Medicare-AU
01 · Profil
Über Medicare-AU
Wie funktioniert's
Registrierte Nutzer wählen auf der Plattform aus vorgegebenen Symptomkategorien aus und geben persönliche Angaben zur Erkrankung ein. Auf Basis dieser Selbstauskunft wird eine Bescheinigung generiert und digital bereitgestellt. Nach Unternehmensangaben unterzeichnen die Dokumente Ärzte, die im Ausland zugelassen sind. Ein persönliches Gespräch, ein Telefonat oder eine Videokonsultation findet dabei nicht statt, wie der Anbieter auf seiner Website selbst beschreibt. Die Bearbeitungszeit ist laut Plattform sehr kurz; Bescheinigungen können innerhalb weniger Minuten ausgestellt werden.
Rechtliche Einordnung
Die rechtliche Gültigkeit solcher AU-Bescheinigungen ist in Deutschland umstritten. Die AU-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA, Stand 2022) verlangt für eine normgerechte Bescheinigung entweder persönlichen, telefonischen oder videobasierten Kontakt mit einem approbierten Arzt. Das Arbeitsgericht Dortmund entschied mit Urteil vom 8. Januar 2025 (ArbG Dortmund, Az. 2 Ca 1362/24), dass Arbeitgeber Beschäftigte fristlos kündigen dürfen, die eine ohne direkten Arzt-Patienten-Kontakt erworbene AU-Bescheinigung vorgelegt hatten. Das Gericht sah die Beweiskraft einer solchen Bescheinigung als erschüttert an. Arbeitgeber können demnach eine vertragsärztliche Nachuntersuchung einfordern oder die Bescheinigung vollständig ablehnen.
Für wen ist es gedacht
Medicare-AU richtet sich an Berufstätige, die eine schnelle Krankschreibung ohne Praxisbesuch suchen. Angesichts der ungesicherten Rechtslage sollten Nutzer vorab sorgfältig prüfen, ob ihr Arbeitgeber eine solche Bescheinigung akzeptiert. Die Plattform eignet sich rechtssicher nur in Konstellationen, in denen kein arbeitsrechtlicher Konflikt über die Bescheinigungspflicht entstehen kann. Für kurze Erkrankungen ohne Gehaltsfortzahlungsstreit kann der Service praktisch sein; bei unklarer Situation des Arbeitgebers ist Vorsicht geboten.
Im Vergleich zu Alternativen
Telemedizin-Plattformen wie Zava oder Arztheld stellen Krankschreibungen nach einem Videogespräch mit einem in Deutschland approbierten Arzt aus. Diese Variante entspricht den Anforderungen der AU-Richtlinie des G-BA und gilt als anerkannte Grundlage für den Entgeltfortzahlungsanspruch. Der zentrale Unterschied zu Medicare-AU ist das Vorhandensein eines echten Arzt-Patienten-Kontakts. Für Nutzer, denen rechtliche Absicherung wichtig ist, sind videobasierte Alternativen die verlässlichere Option, auch wenn sie etwas mehr Zeit erfordern. Grundsätzlich empfiehlt sich vor Nutzung ein kurzer Blick in die Arbeitsvertragsklauseln, da manche Verträge explizit ärztliche Bescheinigungen nach deutschem Recht fordern.
02 · Wer profitiert
Zielgruppe
Privatpersonen in Deutschland, die eine schnelle AU-Bescheinigung ohne Arztbesuch suchen. Hinweis: Die Rechtsgültigkeit solcher AU-Bescheinigungen ist nicht gesichert – Arbeitgeber und Krankenkassen sind nicht verpflichtet, sie anzuerkennen.
04 · Auf einen Blick
Wichtige Fakten
- Online-Plattform für AU-Bescheinigungen per Selbstdiagnose-Formular
- Preis: 19 € je Bescheinigung, PDF-Zustellung per E-Mail
- Kein nachgewiesener Arzt-Patienten-Kontakt gemäß AU-Richtlinie (§ 5 Abs. 3 G-BA)
- Rechtliche Akzeptanz umstritten: Arbeitgeber und Krankenkassen nicht verpflichtet anzuerkennen
- Handelsregisterdaten des Betreibers öffentlich nicht verifizierbar
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