Medipee

Jedes Jahr werden weltweit rund zwei Milliarden Urinproben analysiert – doch der Prozess ist meist fehleranfällig, unkomfortabel und wenig kontinuierlich. Medipee, ein Startup aus Moers in Nordrhein-Westfalen, hat dafür eine vollautomatische Lösung entwickelt: ein kompaktes Messgerät, das außen an der Toilette befestigt wird und bei jedem Gang zur Toilette automatisch eine Urinanalyse durchführt.

01 · Profil

Über Medipee

Wie das Gerät funktioniert

Das Gerät ähnelt äußerlich einem Duftstein und wird auf der Außenseite der Toilettenbrille montiert. Ein ausfahrbarer Drahtarm bewegt den Teststreifen bei erkanntem Urinfluss automatisch in die Schüssel. Die Messung dauert wenige Sekunden; die Ergebnisse werden per Bluetooth Low Energy (BLE) direkt an die zugehörige Smartphone-App übertragen. Medipee bietet zwei App-Varianten: Mikta für die Medikamenten-Überwachung sowie Uroli für die allgemeine Urinanalyse. Laut Unternehmensangaben erfasst die Plattform bis zu 14 Parameter, darunter pH-Wert, Glukose, Ketone, Leukozyten, Nitrit, Protein, Bilirubin, Urobilinogen und Kreatinin.

Einsatzbereiche und klinischer Nutzen

Der Urin spiegelt Stoffwechselprozesse, Medikamentenwirkungen und erste Anzeichen von Erkrankungen wider – lange bevor typische Symptome auftreten. Medipee richtet sich an Privatanwender zu Hause, an Pflegeeinrichtungen und an klinische Umgebungen. Im Heimbereich kann das System beispielsweise bei Diabetes-Management, Nierensteinprophylaxe, chronischer Nierenerkrankung (CKD) oder zur Erkennung von Harnwegsinfekten eingesetzt werden. In der Pflege unterstützt die lückenlose Dokumentation der Urinwerte das Pflegepersonal bei der Therapiekontrolle, ohne dass Patienten manuell Proben abgeben müssen.

Das EU-Programm Horizon 2020 hat das zugrundeliegende Forschungsprojekt DigiPee (Fördernummer 816173) über die INTERREG-Kooperation zwischen Deutschland und den Niederlanden gefördert. Ergänzend wurde Medipee über die Crowdinvesting-Plattform Companisto sowie über das NRW-Förderprogramm Zukunft.Bio kofinanziert. Im Vergleich zu herkömmlichen Streifentests setzt Medipee auf eine vollständige Automatisierung ohne Probenhandhabung: keine Becher, keine manuelle Abgabe, keine Beschriftung.

Im Vergleich zu Alternativen

Smarte Toiletten mit eingebautem Analysesystem erfordern einen Komplettaustausch des Sanitärgeräts und sind deutlich kostenintensiver. Herkömmliche Apotheken-Teststreifen liefern zwar schnelle Einzelmessungen, sind aber nicht für die kontinuierliche Langzeitverfolgung optimiert. Medipee positioniert sich als nachrüstbare Zwischenlösung für bestehende Standardtoiletten – ein Ansatz, der insbesondere für ältere oder chronisch erkrankte Menschen relevant sein kann, die regelmäßige Laborbesuche vermeiden wollen.

Laut Angaben auf der Unternehmenswebsite wurde das System für den Einsatz in Haushalten, Gemeinschaftseinrichtungen und klinischen Umgebungen konzipiert. Die KI-basierte Auswertungseinheit in der App analysiert die Messwerte im Zeitverlauf und kann Auffälligkeiten im Trend erkennen, bevor sie symptomatisch werden.

Häufig gestellte Fragen

Ist Medipee für alle Toilettenmodelle geeignet? Laut Medipee ist das Gerät für Standard-Sitztoiletten konzipiert und erfordert keine Baumaßnahmen. Es wird außen am Toilettenbecken befestigt, weshalb weder Klempner noch Elektriker nötig sind.

Welche Erkrankungen kann Medipee frühzeitig anzeigen? Das System kann Parameter für Harnwegsinfekte, Nierensteine, Diabetes, Dehydration, Gicht und Leberwerte im Blick behalten. Eine ärztliche Diagnose ersetzt es nicht.

Ist das System auch für Pflegeheime geeignet? Ja. Medipee richtet sich explizit an Pflegeeinrichtungen, da die automatische Messung ohne Mitwirkung der Bewohner auskommt und das Personal entlastet.

Wie sicher sind die Gesundheitsdaten? Die Datenübertragung erfolgt verschlüsselt per BLE, und laut Medipee wird die Datenspeicherung DSGVO-konform gestaltet. Details zur Serverinfrastruktur finden sich in der Datenschutzerklärung auf der Unternehmenswebsite.

Gibt es eine Erstattung durch die Krankenkasse? Aktuell ist Medipee kein DiGA-gelistetes Medizinprodukt und wird daher nicht standardmäßig durch gesetzliche Krankenkassen erstattet. Für pflegebedürftige Personen könnten ggf. Einzelfallregelungen greifen.

02 · Wer profitiert

Zielgruppe

Die Zielgruppe von Medipee umfasst sowohl private als auch professionelle Anwender. Im häuslichen Bereich richtet sich das Produkt an gesundheitsbewusste Privatpersonen, die ihre Gesundheitsdaten regelmäßig überwachen möchten. In professionellen Einrichtungen wie Pflegeheimen und Kliniken kann Medipee zur Prophylaxe und zur Erfolgskontrolle von Therapien eingesetzt werden. Die Technologie ist besonders nützlich für Menschen, die regelmäßig Urintests benötigen, wie z.B. Diabetiker oder Personen mit chronischen Nierenerkrankungen.

05 · Was es kostet

Kosten & Preise

Medipee bietet eine Plattform-Technologie, die sowohl für private als auch professionelle Kunden geeignet ist. Die Preisstruktur ist flexibel, da das System aus einem Basisgerät und individuell einsetzbaren Magazinen besteht. Diese können je nach Kundenbedürfnis angepasst werden, was ein großes Einsatzpotential bietet. Konkrete Preisangaben sind nicht verfügbar, jedoch ermöglicht das System durch seine Flexibilität eine Anpassung an verschiedene Budgetanforderungen.

FAQ · 05 Fragen

Häufig gefragt zu Medipee

Kurze Antworten aus unserer Recherche. Wenn etwas fehlt oder unklar ist: Schreib uns direkt.

Laut Medipee ist das Gerät für Standard-Sitztoiletten konzipiert und erfordert keine Baumaßnahmen. Es wird außen am Toilettenbecken befestigt, weshalb weder Klempner noch Elektriker nötig sind.

Das System kann Parameter für Harnwegsinfekte, Nierensteine, Diabetes, Dehydration, Gicht und Leberwerte im Blick behalten. Eine ärztliche Diagnose ersetzt es nicht.

Ja. Medipee richtet sich explizit an Pflegeeinrichtungen, da die automatische Messung ohne Mitwirkung der Bewohner auskommt und das Personal entlastet.

Die Datenübertragung erfolgt verschlüsselt per BLE. Laut Medipee wird die Datenspeicherung DSGVO-konform gestaltet; Details zur Serverinfrastruktur finden sich in der Datenschutzerklärung.

Aktuell ist Medipee kein DiGA-gelistetes Medizinprodukt und wird daher nicht standardmäßig durch gesetzliche Krankenkassen erstattet. Für Pflegebedürftige könnten Einzelfallregelungen greifen.

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