Noac

Chirurgen leiden unter extremer körperlicher Belastung: Laut Daten, die Hellstern medical auf der Unternehmenswebsite dokumentiert, berichten rund 75 Prozent aller Operierenden von chronischen Schmerzen durch Zwangshaltungen im OP – 40 Prozent greifen regelmäßig zu Schmerzmitteln. Langfristig führen diese Belastungen zu muskuloskelettalen Erkrankungen und vorzeitigem Berufsausstieg. Das Exoskelett-System noac aus Wannweil in Baden-Württemberg wurde entwickelt, um dieser Berufskrankheit entgegenzuwirken und gleichzeitig die Präzision im Operationssaal dauerhaft zu erhalten.

01 · Profil

Über Noac

Wie funktioniert's

noac kombiniert ein körpernahes Exoskelett mit intelligenter Roboterunterstützung, zusammengefasst unter dem Begriff RoboCockpit. Per Fußschalter aktiviert der Chirurg den sogenannten Hover-Modus: Das System übernimmt die Stützfunktion für Torso, Schultern und Arme in der typischen Vorbeuge-Haltung am OP-Tisch. Dabei folgt es frei den Körperbewegungen des Trägers, ohne die Feinmotorik einzuschränken. Nach Herstellerangaben deckt noac 95 Prozent aller Eingriffe ab – von offenen Operationen bis zu laparoskopischen Verfahren. Ein entscheidender praktischer Aspekt: Das System setzt auf das vorhandene chirurgische Instrumentarium der Klinik und erfordert keine Investition in proprietäre Geräte, wie es bei vollständigen OP-Robotern der Fall ist.

Studienlage und Belege

Biomechanische Messungen, zitiert auf der Unternehmenswebsite von Hellstern medical, zeigen eine Reduktion der Muskelermüdung um bis zu 67 Prozent bei aktiver Systemnutzung. Die erste klinische Installation erfolgte Ende 2023 an der Universitäts-Frauenklinik Tübingen, laut Hellstern medical der erste reguläre Produktiveinsatz eines noac-Systems in Deutschland. Das Unternehmen wurde für den Innovationspreis des Landes Baden-Württemberg nominiert und ausgezeichnet, laut TechnologyMountains e.V., dem regionalen Technologienetzwerk Schwarzwald, das Hellstern medical begleitet. Einen breiteren Bekanntheitsschub brachte ein Auftritt in der RTL-Sendung Die Höhle der Löwen, über den die Wirtschaftswoche berichtete.

Wer steckt dahinter

Hellstern medical GmbH ist ein Startup aus dem Raum Reutlingen-Tübingen, angesiedelt im Cluster TechnologyMountains Schwarzwald. Gründer Stefan Hellstern entwickelte noac aus der Beobachtung heraus, dass klassische OP-Assistenten wie Roboter-Arme zwar Präzision erhöhen, die körperliche Belastung des Operierenden aber unberührt lassen. Die CE-Kennzeichnung als aktives Medizinprodukt war zum Zeitpunkt der ersten klinischen Installation noch in Vorbereitung, nach eigenen Angaben auf der Investorenseite der Unternehmenswebsite. Crunchbase listet Hellstern medical als Frühphasen-Unternehmen ohne öffentlich kommuniziertes Finanzierungsvolumen.

Im Vergleich zu Alternativen

Vollständige OP-Roboter wie das da-Vinci-System von Intuitive Surgical kosten Kliniken mehrere Millionen Euro, erfordern proprietäre Instrumente und sind für hochspezialisierte Eingriffe konzipiert. noac positioniert sich als komplementäres Werkzeug: Es unterstützt den Chirurgen körperlich, ersetzt ihn nicht durch Automatisierung und schlägt laut Hersteller mit einem Bruchteil der Kosten zu Buche. Im Unterschied zu allgemeinen Industrieexoskeletten von Ottobock oder Laevo ist das RoboCockpit gezielt für sterile Operationsumgebungen und die spezifische Zwangshaltung beim Operieren ausgelegt.

02 · Wer profitiert

Zielgruppe

Die Zielgruppe für den RoboCockpit noac sind in erster Linie Krankenhäuser und Kliniken, die ihre chirurgischen Abläufe effizienter und präziser gestalten möchten. Der Roboter ist besonders für Chirurgen interessant, die unter ergonomischen Problemen leiden und eine Lösung suchen, um Muskel- und Skeletterkrankungen vorzubeugen. Auch Investoren im Bereich Medizintechnik könnten an der innovativen Technologie interessiert sein.

05 · Was es kostet

Kosten & Preise

Das Geschäftsmodell von Hellstern medical GmbH basiert auf dem Verkauf und der Integration des RoboCockpit noac in Kliniken. Der Roboter bietet eine kosteneffiziente Alternative zu bestehenden OP-Robotern, da er die vorhandenen Instrumente der Klinik nutzt und somit die Betriebskosten senkt. Konkrete Preise werden nicht angegeben, jedoch wird die Kosteneffizienz durch die Nutzung bestehender Ressourcen und die Reduzierung wiederkehrender Ausgaben hervorgehoben.

FAQ · 05 Fragen

Häufig gefragt zu Noac

Kurze Antworten aus unserer Recherche. Wenn etwas fehlt oder unklar ist: Schreib uns direkt.

Nach Herstellerangaben von Hellstern medical ist noac für rund 95 Prozent aller chirurgischen Eingriffe geeignet – sowohl für offene als auch für laparoskopische Verfahren. Das System arbeitet mit dem vorhandenen OP-Instrumentarium und erfordert keine eigenen Spezialgeräte.

Die CE-Zertifizierung als aktives Medizinprodukt war zum Zeitpunkt der ersten klinischen Installation Ende 2023 noch in Vorbereitung. Für aktuelle Zulassungsinformationen sollte die Unternehmenswebsite oder der Direktkontakt zu Hellstern medical genutzt werden.

Ende 2023 erhielt die Universitäts-Frauenklinik Tübingen laut Hellstern medical das erste noac-System im Produktiveinsatz – der erste reguläre klinische Einsatz in Deutschland.

OP-Roboter wie da Vinci übernehmen die Instrumentenführung und erfordern spezifische proprietäre Hardware. noac dagegen stützt den Chirurgen körperlich, lässt ihm volle Kontrolle über die Instrumente und nutzt das bestehende OP-Besteck der Klinik.

Konkrete Preise gibt Hellstern medical nicht öffentlich an. Das Unternehmen hebt hervor, dass noac gegenüber vollständigen OP-Robotern mit einem Bruchteil der Anschaffungskosten auskommt und keine Investition in Spezialinstrumente erfordert.

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