Von Redaktion

6. Mundgesundheitsstudie: So wenig Karies wie nie – aber Parodontitis trifft mit 40

Die DMS 6 zeigt: Deutschlands Zähne werden immer gesünder. Karies ist auf Rekordtief. Doch Parodontitis eskaliert gefährlich früh – im Alter von 40 bis 50.

Deutschlands Zähne werden immer gesünder – und das ist kein Zufall. Laut der Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS 6), deren Längsschnittergebnisse am 14. April 2026 in Berlin vorgestellt wurden, befindet sich die Kariesrate auf einem historischen Tiefstand. Gleichzeitig zeigt die Studie: Bei der Parodontitis, einer chronischen Zahnfleischerkrankung, die 14 Millionen Menschen in Deutschland betrifft, wird zu spät gehandelt.

Karies auf historischem Tiefstand – Deutschland Weltspitze

Die Zahlen sind bemerkenswert: 60 Prozent der acht- und neunjährigen Kinder sind heute kariesfrei, bei den Zwölfjährigen sind es sogar 80 Prozent – so viele wie nie zuvor seit Beginn der Mundgesundheits-Erfassungen in den 1980er Jahren. Laut dem Wissenschaftlichen Direktor des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ), Prof. Dr. Rainer Jordan, hat Deutschland innerhalb der G7-Staaten gemeinsam mit Großbritannien Platz eins bei der Kariesgesundheit inne.

Auch im Erwachsenenalter zeigt die Prophylaxe Wirkung: Die Karieserfahrung bei den 35- bis 44-Jährigen ist im Vergleich zur Jahrtausendwende um die Hälfte gesunken. Fehlten dieser Altersgruppe in den 1990er Jahren durchschnittlich noch mehr als fünf Zähne, so ist es heute laut IDZ-Bericht nur noch ein einziger Zahn. Konkret bedeutet das: weniger Füllungen, weniger Wurzelbehandlungen, seltener Zahnprothesen.

„Deutschland ist und bleibt Präventionsweltmeister im zahnärztlichen Bereich", fasste Martin Hendges, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), die Ergebnisse bei der Berliner Pressekonferenz zusammen.

Adoleszenz als kritische Risikozone

Trotz des positiven Gesamtbilds hat die DMS 6 eine kritische Schwachstelle identifiziert: die Teenagerjahre. In der Phase zwischen dem 12. und dem 20. Lebensjahr halbiert sich der Anteil kariesfreier Personen – von etwa 80 Prozent auf nur noch 48 Prozent. Das ist ein überraschender Befund, den Prof. Jordan ausdrücklich hervorgehoben hat.

Noch deutlicher: Bei 54 Prozent der Jugendlichen, die zu Beginn dieser Phase bereits Karies haben, schreitet die Erkrankung aktiv fort. Wer hingegen kariesfrei ins Jugendalter startet, hat bessere Chancen – aber auch hier erkranken 43 Prozent neu. Die Schlussfolgerung der Studienautoren: In dieser Lebensphase muss Kariesprophylaxe besonders intensiv erfolgen. Schularztbesuche, Fluoridierungsprogramme und Aufklärung über Ernährungsgewohnheiten – gerade in der Pubertät – sind entscheidend.

Parodontitis: Die Volkskrankheit, die im mittleren Alter eskaliert

Während die Karies-Zahlen Anlass zur Freude geben, bleibt die Parodontitis – die chronische Entzündung des Zahnhalteapparates – ein ernstes Problem. Laut IDZ sind in Deutschland schätzungsweise 14 Millionen Menschen von einer schweren Parodontalerkrankung betroffen.

Das erschreckende Ergebnis der Längsschnittanalyse: Die entscheidende Progression der Parodontitis findet nicht im Seniorenalter statt, sondern im Erwachsenenalter zwischen 40 und 50 Jahren. In diesem Zeitfenster erkranken 63 Prozent der zuvor parodontal gesunden Menschen neu. Bei 19 Prozent verschlimmert sich eine bereits vorhandene Parodontitis und nimmt eine schwere Verlaufsform an – die Zahl schwerer Fälle verdoppelt sich in dieser Phase, laut den Studienergebnissen des IDZ.

