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Von Redaktion

Vitamin B3 gegen Fettleber: Forscher entdecken MicroRNA-93 als Schlüssel

Forscher identifizieren MicroRNA-93 als Treiber der Fettleber (MASLD) und zeigen: Vitamin B3 blockiert diesen Mechanismus. Studie März 2026.

Fettleber betrifft rund 30 Prozent aller Menschen weltweit und gilt als häufigste Lebererkrankung unserer Zeit – doch es fehlt bislang an einfachen, wirksamen Therapien. Forscher der Ulsan National Institute of Science and Technology (UNIST) in Südkorea haben nun einen entscheidenden Durchbruch erzielt: Sie identifizierten MicroRNA-93 als zentralen genetischen Treiber der metabolisch assoziierten Fettlebererkrankung (MASLD) und entdeckten, dass Vitamin B3 – auch bekannt als Niacin – diesen Mechanismus effektiv blockieren kann [1]. Die Ergebnisse erschienen im März 2026 im Fachjournal Metabolism: Clinical and Experimental. ## Was ist MASLD und warum ist sie gefährlich? MASLD – früher unter dem Namen NAFLD (nichtalkoholische Fettlebererkrankung) bekannt – entsteht, wenn sich überschüssiges Fett in der Leber ansammelt, ohne dass Alkohol die Ursache ist. Risikofaktoren sind Übergewicht, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte. In Deutschland sind schätzungsweise 20 bis 30 Prozent der Erwachsenen betroffen – viele wissen es nicht, weil die Erkrankung im Frühstadium keine Symptome verursacht. Das Gefährliche: Unbehandelt kann MASLD zur Leberentzündung (MASH), Leberzirrhose und schließlich Leberkrebs führen. Es ist eine der führenden Ursachen für Lebertransplantationen in westlichen Ländern. Zugelassene Medikamente zur direkten Behandlung existierten bislang kaum – die einzige anerkannte Therapie war eine Änderung von Ernährung und Lebensstil [2]. ## Die Entdeckung: MicroRNA-93 als Schlüsselregulator Das koreanische Forschungsteam unter Professor Jang Hyun Choi analysierte die molekularen Mechanismen hinter MASLD und identifizierte MicroRNA-93 (miR-93) als zentralen Treiber der Erkrankung. MicroRNAs sind winzige RNA-Moleküle, die die Aktivität von Genen regulieren – eine Art molekularer Dimmer-Schalter. Bei MASLD war miR-93 dauerhaft überaktiv und hemmte dabei SIRT1, ein Protein das normalerweise die Fettverarbeitung in der Leber reguliert [1]. Die Konsequenz: Die Leber kann Fett nicht mehr effizient abbauen, der Fettstoffwechsel gerät außer Kontrolle, und MASLD entsteht oder verschlimmert sich. Das Team testete daraufhin 150 bereits zugelassene Medikamente, ob eines davon miR-93 gezielt hemmen kann – und wurde fündig: Niacin (Vitamin B3) zeigte die stärkste Wirkung. ## Vitamin B3: Alt bekannt, neu eingesetzt Niacin ist kein neuer Wirkstoff – es ist ein essenzielles Vitamin, das seit Jahrzehnten zur Senkung erhöhter Blutfettwerte eingesetzt wird und in der EU als Medikament zugelassen ist. In den Tierversuchen der Studie sank die miR-93-Konzentration nach Niacin-Gabe deutlich, die SIRT1-Aktivität stieg wieder an, und die Fettverarbeitung in der Leber normalisierte sich [1]. Entzündungsmarker und Lipidwerte verbesserten sich messbar. Der große Vorteil gegenüber neuen Wirkstoffen: Niacin ist billig, weit verbreitet und hat ein bekanntes Sicherheitsprofil. Hochdosiert kann es Hautröte (Flush) verursachen, was die Verträglichkeit begrenzt – doch modernere