Missoir

Auf öffentlichen Toiletten verzichten viele Frauen auf die Sitzhaltung, um Keimkontakt zu vermeiden. Die so entstehende verkrampfte Körperhaltung hält die Oberschenkel- und Beckenbodenmuskeln angespannt, behindert eine vollständige Blasenentleerung und erhöht nach Einschätzung von Medizinerinnen das Risiko von Harnwegsinfektionen. Das Berliner Startup MISSOIR hat eine hygienische Alternative entwickelt: ein wasserfreies Hockurinal aus Edelstahl, das Frauen und FLINTA-Personen eine schnelle, berührungsfreie und ergonomisch korrekte Nutzung öffentlicher Sanitäranlagen ermöglicht.

01 · Profil

Über Missoir

Konstruktion und Funktion

Das MISSOIR ist bündig in den Boden eingelassen, gefertigt aus robustem Edelstahl mit einem Bodenrost als Spritzschutz. Die Konstruktion orientiert sich an der natürlichen Hockhaltung, die den Beckenboden entspannt und die vollständige Blasenentleerung fördert. Die Nutzung ist vollständig berührungsfrei: kein Sitz, kein Spülknopf, keine Grifffläche. Da kein Wasser benötigt wird, entfallen Abwassergebühren sowie der Bedarf nach Strom- oder Wasseranschluss. Das ermöglicht Installationen an Standorten, die konventionelle Toiletten technisch oder wirtschaftlich ausschließen, wie Festivals, Außenbereiche von Clubs oder städtische Freiflächen.

Gründungsgeschichte und Berliner Pilotprojekt

Lena Olvedi gründete MISSOIR 2018 in Berlin. Seit 2022 sind laut Berliner Zeitung (2023) 24 autonome Stadttoiletten mit Missoirs in allen Berliner Bezirken installiert, finanziert im Rahmen eines Pilotprojekts des Berliner Senats für nachhaltige Stadttoiletten. Eine begleitende Umfrage ergab nach Unternehmensangaben eine Nutzerzufriedenheit von 97 Prozent. Das Berghain, einer der bekanntesten Clubs Berlins, hat Missoirs in seine Infrastruktur integriert. Laut She-Works.de (2024) wurde das Hockurinal auf der re:publica als Innovationsbeispiel für gleichberechtigte Stadtinfrastruktur präsentiert und erhielt breite mediale Aufmerksamkeit von der Berliner Zeitung bis zu Healthcare-Startups-Medien.

Verfügbarkeit, Mietmodell und Ausblick

Das MISSOIR richtet sich an Betreiber öffentlicher oder halböffentlicher Sanitäranlagen: Clubs, Konzerthallen, Festivals, Stadtplätze und Sportstätten. Es kann fest installiert oder für Veranstaltungen gemietet werden. Eine Kaufoption für Privatpersonen besteht nicht; für Events bietet der österreichische Sanitäranbieter öKlo Mietlösungen an. Das Startup plant nach Angaben der Gründerin eine schrittweise Ausweitung auf weitere deutsche und europäische Städte. Angesichts regulatorischer Wasserspar-Anforderungen in urbanen Regionen, wachsendem politischen Bewusstsein für sanitäre Gleichstellung im öffentlichen Raum und der nachgewiesenen Nachfrage aus dem Berliner Pilotprojekt verfügt das Produkt über strukturellen Rückenwind, der über den deutschen Markt hinausweist und weitere Kooperationen mit Stadtverwaltungen ermöglicht.

Das Missoir-Prinzip adressiert auch einen bisher vernachlässigten Aspekt der Frauengesundheit im öffentlichen Raum: Beckenbodenschonung und Infektionsprävention durch eine ergonomisch korrekte Entleerungshaltung. Medizinische Fachgesellschaften empfehlen die Hockhaltung als physiologisch günstigste Position für die Blasenentleerung. Indem das MISSOIR diese Haltung in einem hygienischen, berührungsfreien System umsetzt, verbindet es einen baulichen mit einem gesundheitlichen Beitrag für Frauen im öffentlichen Raum.

02 · Wer profitiert

Zielgruppe

Frauen und FLINTA-Personen, Betreiber von öffentlichen Toiletten, Veranstalter von Events, Clubs, Bars, Konzerthallen, Sportarenen

05 · Was es kostet

Kosten & Preise

Kostenlose Nutzung in öffentlichen Toiletten in Berlin. Preise für den Erwerb des Missoir Sets auf Anfrage.

FAQ · 04 Fragen

Häufig gefragt zu Missoir

Kurze Antworten aus unserer Recherche. Wenn etwas fehlt oder unklar ist: Schreib uns direkt.

Die Nutzung ist vollständig berührungsfrei: Kein Sitz, Knopf oder Griff muss beruehrt werden. Laut einer Senatsumfrage im Berliner Pilotprojekt bewerteten 97 Prozent der Nutzerinnen das MISSOIR positiv.

Seit 2022 sind 24 öffentliche Stadttoiletten mit Missoirs in allen Berliner Bezirken installiert. Weitere Standorte befinden sich in Clubs wie dem Berghain sowie auf Festivals. Das Netz wächst schrittweise.

Das MISSOIR ist kein Verbraucherprodukt für den Privatgebrauch. Es richtet sich an Betreiber öffentlicher Anlagen, Clubs und Eventflächen. Fuer Veranstaltungen ist Miete über den Anbieter öKlo möglich.

Die natürliche Hockhaltung entspannt Beckenboden und Oberschenkelmuskulatur und foerdert laut Herstellerangaben eine vollständige Blasenentleerung. Die belastende Kniebeugehaltung ueber offenen Toilettensitzen entfällt, was das Infektionsrisiko senken kann.

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