Von Redaktion

Anti-entzuendliche Ernaehrung: 29 % weniger Demenz – auch bei Alzheimer-Vorboten

JAMA Network Open 2026: Eine Langzeitstudie mit 1.865 Senioren zeigt, dass anti-entzuendliche Kost das Demenz-Risiko um 21–29 % senkt – selbst bei Alzheimer-Biomarkern.

Mehr als 57 Millionen Menschen weltweit leben mit Demenz – eine Zahl, die sich bis 2050 auf ueber 150 Millionen mehr als verdoppeln koennte. Gegen die biologischen Veraenderungen, die zur Alzheimer-Erkrankung fuehren, gibt es bislang kaum wirksame Medikamente. Doch eine neue Studie, am 26. Juni 2026 im Fachjournal JAMA Network Open veroeffentlicht, zeigt: Die Ernaehrung kann das Demenz-Risiko messbar beeinflussen – und das sogar dann, wenn bereits fruehe Alzheimer-Vorboten im Blut nachweisbar sind.

1.865 Senioren – 15 Jahre lang beobachtet

Forschende der Karolinska Institutet in Stockholm werteten Daten aus der schwedischen Langzeitstudie SNAC-K (Swedish National Study on Aging and Care in Kungsholmen) aus. Zwischen 2001 und 2019 wurden 1.865 Maenner und Frauen ab 60 Jahren regelmaessig untersucht. Zu Beginn fuellten sie einen detaillierten Fragebogen zu ihren Essgewohnheiten aus. Zusaetzlich wurden Blutmarker gemessen, die fruehe Alzheimer-typische Veraenderungen im Gehirn anzeigen koennen: das phosphorylierte Tau-Protein 217 (p-tau217), das Neurofilament-Leichtketten-Protein (NFL) sowie das saure Gliafibrillenprotein (GFAP). Diese Biomarker koennen Jahre vor einem klinischen Demenz-Symptom erhoehte Werte zeigen – lange bevor die Erkrankung spuerbar wird. Waehrend der Nachbeobachtungszeit von bis zu 15 Jahren erkrankten 240 der Teilnehmenden an Demenz.

Drei Ernaehrungsmuster – und ein klarer Sieger

Die Forschenden bewerteten die Ernaehrungsgewohnheiten mithilfe von drei etablierten Indizes. Erstens der Alternative Mittelmeer-Dieat-Score (AMED): mediterrane Kost mit viel Gemuese, Obst, Huelsenfruechten, Vollkorn und Fisch, moderatem Alkohol und wenig rotem Fleisch. Zweitens der Alternative Gesunder-Ernaehrungs-Index (AHEI): ein breites Mass fuer Ernaehrungsqualitaet, das ebenfalls herzgesunde Lebensmittel bewertet. Drittens der umgekehrte Empirische Ernaehrungs-Entzuendungsindex (rEDII): Dieser Index bewertet gezielt, wie stark die Ernaehrung Entzuendungen im Koerper foerdert oder hemmt. Hohe rEDII-Werte stehen fuer viel Gemuese, Tee und Kaffee sowie wenig rotes Fleisch, Fertigprodukte, raffinierte Kohlenhydrate und Softdrinks.

Und genau dieser dritte Index zeigte den staerksten Effekt – besonders bei Personen mit erhoehten Alzheimer-Biomarkern im Blut.

21 bis 29 Prozent weniger Demenz-Risiko trotz Alzheimer-Vorboten

Das zentrale Ergebnis: Wer sich anti-entzuendlich ernaehrte und erhoehte Werte des Alzheimer-Biomarkers p-tau217 hatte, entwickelte im Beobachtungszeitraum ein 29 Prozent geringeres Demenz-Risiko als Personen mit unguenstigeren Ernaehrungsgewohnheiten. Bei den anderen Biomarkern – NFL und GFAP – lag die Risikoreduktion bei 21 Prozent. Besonders bemerkenswert: Wer erhoeht war und sich trotzdem anti-entzuendlich ernaehrte, blieb knapp ein Jahr laenger ohne Demenz-Diagnose.