Niacin-Formulierungen haben dieses Problem erheblich reduziert. ## Was das für Patienten bedeutet Die Studie ist zunächst eine Tierstudie – klinische Studien am Menschen sind erforderlich, bevor Niacin als gezielte Fettleber-Therapie empfohlen werden kann. Die Forscher planen bereits eine Phase-2-Studie. Die Entdeckung des miR-93-Mechanismus hat aber unabhängig davon einen Wert: Sie eröffnet einen neuen Ansatzpunkt für die MASLD-Therapie, der weitere Medikamente inspirieren kann. Für Betroffene, die auf eine Diagnose warten oder bereits eine MASLD haben, gilt weiterhin: Fettleber lässt sich im Frühstadium durch Gewichtsreduktion (bereits 5 bis 10 Prozent des Körpergewichts wirken), ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung günstig beeinflussen. Das ist keine triviale Empfehlung – studienbelegt sinken Entzündung und Leberfett selbst ohne Medikamente [2]. ## Häufige Fragen **Wie erkenne ich eine Fettleber?** Im Frühstadium hat eine Fettleber keine Symptome. Bei fortgeschrittener Erkrankung können Müdigkeit, Druckgefühl im rechten Oberbauch und Leistungsabfall auftreten. Ein einfacher Bluttest (Leberwerte) und Ultraschall geben erste Hinweise. Bei Risikofaktoren wie Übergewicht oder Diabetes empfiehlt sich eine ärztliche Kontrolle. **Sollte ich jetzt Niacin nehmen, um meine Fettleber zu behandeln?** Nein. Niacin ist in der aktuellen Studienlage noch nicht als Fettleber-Therapie zugelassen oder empfohlen. Selbstmedikation mit hochdosiertem Niacin kann Nebenwirkungen haben. Sprechen Sie mit einem Gastroenterologen oder Hepatologen. Hausarzt- und Facharztsuche auf bestes.com/services. --- **Quellen:** [1] UNIST News Center. "New Genetic Factor Identified in Worsening of MASLD, with FDA-Approved Vitamin B3 as the Most Effective Therapeutic Agent." März 2026. https://news.unist.ac.kr/new-genetic-factor-identified-in-worsening-of-masld [2] ScienceDaily. "Fatty liver breakthrough: A common vitamin shows promise." 24. März 2026. https://www.sciencedaily.com/releases/2026/03/260324080203.htm ## Der Weg zur klinischen Anwendung Bevor Niacin gezielt als Fettleber-Therapie empfohlen werden kann, sind klinische Studien am Menschen notwendig. Die Forschungsgruppe plant bereits eine Phase-2-Studie, die die Wirksamkeit und Verträglichkeit bei MASLD-Patienten überprüfen soll. Niacin ist in Deutschland als Arzneimittel (unter dem Namen Niacin oder Nikotinsäure) zur Behandlung erhöhter Blutfette zugelassen. Hochdosiert – wie für die MASLD-Therapie benötigt – kann es Hautrötungen (Flush), Juckreiz und bei sehr hoher Dosierung Leberwerterhöhungen verursachen. Retard-Formulierungen reduzieren den Flush deutlich [1]. Für Betroffene bedeutet das: Es ist zu früh, Niacin auf eigene Faust als Fettleber-Therapie einzunehmen. Die Dosis und das Monitoring müssen ärztlich begleitet werden. Was aber jetzt schon gilt: Wer Risikofaktoren für MASLD hat – Übergewicht, Typ-2-Diabetes, metabolisches Syndrom – sollte regelmäßige Leberwert-Kontrollen beim Hausarzt einplanen. Fettleber im Frühstadium ist gut behandelbar, im fortgeschrittenen Stadium nicht mehr reversibel. Gastroenterologen, Hepatologen und Diabetologen auf bestes.com/services – passend nach Ort und Kassenart suchen. Erste klinische Daten werden für 2027 erwartet.

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