trackle ist ein Sensorsystem aus Bonn zur hormonfreien Verhütung und natürlichen Familienplanung. Das Unternehmen trackle GmbH wurde 2015 gegründet und hat seinen Sitz in Bonn. Das System basiert auf der symptothermalen Methode: Ein kleiner Sensor misst nachts kontinuierlich die Körperkerntemperatur der Nutzerin; morgens überträgt er die Daten automatisch per Bluetooth an die trackle-App. Die App wertet Temperaturverlauf und – ergänzend – Zervixschleimbeobachtungen aus, um fruchtbare und unfruchtbare Tage zu bestimmen.
Die symptothermale Methode kombiniert zwei Körperzeichen: den Anstieg der Basaltemperatur nach dem Eisprung und die Veränderung des Zervixschleims. trackle erfasst die Temperatur mit bis zu 2.000 Messpunkten pro Nacht, was nach Herstellerangaben genauere Werte liefert als eine einmalige Morgenmessung mit einem Quecksilberthermometer. Das System ist als Medizinprodukt der Klasse IIb CE-zertifiziert und TÜV-geprüft.
Die Sicherheit des Systems wurde in einer klinischen Studie der Universitätsfrauenklinik Heidelberg untersucht. An der Studie nahmen 74 Frauen über einen Zeitraum von 15 Monaten teil. Der dabei ermittelte Pearl Index für die typische Anwendung lag bei 2,7; der Hersteller gibt für die korrekte Anwendung einen Pearl Index von 0,4 bis 0,6 an. Zum Vergleich: Die Pille erreicht bei korrekter Anwendung einen Pearl Index von 0,1–0,9, Kondome einen von 2–12. Die Verlässlichkeit der Methode hängt maßgeblich davon ab, ob Nutzerin die Regeln der symptothermalen Auswertung konsequent befolgt.
trackle ist kein eingetragenes Digitales-Gesundheitsanwendung (DiGA) im Sinne des deutschen Digitale-Versorgung-Gesetzes (DVG) und damit kein kassenerstattungsfähiges Medizinprodukt nach §33a SGB V. Alle Kosten trägt die Nutzerin selbst. Der Sensor kostet einmalig rund 269,90 Euro und ist auf eine Nutzungsdauer von 24 Monaten ausgelegt. Alternativ bietet trackle seit 2024 das Modell trackleGo als Monatsabonnement an: Für ca. 13,49 Euro pro Monat bei einer Laufzeit von 24 Monaten erhalten Nutzerinnen den Sensor inklusive Ersatz bei Defekt oder Akkuverschleiß. Zum Kennenlernen gibt es ein Starterkit für einmalig 39,90 Euro, das sechs Monate Nutzung ermöglicht.
Die App steht für iOS und Android zur Verfügung. Sie führt durch die Auswertungsregeln der symptothermalen Methode und zeigt täglich an, ob ein Tag als fruchtbar oder unfruchtbar eingestuft wird. Die App unterstützt sowohl das Ziel der Verhütung als auch den Kinderwunsch. Neben der Kernfunktion enthält sie ein Zyklustagebuch, Erinnerungsfunktionen und eine Chat-Beratung durch eine zertifizierte NFP-Beraterin (Natürliche Familienplanung).
trackle GmbH hat Finanzierungsrunden von deutschen Investoren erhalten, darunter NRW.BANK, Capacura, IBB Ventures und SchneiderGolling & Cie. Die Expansion in weitere europäische Märkte – darunter Ungarn, Dänemark und die Niederlande – wurde mit diesen Mitteln vorangetrieben.
Das Verfahren der natürlichen Familienplanung setzt eine gewisse Einarbeitungszeit voraus. trackle richtet sich daher vor allem an Frauen, die bereit sind, ihren Zyklus aktiv zu beobachten und die Methode konsequent anzuwenden. Für Frauen mit stark unregelmäßigem Zyklus, etwa aufgrund von Schichtarbeit, Reisen oder hormonellen Erkrankungen, kann die Auswertung anspruchsvoller sein. Als vergleichbare Angebote im deutschen Markt sind Ovy und OvulaRing zu nennen, die ebenfalls auf Temperatursensorik setzen, sowie die App Natural Cycles, die ohne Hardware auskommt.
02 · Wer profitiert
Zielgruppe
Die Zielgruppe von trackle sind Frauen im gebärfähigen Alter (18–45 Jahre), die hormonfreie Verhütung suchen oder ihren Kinderwunsch aktiv begleiten möchten. Besonders angesprochen werden Frauen, die sich von hormonellen Verhütungsmethoden abwenden möchten, sowie Anhängerinnen der natürlichen Familienplanung (NFP). Das System ist auch für Frauen mit Schichtarbeit oder unregelmäßigem Alltag geeignet, erfordert aber eine konsequente Anwendung der symptothermalen Methode.