Von Redaktion

Arthrose 2026: GLA:D bundesweit und neue Charité-Studie – was Betroffene jetzt wissen müssen

BARMER führt GLA:D ab Juli 2026 in mehr Bundesländern ein: bis zu -29 % Schmerz. Charité-Studie: GAE-Verfahren halbiert Knieschmerz (Wert 7 auf 3).

Etwa fünf Millionen Menschen in Deutschland leben mit spürbaren Arthrose-Beschwerden – Schmerzen im Knie, in der Hüfte oder in den Fingern, die sich oft schleichend steigern und den Alltag erheblich einschränken. Jetzt kommt Bewegung in die Therapie: Die Barmer führt das dänische GLA:D-Programm ab Juli 2026 schrittweise bundesweit ein. Gleichzeitig zeigt eine neue Studie der Berliner Charité, dass ein minimal-invasives Verfahren den Schmerz bei Kniearthrose halbieren kann – ohne großen operativen Eingriff.

Was ist Arthrose – und wie viele sind betroffen?

Arthrose ist der altersbedingte Abbau von Knorpelgewebe in den Gelenken. Laut Daten des Robert Koch-Instituts gaben im Jahr 2019 rund 17 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland eine ärztlich festgestellte Arthrose an – das entspricht hochgerechnet mehr als 14 Millionen Menschen. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. In der Altersgruppe der über 65-Jährigen leidet sogar jeder Dritte darunter.

Am häufigsten betroffen sind Knie- und Hüftgelenke. Lange galt: Wenn die Schmerzen stark genug sind, kommt irgendwann die Prothese. Doch diese Sichtweise ändert sich gerade. Neue Programme und neue Verfahren machen deutlich, dass sich viele Gelenk-Operationen verschieben oder ganz vermeiden lassen – wenn Betroffene früh und strukturiert gegensteuern.

GLA:D: Das dänische Programm, das Operationen vermeidet

GLA:D steht für „Good Life with osteoArthritis in Denmark" – ein Behandlungskonzept, das seit Jahren in Dänemark und Skandinavien eingesetzt wird und nun auch in Deutschland Fahrt aufnimmt. Die Barmer hat das Programm Anfang 2026 zunächst in Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Niedersachsen und Bremen eingeführt. Ab Juli 2026 kommen Berlin, Brandenburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern hinzu; der vollständige bundesweite Rollout ist bis Mitte 2027 geplant.

Das Programm kombiniert gezielte Physiotherapie mit einer begleitenden App. Kern des Ansatzes ist strukturiertes Krafttraining speziell für die betroffenen Gelenke. Stärkere Muskeln rund um Knie oder Hüfte entlasten den geschädigten Knorpel, was den Schmerz reduziert und die Beweglichkeit verbessert. Das Programm umfasst zwei Aufklärungsgespräche sowie 18 Trainingseinheiten über sechs Wochen – betreut von zertifizierten Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten.

Die Wirksamkeit ist international gut belegt. Daten von glad-deutschland.de zeigen eine Schmerzreduktion von bis zu 29 Prozent bei Kniearthrose und 24 Prozent bei Hüftarthrose. Acht Wochen nach Programmabschluss sank der Schmerz bei Kniearthrose um bis zu 25 Prozent und bei Hüftarthrose um bis zu 22 Prozent – und diese Verbesserungen hielten demnach auch nach einem Jahr noch an. Besonders bemerkenswert: Ein Teil der Teilnehmenden konnte eine geplante Operation dauerhaft aufschieben oder ganz vermeiden. Barmer-Versicherte können sich direkt an ihre Krankenkasse wenden, um Zugang zu einem GLA:D-Zentrum in ihrer Nähe zu erhalten.

Charité-Studie: Minimal-invasives Verfahren halbiert den Schmerz

Für Menschen mit fortgeschrittener Kniearthrose, bei denen Bewegungstherapie allein nicht ausreicht, zeigt eine neue Studie der Berliner Charité einen vielversprechenden weiteren Weg. Im Juni 2026 veröffentlichte das Fachjournal Radiology die Ergebnisse zu einem Verfahren namens Genikulararterienembolisation – kurz GAE. Dabei werden krankhaft veränderte Blutgefäße im Kniegelenk gezielt verödet, die chronische Entzündungsprozesse aufrechterhalten.

In der Studie mit 194 Patientinnen und Patienten sank der mittlere Schmerzwert auf einer Skala von eins bis zehn innerhalb von zwölf Monaten von sieben auf drei. Die Teilnehmenden berichteten außerdem von deutlich mehr Beweglichkeit und weniger Einschränkungen im Alltag. Ein entscheidender Unterschied zur Knieprothese: Die GAE ist ein ambulanter Eingriff. Ein feiner Katheter wird über die Leistenarterie eingeführt, gelangt zu den betroffenen Gefäßen und setzt dort winzige Partikel frei. Eine Vollnarkose ist in der Regel nicht erforderlich, das Gelenk selbst bleibt erhalten.

Laut den Charité-Forschenden eignet sich das Verfahren vor allem für Menschen mit mittelgradiger bis schwerer Kniearthrose, die auf konservative Behandlungen nicht ausreichend angesprochen haben, aber noch keine Prothese benötigen oder wünschen. Die GAE ist in Deutschland noch kein Standardverfahren – die Kostenübernahme durch die Krankenkasse muss im Einzelfall geprüft werden.

Was Betroffene jetzt tun können

Wer mit Knie- oder Hüftschmerzen kämpft, sollte nicht zu lange abwarten. Arthrose schreitet schleichend fort – früh einzugreifen zahlt sich aus. Die gute Nachricht: Das Therapiespektrum war selten so breit wie heute.

Der erste Schritt ist oft kontraintuitiv: Bewegung statt Schonen. Der verbreitete Instinkt, das schmerzende Gelenk zu schonen, ist bei Arthrose in der Regel kontraproduktiv. Moderates Training – Fahrradfahren, Schwimmen, Nordic Walking – hält die Gelenke geschmeidig und die umliegende Muskulatur stark. Programme wie GLA:D setzen genau hier an, strukturiert und begleitet von geschultem Fachpersonal.

Barmer-Versicherte in den neu hinzugekommenen Bundesländern können ab Juli 2026 bei ihrer Kasse nach GLA:D-Zentren in ihrer Nähe fragen. Wer bei einer anderen Krankenkasse versichert ist, sollte beim Hausarzt oder Orthopäden nachfragen, ob vergleichbare strukturierte Physiotherapieprogramme verfügbar sind – mehrere Kassenärztliche Vereinigungen treiben die Verbreitung ähnlicher Konzepte aktiv voran.

Digitale Physiotherapie-Apps können Übungen ergänzend anleiten und helfen, die Kontinuität zwischen den Praxisterminen aufrechtzuerhalten. Wer nicht sicher ist, welcher Behandlungsweg zu seiner Situation passt, kann telemedizinische Plattformen für eine schnelle Ersteinschätzung nutzen. Im Videogespräch lässt sich klären, ob GLA:D, die GAE oder eine weitere Option im individuellen Fall sinnvoll ist – ohne wochenlang auf einen Facharzttermin warten zu müssen. Auf bestes.com findest du eine Übersicht passender digitaler Gesundheitsangebote für genau diesen Einstieg.

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