Cardisio

Koronare Herzerkrankungen sind in Deutschland für rund 120.000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich – und werden häufig erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt, weil praxistaugliche Screeningmethoden für asymptomatische Hochrisikopatienten bislang fehlen. Das Frankfurter Startup Cardisio GmbH (gegründet 2016 von Meik Baumeister und Herzchirurg Gero Tenderich) hat mit der Cardisiographie ein KI-gestütztes Screeningverfahren entwickelt, das koronare Herzerkrankungen über eine dreidimensionale Elektrokardiographie mit neuronalen Netzwerken erkennt.

01 · Profil

Über Cardisio

Wie funktioniert's

Das Verfahren nutzt fünf Elektroden – darunter eine am Rücken –, um das Herz räumlich zu erfassen und so ein vollständiges dreidimensionales elektrisches Profil aufzubauen. Die Signalaufzeichnung dauert vier Minuten; anschließend werden die Parameter auf den Cardisio-Server übertragen und durch KI-Algorithmen in etwa fünf Minuten ausgewertet. Das Ergebnis ist ein 19-Kanal-EKG gemäß ESC-Richtlinien sowie eine dreidimensionale Vectorkardiographie (VCG), die funktionale Veränderungen sichtbar macht, bevor strukturelle Schäden im Standard-EKG erkennbar werden. Laut Medica Digital Health (2024) erkennt Cardisiographie neben Koronar-Perfusionsstörungen auch Kardiomyopathien und Arrhythmien mit höherer Treffsicherheit als ein Belastungs-EKG – ohne körperliche Anstrengung des Patienten.

Studienlage und Belege

Das Verfahren ist laut Handelsblatt Inside Digital Health als erster nicht-invasiver Screening-Test für koronare Herzerkrankungen positioniert. Bosch Health Campus GmbH hat Cardisio in einem One-Pager (Februar 2025) als Portfolio-Unternehmen vorgestellt, was auf eine institutionelle Partnerschaft hindeutet. 2024 schloss Cardisio eine Finanzierungsrunde über 3,5 Millionen Euro ab; zu den Investoren zählen laut Startup Insider Jim Davidson (Mitgründer Silver Lake Partners) und Shawn O'Neill (Managing Director Silver Lake Waterman). Laut Crunchbase ist Cardisio auf der Plattform gelistet; eine Gesamtfinanzierung ist nicht öffentlich ausgewiesen. Die Aufnahme in das Portfolio des Bosch Health Campus, einer der bedeutendsten deutschen Gesundheitsinstitutionen, signalisiert eine gewisse institutionelle Anerkennung für das Verfahren.

Für wen ist es gedacht

Cardisiographie richtet sich an Hausarztpraxen, Kardiologen und arbeitsmedizinische Zentren, die ein schnelles, nicht-invasives Herzscreening anbieten möchten – besonders für asymptomatische Patienten ab 30 Jahren mit erhöhtem Risikoprofil wie Raucher, Diabetiker oder Menschen mit familiärer Herzerkrankungsbelastung. Der Test passt in eine reguläre Praxiskonsultation und erfordert kein separates Herzkatheterlabor. Gegenüber dem Belastungs-EKG bietet die Cardisiographie den Vorteil, dass keine körperliche Anstrengung erforderlich ist – was sie für Patienten mit eingeschränkter Belastbarkeit geeigneter macht. Für Patienten bietet sich die Cardisiographie als Vorsorgeleistung an, die über Privatärzte und als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) abgerechnet wird. Für Patienten mit positivem Befund kann die Cardisiographie der Ausgangspunkt für eine weiterführende kardiologische Abklärung sein, ohne selbst einen invasiven Eingriff darzustellen.

02 · Wer profitiert

Zielgruppe

Arztpraxen und Primärversorger, die ein schnelles kardiovaskuläres Screeninginstrument für Patienten mit Risikofaktoren oder unklaren kardialen Beschwerden suchen.

FAQ · 05 Fragen

Häufig gefragt zu Cardisio

Kurze Antworten aus unserer Recherche. Wenn etwas fehlt oder unklar ist: Schreib uns direkt.

Ein Standard-12-Kanal-EKG erfasst das Herz zweidimensional und zeigt nur grobe elektrische Muster. Cardisiographie nutzt fünf Elektroden für eine dreidimensionale Vectorkardiographie und generiert ein 19-Kanal-EKG nach ESC-Richtlinien. Die KI-Auswertung erkennt laut Unternehmen funktionale Veränderungen, die im Standard-EKG nicht sichtbar sind.

Cardisiographie wird Stand 2026 nicht im GKV-Leistungskatalog geführt und muss als Selbstzahlerleistung oder über private Krankenversicherung abgerechnet werden. Einzelne Praxen bieten sie als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) an.

Die Messung dauert vier Minuten; die KI-Auswertung liegt binnen fünf Minuten vor. Inklusive Anamnese und Arztgespräch ist ein Gesamttermin von 15 bis 20 Minuten realistisch – ohne körperliche Anstrengung des Patienten.

Laut Cardisio richtet sich das Verfahren primär an Personen ab 30 Jahren mit erhöhtem kardiovaskulärem Risikoprofil – etwa Raucher, Diabetiker oder Menschen mit familiärer Herzerkrankungsbelastung. Die Indikationsstellung obliegt dem behandelnden Arzt.

Das Verfahren ist als Medizinprodukt nach EU-Recht klassifiziert und in deutschen Arztpraxen einsetzbar. Eine DiGA-Zulassung durch das BfArM liegt Stand 2026 nicht vor; die Anwendung erfolgt als ärztlich delegierbare Diagnostikleistung.

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