Von Redaktion

Bauchfett und Diabetes: Warum weniger Viszeralfett das Risiko dauerhaft senkt

Eine neue Langzeitstudie zeigt: Wer sein viszerales Bauchfett um 10 Prozent reduziert, senkt sein Diabetes-Risiko um 28 Prozent – und das noch zehn Jahre später.

Wer abnimmt und dann wieder zunimmt, hat den gesundheitlichen Vorteil verspielt – so lautete lange die gaengige Einschaetzung. Eine neue Langzeitstudie zeichnet ein differenzierteres Bild: Entscheidend ist nicht, ob das Koerpergewicht gehalten wird, sondern ob das viszerale Fett – also das Fett im Bauchraum rund um die inneren Organe – dauerhaft reduziert bleibt. Forscher der Ben-Gurion-Universitaet des Negev haben gemeinsam mit Teams aus Harvard und Leipzig 366 Teilnehmende ueber bis zu zehn Jahre hinweg per MRT verfolgt. Die Ergebnisse erschienen im renommierten Fachjournal Circulation und zeigen: Ein einmal reduziertes viszerales Fett hinterlaesst ein biologisches Gedaechtnis – mit messbaren Schutzeffekten weit ueber das Ende einer Diaet hinaus.

Was ist viszerales Fett – und warum ist es gefaehrlicher als Hueftfett?

Fett ist nicht gleich Fett. Das Fettgewebe unter der Haut – subkutanes Fett – gilt als vergleichsweise harmlos. Viszerales Fett hingegen lagert sich tief im Bauchraum an: zwischen Darm, Leber und Bauchspeicheldruese. Es ist metabolisch aktiv, das heisst es schuettet Entzuendungsbotenstoffe und Fettsaeuren direkt in die Pfortader aus, die zur Leber fuehrt. Das stoert den Insulinstoffwechsel und erhoeht das Risiko fuer Typ-2-Diabetes, Herzerkrankungen und Schlaganfall.

Aeusserlich ist viszerales Fett nur schwer erkennbar. Auch schlanke Menschen koennen davon betroffen sein – dieses Phaenomen nennt sich TOFI: thin outside, fat inside. Zuverlaessig messen laesst es sich nur per MRT oder CT. Die Taillenumfang-Messung gilt als grober Schaetzwert: Werte ueber 88 cm bei Frauen und 102 cm bei Maennern gelten als Risikofaktor.

Die Studie: MRT-Kontrollen ueber zehn Jahre

Die Forschungsgruppe um Professorin Iris Shai von der Ben-Gurion-Universitaet wertete Daten aus zwei kontrollierten Ernaehrungsstudien aus – dem DIRECT-Programm und dem CENTRAL-Trial. Bei 366 Teilnehmenden wurden zu verschiedenen Zeitpunkten MRT-Aufnahmen gemacht: nach 18 Monaten Intervention sowie nach fuenf und nach zehn Jahren. So liessen sich Fettdepots im Bauchraum, in der Leber, in der Bauchspeicheldruese und unter der Haut praezise verfolgen.

Das zentrale Ergebnis: Viele Studienteilnehmende hatten nach zehn Jahren ihr urspruengliches Koerpergewicht vollstaendig zurueckgewonnen. Doch der viszerale Fettanteil blieb bei einem Teil von ihnen dauerhaft reduziert. Und genau diese Gruppe profitierte ueberproportional: Pro zehn Prozent weniger viszeralem Fett sank das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, um 28 Prozent. Leber- und Bauchspeicheldruesenfett zeigten keinen vergleichbaren Langzeiteffekt.

Metabolisches Gedaechtnis: Der Koerper erinnert sich

Die Forscher sprechen von einem metabolischen Erbe – einem biologischen Gedaechtnis, das der Koerper in den Fettzellen behaelt. Was genau dahintersteckt, ist noch nicht vollstaendig verstanden. Eine Hypothese: Epigenetische Veraenderungen – also Veraenderungen darin, welche Gene aktiv sind – bleiben erhalten, auch wenn das Gewicht wieder steigt. Eine weitere Erklaerung betrifft Fettzellen selbst: Wenn viszerale Fettzellen einmal abgebaut wurden, kehren sie moeglicherweise nicht vollstaendig zurueck.

Co-Autorin Liming Liang von der Harvard T.H. Chan School of Public Health betonte, dass die Studie zeige, wie wichtig es sei, den Fokus bei Abnehmprogrammen vom Koerpergewicht auf die Fettverteilung zu lenken. Eine Gewichtsreduktion, die primaer Muskelmasse oder subkutanes Fett betrifft, haette demnach einen geringeren Langzeiteffekt als eine, die gezielt das viszerale Fett reduziert.

Was das fuer die Praxis bedeutet

Die Studie liefert eine klare Botschaft fuer Menschen, die mit ihrem Gewicht kaempfen: Auch eine temporaere Gewichtsreduktion kann langfristige gesundheitliche Spuren hinterlassen – vorausgesetzt, das viszerale Fett wird reduziert. Das Jo-Jo-Phaenomen verliert dadurch nicht seinen Schrecken, aber es relativiert sich: Wer abgenommen hat und wieder zunimmt, hat nicht zwingend alle Vorteile verloren.

Was viszerales Fett besonders wirksam reduziert, ist aus anderen Studien bekannt: Kalorienreduzierte Ernaehrung, besonders mediterrane oder Low-Carb-Kost, kombiniert mit regelmaessiger Bewegung. Dabei gilt: Ausdauersport und Krafttraining wirken auf viszerales Fett deutlich staerker als auf subkutanes Fett. Selbst ohne sichtbaren Gewichtsverlust kann Bewegung die inneren Fettdepots signifikant verkleinern.

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Haeufige Fragen

Wie kann ich meinen viszeralen Fettanteil messen?

Die praeziseste Methode ist ein MRT oder CT – beides ist kostspielig und nur in medizinischen Einrichtungen verfuegbar. Als Naeherungswert gilt der Taillenumfang: mehr als 88 cm bei Frauen und mehr als 102 cm bei Maennern gelten als erhoehtes Risikosignal. Einige Koerperfettwaagen schaetzen den viszeralen Fettanteil, allerdings mit begrenzter Genauigkeit.

Reicht Diaet allein, um viszerales Fett zu reduzieren?

Ja, auch Ernaehrungsumstellungen allein koennen viszerales Fett reduzieren. Besonders wirksam sind kalorienreduzierte Ernaehrung, mediterrane Kost und Low-Carb-Ansaetze. Die Kombination mit regelmaessiger koerperlicher Aktivitaet verstaerkt den Effekt und hilft, ihn laenger zu halten.

Schuetzt weniger Bauchfett auch vor anderen Krankheiten?

Ja. Neben dem Diabetes-Risiko zeigten Teilnehmende mit dauerhaft reduziertem viszeralem Fett in der Studie auch bessere Werte bei kardiometabolischen Markern – also Blutdruck, Blutfetten und Entzuendungszeichen – sowie Hinweise auf eine bessere kognitive Gesundheit.

Gilt das auch fuer normalgewichtige Menschen?

Ja, auch normalgewichtige Menschen koennen zu viel viszerales Fett haben – das sogenannte TOFI-Phaenomen (thin outside, fat inside). Wer einen ueberwiegend sitzenden Lebensstil fuehrt oder genetisch zu Bauchfett neigt, kann betroffen sein, auch wenn die Waage keine Warnung gibt.

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