Die Mittelmeer-Diaet dagegen zeigte einen Schutzeffekt vor allem bei Personen mit niedrigeren Biomarkerwerten – also solchen, bei denen noch keine biologischen Alzheimer-Vorboten nachweisbar waren. "Anders als die anderen Indizes erfasst der rEDII die entzuendungshemmende Dimension der Ernaehrung direkt", erklaerte Erstautorin Anja Mrhar von der Karolinska Institutet. Das koennte erklaeren, warum dieser Index gerade bei Menschen mit biologischen Risikofaktoren wirkungsstaerker erscheint.

Warum Entzuendung und Gehirn so eng zusammenhaengen

Chronische Entzuendung im Gehirn gilt heute als ein wichtiger Treiber des Alzheimer-Fortschritts. Die Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen, die sich bei Alzheimer anhaeufen, loesen Entzuendungsreaktionen aus, die wiederum Nervenzellen schaedigen. Was wir essen, beeinflusst ueber das Darmmikrobiom auch Entzuendungsprozesse im gesamten Koerper – einschliesslich des Gehirns. Lebensmittel wie rotes Fleisch, Fertigprodukte und Zucker koennen diesen Entzuendungsstatus verschlechtern, waehrend Gemuese, Beeren, Nuesse, Huelsenfruechte und fetter Fisch (mit Omega-3-Fettsaeuren) ihn abmildern koennen.

Die Forschenden betonen jedoch: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Sie kann nicht beweisen, dass eine Ernaehrungsumstellung die Demenz-Prognose tatsaechlich verbessert. "Unsere Ergebnisse sollten nicht ueberinterpretiert werden", sagte Mrhar. "Sie zeigen nicht, dass Ernaehrung Demenz verhindern kann." Randomisierte kontrollierte Studien waeren noetig, um eine ursaechliche Wirkung zu belegen.

Was das konkret fuer den Alltag bedeutet

Auch ohne abschliessenden Beweis sprechen die Daten dafuer, dass Ernaehrungsgewohnheiten relevanter sind als oft angenommen – und das auch fuer aeltere Menschen, bei denen sich bereits erste biologische Risikofaktoren zeigen. Was konkret auf den Teller kommt, koennte einen Unterschied machen:

  • Mehr davon: Gemuese, Beeren, Nuesse, Huelsenfruechte, Vollkorn, fetter Fisch, Tee, Kaffee
  • Weniger davon: Rotes und verarbeitetes Fleisch, Fertigprodukte, Softdrinks, Weissbrot und Zucker

Das entspricht weitgehend den Empfehlungen, die ohnehin fuer die Herz-Kreislauf-Gesundheit gelten. Was gut fuers Herz ist, scheint auch gut fuers Gehirn zu sein – dieser Grundsatz bekommt mit dieser Studie neue wissenschaftliche Unterstuetzung.

Haeufige Fragen

Kann ich mit der richtigen Ernaehrung Alzheimer verhindern?

Keine Ernaehrung kann Alzheimer sicher verhindern. Die Studie zeigt jedoch, dass eine anti-entzuendliche Kost mit einem bis zu 29 Prozent niedrigeren Demenz-Risiko verbunden ist – selbst bei Menschen mit fruehen Alzheimer-Vorboten im Blut. Das ist ein ermutigender Hinweis, aber kein Beweis fuer eine ursaechliche Wirkung.

Welche Lebensmittel sind besonders gut fuers Gehirn?

Im anti-entzuendlichen Ernaehrungsindex schnitten besonders positiv ab: Gemuese (vor allem Blattgemuese), Beeren, Nuesse, Huelsenfruechte, fetter Fisch (Omega-3), Vollkornprodukte, Tee und Kaffee. Zu reduzieren sind rotes und verarbeitetes Fleisch, Fertigprodukte, Softdrinks und Weissmehlprodukte.

Was ist p-tau217 – und warum ist dieser Wert wichtig?

p-tau217 ist ein Blutbiomarker, der fruehe Alzheimer-typische Veraenderungen im Gehirn anzeigen kann – oft Jahre vor dem Auftreten von Symptomen. In der Studie zeigten gerade Personen mit erhoehtem p-tau217 den groessten Nutzen einer anti-entzuendlichen Ernaehrung. Solche Tests sind derzeit noch nicht Routine, werden aber in der Forschung zunehmend eingesetzt.

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