Seamless Therapeutics

Programmierbare Präzisions-Designer-Rekombinasen für eine neue Generation der Gentherapie sind der Ansatz von Seamless Therapeutics, einem Dresdner Biotechunternehmen und Ausgründung der TU Dresden. Als Ausgründung der Technischen Universität Dresden (TU Dresden) steht das Unternehmen für den Transfer akademischer Grundlagenforschung in einen klinisch translatierbaren Therapieansatz: die narbenfreie, bruchs- und risikosärmere genomische Integration durch Large Serine Recombinases (LSRs).

01 · Profil

Über Seamless Therapeutics

Rekombinase-Technologie: Alternative zu CRISPR

Klassische Gen-Editing-Systeme wie CRISPR-Cas9 editieren DNA durch gezielte Doppelstrangbrüche, die durch zelluläre Reparaturmechanismen geschlossen werden. Dieses Verfahren birgt Risiken für Off-Target-Effekte und unbeabsichtigte Mutationen. Seamless Therapeutics nutzt stattdessen Large Serine Recombinases – Enzyme, die in der Natur präzise DNA-Rekombinationen durchführen – und hat eine Methode entwickelt, diese Enzyme so umzuprogrammieren, dass sie jede therapeutisch relevante Sequenz im Humangenom adressieren. Das Ergebnis ist eine Integration ohne Doppelstrangbruch, narbenlos und mit potenziell geringerem Off-Target-Risiko als CRISPR.

Im Oktober 2024 präsentierte Seamless auf dem European Society of Gene and Cell Therapy Congress (ESGCT) in Rom Präklinikdaten, die die Umprogrammierbarkeit von LSRs auf natürlich vorkommende genomische Loci im Menschen demonstrierten. Diese Daten bildeten die wissenschaftliche Basis für die größte Partnerschaft in der Geschichte des Unternehmens: 2025 schloss Seamless eine Kooperationsvereinbarung mit Eli Lilly im Wert von über einer Milliarde Euro. Gegenstand ist die gemeinsame Entwicklung und Kommerzialisierung rekombinase-basierter Gentherapien für genetisch bedingte Formen von Hörverlust – eine Indikation, für die bislang keine ursächliche Therapie existiert.

Finanzierung & Strategische Einordnung

Das Unternehmen war im März 2023 mit einer Seed-Finanzierung von 12,5 Millionen US-Dollar gestartet, die den Aufbau einer skalierbaren Gentherapieplattform aus dem akademischen Umfeld heraus ermöglichte. Dresden als Gründungsort spiegelt die starke Gen- und Zelltherapie-Infrastruktur der Region: Das CRTD (Center for Regenerative Therapies Dresden) an der TU Dresden ist eines der führenden deutschen Zentren in diesem Bereich. Im Vergleich zu CRISPR-Therapeutika wie Casgevy (CRISPR Therapeutics/Vertex, zugelassen 2023) bietet der Recombinase-Ansatz eine komplementäre Modalität mit potenziell höherer Präzision und breiterer Anwendbarkeit auf schwer zugängliche genomische Stellen.

Die Bedeutung der Seamless-Technologie liegt nicht allein in der Hörverlust-Indikation: Die Plattform der programmierbaren Rekombinasen ist in ihrer Logik auf nahezu jede monogenetische Erkrankung anwendbar, bei der eine präzise Insertion oder Korrektur an einer bestimmten genomischen Stelle erwünscht ist. Kandidaten wären unter anderem Muskeldystrophien, Hämoglobinopathien oder seltene metabolische Störungen. Eli Lilly hat sich mit dem Kooperationsvertrag über mehr als eine Milliarde Euro strategisch Zugang zu dieser breit anwendbaren Plattform gesichert – ein Signal, das den Stellenwert der Technologie über die Pilotindikation hinaus unterstreicht. Im deutschen Biotech-Ökosystem steht Seamless für die erfolgreiche Translation von TU-Forschung in ein klinisch ausgerichtetes Startup: Der Standort Dresden bietet durch das CRTD, das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) und das Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) eine dichte Forschungsinfrastruktur. Laut Angaben des Unternehmens erlaubt die Plattform die Programmierung von Rekombinasen auf natürlich vorkommende genomische Stellen, die bislang für präzises Gen-Editing schwer zugänglich waren.

02 · Wer profitiert

Zielgruppe

Die Zielgruppe von Seamless Therapeutics umfasst Patienten mit schweren Erkrankungen, die von präzisen und sicheren Genbearbeitungstechnologien profitieren könnten. Darüber hinaus richtet sich das Unternehmen an Investoren im Bereich der Lebenswissenschaften sowie an Fachkräfte und Wissenschaftler, die an der Weiterentwicklung der Genbearbeitung interessiert sind.

FAQ · 03 Fragen

Häufig gefragt zu Seamless Therapeutics

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LSRs sind Enzyme, die präzise DNA-Rekombinationen ohne Doppelstrangbruch durchführen. Im Gegensatz zu CRISPR-Cas9, das durch gezielte Doppelstrangbrüche editiert, integriert der LSR-Ansatz von Seamless Therapeutics DNA narbenlos – mit potenziell geringerem Off-Target-Risiko und ohne zelluläre Reparaturmechanismen zu aktivieren.

Laut Pressemitteilung des Unternehmens schloss Seamless 2025 eine Kooperationsvereinbarung mit Eli Lilly im Wert von über einer Milliarde Euro. Gegenstand ist die gemeinsame Entwicklung rekombinase-basierter Gentherapien für genetisch bedingte Formen von Hörverlust – einer Indikation ohne ursächliche Therapieoption.

Die programmierbare Rekombinase-Plattform ist prinzipiell für jede monogenetische Erkrankung anwendbar, bei der eine präzise genomische Integration erwünscht ist. Neben Hörverlust kommen Muskeldystrophien, Hämoglobinopathien oder seltene metabolische Störungen in Frage – überall dort, wo CRISPR-Ansätze an Sicherheitsgrenzen stoßen.

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