Prof. Jordan formuliert den Befund klar: „Zu spät" – die meisten Behandlungen finden im Seniorenalter statt, obwohl die Weichen für schwere Verläufe bereits Jahrzehnte früher gestellt werden. Die Konsequenz: Frühzeitige Parodontitis-Prävention und regelmäßige Kontrollen ab dem 40. Lebensjahr sind entscheidend, nicht erst im Rentenalter.

Zahngesundheit und Diabetes: Ein unterschätzter Zusammenhang

Die DMS 6 bestätigt eindrücklich einen Zusammenhang, der in der Allgemeinbevölkerung kaum bekannt ist: Zahngesundheit und systemische Erkrankungen sind eng verknüpft. Besonders deutlich wird das beim Typ-2-Diabetes.

Laut den IDZ-Auswertungen sind Menschen mit Diabetes viermal so häufig zahnlos wie Personen mit gesundem Glukosestoffwechsel. Zudem suchen sie seltener zur Vorsorge auf und gehen doppelt so häufig erst dann zum Zahnarzt, wenn sie bereits Beschwerden haben – zu spät für echte Prävention.

Die Erkenntnis ist bidirektional: Parodontitis kann Blutzuckereinstellungen verschlechtern, und schlecht eingestellter Diabetes verschlechtert den Verlauf von Parodontitis. Wer seinen Blutzucker mithilfe von Diabetes-Management-Apps wie MySugr oder digitalen Monitoring-Lösungen wie Glucura konsequent im Blick behält, tut damit auch seiner Zahngesundheit etwas Gutes.

Was sich 2026 konkret ändert

Parallel zu den Studienergebnissen gibt es ab 2026 eine bedeutende strukturelle Neuerung im deutschen Gesundheitssystem: Seit dem 1. Januar 2026 werden nicht nur neun ärztliche, sondern auch sechs zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen (Z1 bis Z6) für Kinder ab dem Alter von sechs Monaten bis zum sechsten Lebensjahr im Gelben Heft dokumentiert. Das ist ein Meilenstein, den KZBV-Chef Hendges als entscheidend für die langfristige Mundgesundheit der nächsten Generation bezeichnet.

Die Botschaft ist eindeutig: Zahngesundheit beginnt nicht beim ersten Schulzahnarztbesuch, sondern schon in der frühen Kindheit. Wer früh mit regelmäßigen Vorsorge-Checkups – ob beim Zahnarzt, Kinderarzt oder über Präventions-Plattformen wie CheckupScout – beginnt, spart Jahrzehnte später erheblich an Behandlungskosten und Beschwerden.

Prävention als Investition – auch digital

Die DMS 6 zeigt, dass Prävention wirkt – und das auf beeindruckende Weise. Die Karieserfolge der letzten 30 Jahre in Deutschland sind das Ergebnis konsequenter, jahrzehntelanger Prophylaxe-Anstrengungen: zahnärztliche Früherkennungsprogramme, Fluoridierung, Schulzahnpflege und die breite Akzeptanz regelmäßiger Zahnarztbesuche in der Bevölkerung.

Für die Zukunft identifiziert die Studie zwei klare Handlungsfelder: erstens die Intensivierung der Prävention in der Adoleszenz, zweitens die frühere Behandlung von Parodontitis – deutlich vor dem 65. Lebensjahr. Digitale Gesundheitstools wie Preventicus für kardiovaskuläres Monitoring oder GetSteps für mehr Bewegung im Alltag können dabei helfen, Risikofaktoren für systemische Erkrankungen zu reduzieren, die auch die Zahngesundheit beeinflussen.

Soziale Ungleichheit bleibt dabei eine Herausforderung: Kinder aus bildungsfernen Milieus erkranken laut DMS 6 viermal so häufig an Karies wie Gleichaltrige aus bildungsaffinen Haushalten. Dieser Effekt setzt sich bis ins hohe Alter fort. Universelle Prävention, die alle Bevölkerungsschichten erreicht, bleibt eine gesellschaftliche Aufgabe – von den zahnärztlichen Früherkennungsprogrammen bis hin zu digitalen Gesundheitsangeboten.

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