisierten Endometriose-Zentren sowie beim Deutschen Endometriose-Verband, der bundesweit Selbsthilfegruppen und Beratungsangebote vermittelt.

Die Bestes-App

Gesundheit, die kostenlos in deiner Tasche ist.

Quiz, Vorsorge, KI-Coach und mehr — für dich und deine Familie. Jetzt im App Store und bei Google Play.