Nosoex

Etwa jeder zwanzigste Krankenhauspatient zieht sich laut Robert Koch-Institut eine nosokomiale Infektion zu — in Deutschland sterben jährlich rund 15.000 Menschen daran, europaweit fallen nach WHO-Daten 147.000 Todesfälle und 16 Millionen zusätzliche Krankenhaustage auf diese vermeidbare Ursache zurück. Ein zentraler Hebel ist die Händehygiene: Untersuchungen zeigen, dass nur rund 50 Prozent der erforderlichen Desinfektionen tatsächlich durchgeführt werden. Die WHO bezeichnet Händehygiene-Compliance als den wichtigsten Einzelfaktor zur Reduktion klinikerworbener Infektionen. NosoEx ist ein IoT-Monitoring-System aus Deutschland, das Desinfektionsverhalten in Echtzeit erfasst und Krankenhäusern damit ein objektives Steuerungsinstrument für ihre Hygieneprogramme bietet.

01 · Profil

Über Nosoex

Wie funktioniert's

Kernstück sind Sensoren, die an Desinfektionsmittelspendern, Betthalterungen und Tischflaschen-Haltern direkt am Point of Care angebracht werden. Jede Spendernutzung wird automatisch registriert und per Funk an einen zentralen Data Hub übermittelt. Optional können Mitarbeitertransponder eingesetzt werden, um das Desinfektionsverhalten nach Berufsgruppen — Ärztinnen und Ärzte, Pflegepersonal, Therapeuten — aufzuschlüsseln. Die Auswertungsoberfläche liefert Hygiene-Kennzahlen für Stationen, Zimmer und Schichten und erlaubt den Vergleich über Zeiträume hinweg. Das System lässt sich laut Hersteller ohne bauliche Eingriffe in bestehende Klinikinfrastrukturen integrieren; eine Erweiterung um Indoor-Navigationsfunktionen auf Basis der installierten Sensorik ist möglich. Messdaten können exportiert und für Qualitätsberichte sowie interne Auditverfahren genutzt werden.

Wer steckt dahinter

Entwickelt wurde NosoEx von der Hypros GmbH aus Stralsund, spezialisiert auf Echtzeit-Lokalisierung und IoT-Lösungen für das Gesundheitswesen. Im April 2024 übernahm GWA Hygiene GmbH das Unternehmen, um eine gemeinsame KI- und IoT-Plattform für den Klinikmarkt aufzubauen (laut Pressemitteilung GWA Hygiene, April 2024). GWA Hygiene war zuvor durch den High-Tech Gründerfonds (HTGF) gemeinsam mit MIG Fonds und Business Angels mit 2,5 Millionen Euro finanziert worden (laut HTGF). 2022 trat Dräger AG als strategischer Investor hinzu — der Lübecker Medizintechnikkonzern verknüpft damit seine Klinikpräsenz mit digitaler Hygiene-Sensorik (laut nosoex.com/Dräger AG, Januar 2022).

Im Vergleich zu Alternativen

Klassische Hygienebegehungen und manuelle Auditverfahren arbeiten mit Stichproben und unterliegen dem Hawthorne-Effekt: Beobachtetes Personal verhält sich anders. NosoEx erfasst hingegen kontinuierlich und anonym, ohne zusätzlichen Personaleinsatz. Die Messdaten lassen sich stationsübergreifend vergleichen und als Grundlage für gezielte Schulungsmaßnahmen sowie Zertifizierungsverfahren nutzen. HARTMANN, einer der größten Medizinproduktanbieter Europas, hat mit GWA Hygiene eine strategische Partnerschaft für digitale Gesundheitslösungen vereinbart. In Skandinavien vertreibt der Hygienechemie-Spezialist Kiilto das System. Nach Herstellerangaben ist NosoEx in 17 Ländern installiert.

02 · Wer profitiert

Zielgruppe

Die Zielgruppe von NosoEx umfasst primär Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen, die ihre Hygiene-Standards verbessern möchten. Dazu gehören Krankenhausleitungen, Hygienefachkräfte, medizinisches Personal und Verwaltungsmitarbeiter, die für die Einhaltung von Hygienevorschriften verantwortlich sind. Auch rechtliche Berater im Medizinrecht könnten von den detaillierten Daten profitieren, um Beweisführungen zu unterstützen.

05 · Was es kostet

Kosten & Preise

Das Geschäftsmodell von NosoEx basiert auf der Bereitstellung von Hardware und Software zur Verbesserung der Hygiene in Krankenhäusern. Die Kostenstruktur ist nicht detailliert beschrieben, jedoch könnte es sich um ein Lizenz- oder Abonnementmodell handeln, bei dem Krankenhäuser für die Nutzung des Systems zahlen. Genauere Informationen zu den Preisen sind nicht verfügbar.

FAQ · 05 Fragen

Häufig gefragt zu Nosoex

Kurze Antworten aus unserer Recherche. Wenn etwas fehlt oder unklar ist: Schreib uns direkt.

NosoEx richtet sich primär an Krankenhäuser und stationäre Pflegeeinrichtungen, die ihre Hygieneperformance objektiv messen wollen. Das System ist skalierbar von einzelnen Stationen bis zu Kliniken mit mehreren Standorten. Erste Pilotprojekte liefen unter anderem an der BDH-Klinik Greifswald.

NosoEx ist ein B2B-System, das Krankenhäuser als Betreiber lizenzieren. Die Kosten richten sich nach Anzahl der Sensoren und Standortgröße und werden individuell verhandelt. Öffentliche Listenpreise veröffentlicht der Hersteller nicht.

Alle Sensordaten werden verschlüsselt in einem zertifizierten deutschen Rechenzentrum gespeichert. Der Zugriff erfolgt über gesicherte Verbindungen. Nach Herstellerangaben entspricht die Datenhaltung den Anforderungen der DSGVO.

GWA Hygiene, der Mutterkonzern von NosoEx, wurde vom High-Tech Gründerfonds (HTGF), MIG Fonds und Business Angels mit 2,5 Millionen Euro finanziert (laut HTGF). 2022 stieg Dräger AG als strategischer Investor ein. Im April 2024 übernahm GWA Hygiene das Stralsunder IoT-Unternehmen Hypros GmbH.

Nach Herstellerangaben ist NosoEx in 17 Ländern installiert. In Skandinavien vertreibt der Hygienechemie-Spezialist Kiilto das System. HARTMANN ist als strategischer Partner für die europäische Expansion engagiert.

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