Aleva Neuro

Tiefenhirnstimulation (Deep Brain Stimulation, DBS) gilt seit den 1990er-Jahren als Standardverfahren bei fortgeschrittenem Parkinson und essentiellem Tremor. Das Prinzip: chirurgisch implantierte Elektroden geben kontinuierliche elektrische Impulse an bestimmte Hirnkerne ab und unterdrücken dadurch unkontrollierbare Bewegungen wie Zittern oder Rigor. Das Schweizer Medizintechnikunternehmen Aleva Neurotherapeutics SA, ein Spin-off der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) mit Sitz in Lausanne, hat diesen bewährten Ansatz grundlegend weiterentwickelt. Das Ergebnis ist directSTIM™ — ein DBS-System mit vollständig direktionaler Elektrode, das Neurochirurgen erstmals erlaubt, das Stimulationsfeld gezielt zu lenken statt ringförmig zu streuen. Im Dezember 2019 erhielt das Unternehmen die CE-Zulassung für das System, wie GlobeNewswire damals berichtete.

01 · Profil

Über Aleva Neuro

Wie funktioniert directSTIM™

Beim klassischen DBS verteilt sich das elektrische Feld kugelförmig um die Elektrode — was dazu führen kann, dass benachbarte Hirnstrukturen mitgereizt werden und Nebenwirkungen wie Dysarthrie oder motorische Einschränkungen auftreten. Die directSTIM-Elektrode löst dieses Problem durch segmentierte Kontakte: Jeder Elektrodenpunkt besteht aus acht einzeln ansteuerbaren Segmenten, die das Stimulationsfeld präzise in eine bestimmte Richtung lenken. Neurochirurgen können die Stimulation damit ohne Neuimplantation umprogrammieren, wenn ein Patient nicht wie erwartet anspricht — ein Vorteil, der aufwändige Folgeeingriffe vermeiden kann. Laut NeuroNews International hat Aleva zusätzlich eine MRI-Kompatibilitätszulassung für den europäischen Markt erhalten; Patientinnen und Patienten mit directSTIM können Ganzkörper-MRT-Untersuchungen durchführen lassen. Für Parkinson-Betroffene, die im Krankheitsverlauf häufig neurologische Bildgebung benötigen, ist das eine klinisch relevante Eigenschaft.

Finanzierung und klinische Entwicklung

Aleva wurde als EPFL-Spin-off gegründet und hat über mehrere Runden laut Crunchbase rund 42 Millionen US-Dollar eingesammelt. Die Series-E-Runde im Dezember 2019 umfasste 8 Millionen US-Dollar, wie Venturelab Switzerland berichtete. Parallel genehmigte die US-amerikanische FDA eine IDE-Studie (Investigational Device Exemption), die klinische Erprobungen des directSTIM-Systems auf dem US-Markt ermöglicht und als notwendigen Schritt auf dem Weg zur FDA-Marktzulassung gilt. Das Unternehmen ist damit auf dem Weg zu einer transatlantischen Marktpräsenz im spezialisierten DBS-Segment.

Für wen ist es gedacht

directSTIM richtet sich an Neurochirurginnen und Neurochirurgen in spezialisierten Neurozentren und Universitätskliniken, die DBS-Eingriffe bei Parkinson-Erkrankung oder essentiellem Tremor durchführen. Das Implantat ist kein Konsumerprodukt — es wird in einem mehrstufigen neurochirurgischen Eingriff gesetzt, anschließend mit einem externen Programmer individuell eingestellt und regelmäßig nachjustiert. Für Patientinnen und Patienten, die mit konventionellen DBS-Systemen unzufrieden sind, könnte directSTIM eine präzisere Alternative darstellen; die klinische Entscheidung liegt beim behandelnden Neurochirurgie-Team. Medtronic und Abbott bieten ebenfalls direktionale DBS-Optionen an, setzen aber auf abweichende Elektrodenarchitekturen und Programmiersysteme.

02 · Wer profitiert

Zielgruppe

Aleva Neurotherapeutics richtet sich an neurologische Kliniken, Neurochirurgen und Neurologie-Zentren in Europa, die Tiefenhirnstimulationstherapien für Parkinson-Patienten und Patienten mit essentiellem Tremor einsetzen. Die Geräte sind ausschließlich für den klinischen Einsatz durch Fachärzte bestimmt; kein Direktprodukt für Patienten.

04 · Auf einen Blick

Wichtige Fakten

  • Herkunft: Spin-off der EPFL (École Polytechnique Fédérale de Lausanne)
  • Produkt: directSTIM™ DBS System – Direktionalelektroden (24 Kontakte) + MICC-Generator
  • CE-Mark: Dezember 2019 – erster "emerging company"-DBS mit CE-Zeichen (laut globenewswire.com)
  • MRT-Approval: September 2022 für directSTIM™
  • Patente: 13 Patentfamilien, 90 erteilte Patente (laut Unternehmensangaben)
  • Finanzierung: >$50M (Forrestal Capital, BioMedPartners, BB Biotech Ventures u. a.)
  • Indikationen: Parkinson-Erkrankung, essentieller Tremor

05 · Was es kostet

Kosten & Preise

Aleva Neurotherapeutics finanziert sich durch den Verkauf seiner spezialisierten DBS-Geräte an Krankenhäuser und Kliniken, die diese für die Behandlung von Patienten mit Parkinson und essentiellem Tremor einsetzen. Die Kostenstruktur ist in der Regel auf B2B-Transaktionen ausgerichtet, wobei Preise je nach Umfang der Bestellung und spezifischen Anforderungen variieren können. Konkrete Preisangaben sind in der Regel nicht öffentlich zugänglich, da sie von individuellen Verhandlungen abhängen.

FAQ · 04 Fragen

Häufig gefragt zu Aleva Neuro

Kurze Antworten aus unserer Recherche. Wenn etwas fehlt oder unklar ist: Schreib uns direkt.

Tiefenhirnstimulation ist ein neurochirurgisches Verfahren, bei dem Elektroden in bestimmte Hirnkerne implantiert werden. Elektrische Impulse dämpfen die pathologischen Signale, die bei Parkinson zu Tremor und Bewegungsstarre führen. DBS gilt laut der Deutschen Gesellschaft für Neurologie als Standardbehandlung für geeignete Parkinson-Betroffene, wenn Medikamente nicht mehr ausreichend wirken.

directSTIM ist laut Hersteller das erste vollständig direktionale DBS-System: Jeder Elektrodenkontakt besteht aus acht einzeln ansteuerbaren Segmenten. Das ermöglicht eine Feinjustierung der Stimulationsrichtung, sodass benachbarte Hirnstrukturen geschont und Nebenwirkungen reduziert werden können.

Ja. Aleva Neurotherapeutics hat laut NeuroNews International eine Zulassung für den Einsatz von directSTIM in der Ganzkörper-MRT für den europäischen Markt erhalten. Das ist für Parkinson-Betroffene relevant, da viele von ihnen im Krankheitsverlauf regelmäßige MRT-Untersuchungen benötigen.

Nein. directSTIM ist kein Konsumerprodukt und wird ausschließlich in spezialisierten Neurozentren und Universitätskliniken eingesetzt. Betroffene sollten zunächst mit einer Neurologin oder einem Neurologen sprechen, der die Eignung für einen DBS-Eingriff beurteilen kann.

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