Cardior Pharmaceuticals​​

Einer der bedeutendsten deutschen Biotech-Exits im Herzmedizin-Sektor vollzog sich im März 2024, als Novo Nordisk das Hannoveraner Unternehmen Cardior Pharmaceuticals – spezialisiert auf nicht-kodierende RNA (ncRNA) gegen kardiovaskuläre Erkrankungen – für bis zu 1,025 Milliarden Euro übernahm. Im März 2024 wurde Cardior von Novo Nordisk für bis zu 1,025 Milliarden Euro übernommen – einer der bedeutendsten deutschen Biotech-Exits im Bereich Herzmedizin. Die Transaktion unterstreicht das strategische Interesse des dänischen Pharmakonzerns, seine Pipeline über Diabetes und Übergewicht hinaus gezielt um kardiovaskuläre RNA-Therapeutika zu erweitern.

01 · Profil

Über Cardior Pharmaceuticals​​

CDR132L: Wirkstoff & klinische Studien

Das Kern-Programm war CDR132L, ein Oligonukleotid-basierter Inhibitor der microRNA-132 (miR-132). MiR-132 ist ein zentraler epigenetischer Regulator pathologischer Herzremodellierung: Nach Myokardinfarkt oder bei chronischer Herzinsuffizienz ist miR-132 im Herzmuskel hochreguliert und treibt Hypertrophie, Fibrose sowie den Verlust kardialer Kontraktionsfähigkeit an. CDR132L blockiert miR-132 und soll diese Kaskade therapeutisch unterbrechen. Es handelte sich um das weltweit erste ncRNA-basierte Herzinsuffizienz-Programm in einer Phase-2-Studie.

Im Juli 2022 wurde der erste Patient in die Phase-2-Studie HF-REVERT eingeschlossen: 280 Patienten mit Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) nach überstandenem Herzinfarkt. Novo Nordisk plante zum Zeitpunkt der Übernahme eine weitere Phase-2-Studie für Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und kardialer Hypertrophie – womit das klinische Programm auf zwei Hauptindikationen ausgeweitet werden sollte. Laut Pressemitteilung von Novo Nordisk (März 2024) betrug der Upfront-Anteil der Übernahme einen festgelegten Betrag; hinzu kommen erfolgsabhängige Meilensteinzahlungen.

Gründungsgeschichte & wissenschaftliche Basis

Cardior entstand als Ausgründung aus der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und dem Institut für Molekulare und Translationale Therapiestrategien (IMTTS). Die wissenschaftliche Grundlage legte die Forschungsgruppe von Prof. Thomas Thum, einem international renommierten Experten für nicht-kodierende RNA in der Kardiologie. Mit etwa 30 Mitarbeitern zum Zeitpunkt der Übernahme war Cardior ein fokussiertes, hochspezialisiertes Unternehmen. Im Herzinsuffizienz-Therapiemarkt, der laut ESC-Leitlinien 2023 weltweit über 64 Millionen Patienten betrifft, sind etablierte Therapeutika wie Sacubitril/Valsartan (Novartis) oder SGLT-2-Inhibitoren Standard; Cardior verfolgte mit dem ncRNA-Ansatz eine biologisch neuartige Modalität.

Hinweis: Cardior Pharmaceuticals operiert seit März 2024 als Tochtergesellschaft von Novo Nordisk und nicht mehr als eigenständiges Unternehmen. Der Eintrag bleibt als historisch-dokumentarische Referenz erhalten.

Der Cardior-Exit durch Novo Nordisk im März 2024 ist aus mehreren Gründen industriehistorisch bedeutsam: Er ist einer der ersten großen Exits im Bereich nicht-kodierender RNA-Therapeutika für kardiovaskuläre Erkrankungen und signalisiert eine Verschiebung der Pharmastrategie von Novo Nordisk hin zu RNA-basierten Modalitäten in der Herzmedizin. Herzinsuffizienz betrifft nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK, 2023) in Deutschland rund vier Millionen Menschen; trotz bestehender Therapien wie Sacubitril/Valsartan, SGLT-2-Inhibitoren und Beta-Blockern ist die Fünf-Jahres-Mortalität nach erstem Herzinfarkt mit HFrEF erheblich. CDR132L als erster ncRNA-Inhibitor in Phase-2-Studien global repräsentiert damit einen neuartigen Wirkansatz in einer Indikation mit hohem Restrisiko unter Standardtherapie. Laut Pressemitteilungen von Novo Nordisk werden die HF-REVERT-Daten aus der Phase-2-Studie über CDR132L die Grundlage für weitere Entwicklungsentscheidungen bilden. Das Hannover-MHH-Cluster hat mit diesem Exit seine Position als relevanter Standort für kardiovaskuläre Biotech-Ausgründungen in Deutschland gefestigt.

02 · Wer profitiert

Zielgruppe

Die Zielgruppe für Cardior Pharmaceuticals sind hauptsächlich medizinische Fachleute und Gesundheitsdienstleister, die sich auf kardiovaskuläre Erkrankungen spezialisiert haben. Darüber hinaus könnten auch Patienten, die an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden und nach innovativen Behandlungsmöglichkeiten suchen, zu den potenziellen Nutzern gehören. Ebenso könnten Investoren und Partner aus der Pharmaindustrie, die an der Entwicklung und Vermarktung neuer Therapien interessiert sind, zur Zielgruppe zählen.

04 · Auf einen Blick

Wichtige Fakten

Spin-off der Medizinischen Hochschule Hannover (2016),ncRNA-Therapeutika gegen Herzinsuffizienz entwickelt,CDR132L blockiert miR-132-microRNA selektiv,Phase-2-Studie HF-REVERT mit 280 Patienten,Novo Nordisk Akquisition bis zu €1,025 Mrd.,Finanzierung: €15M Serie A, LSP und BMS Capital,Gegründet von Prof. Dr. Thomas Thum (RNA-Weltexperte)

05 · Was es kostet

Kosten & Preise

Klinisches Entwicklungsunternehmen. Kein Verbraucherpreis.

FAQ · 04 Fragen

Häufig gefragt zu Cardior Pharmaceuticals​​

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CDR132L ist ein Oligonukleotid-basierter Inhibitor der microRNA-132 (miR-132). MiR-132 ist nach Myokardinfarkt hochreguliert und treibt pathologische Herzremodellierung an – Hypertrophie, Fibrose und Verlust der Kontraktionsfähigkeit. CDR132L blockiert diesen Mechanismus. Es ist das weltweit erste ncRNA-basierte Herzinsuffizienz-Programm in einer Phase-2-Studie.

Laut Pressemitteilung von Novo Nordisk (März 2024) erweitert der dänische Konzern seine Pipeline strategisch über Diabetes und Übergewicht hinaus. Die ncRNA-Therapeutika von Cardior bieten eine biologisch neuartige Modalität für kardiovaskuläre Erkrankungen. Die HF-REVERT Phase-2-Studie bildete die wissenschaftliche Basis der Bewertung.

HF-REVERT ist eine Phase-2-Studie mit 280 Patienten mit Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) nach Herzinfarkt. Laut Unternehmensangaben wurde der erste Patient im Juli 2022 eingeschlossen. CDR132L war der weltweit erste miR-132-Inhibitor in klinischer Entwicklung für Herzinsuffizienz.

Cardior entstand als Ausgründung aus der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und dem Institut für Molekulare und Translationale Therapiestrategien (IMTTS). Die wissenschaftliche Grundlage legte laut MHH-Angaben die Forschungsgruppe von Prof. Thomas Thum, einem international renommierten Experten für nicht-kodierende RNA in der Kardiologie.

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