Von Redaktion

Sturzprophylaxe: DGG-Leitlinie 2026 – was wirklich vor Stürzen schützt

DGG-Leitlinie 2026: Kraft- und Gleichgewichtstraining senkt Sturzrisiko bei Senioren um bis zu 35%. Was wirklich hilft – und was der Faktor Sturzangst bedeutet.

Stürze sind eine der häufigsten und folgenreichsten Gesundheitsgefährdungen älterer Menschen. In Deutschland stürzen jährlich rund 30 Prozent der über 65-Jährigen – das sind fast 5 Millionen Menschen. Über 100.000 erleiden einen Oberschenkelhalsbruch, der oft einen langen Krankenhausaufenthalt bedeutet [1]. Im Januar 2026 veröffentlichte die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie eine aktualisierte S3-Leitlinie zur Sturzprophylaxe. ## Warum stürzen ältere Menschen häufiger? Mit steigendem Alter verändert sich der Körper auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Die Muskelmasse nimmt ab (Sarkopenie), das Gleichgewicht verschlechtert sich, Reaktionszeiten werden länger. Hinzu kommen Sehverschlechterung, Neuropathien, die das Gefühl in den Füßen mindern, und die Einnahme mehrerer Medikamente, die Schwindel verursachen können. Auch das Wohnumfeld spielt eine wichtige Rolle: Teppiche, Schwellen, unzureichende Beleuchtung und fehlende Haltegriffe erhöhen das Risiko erheblich. ## Was die neue Leitlinie empfiehlt Die S3-Leitlinie 2026 fasst die stärksten Maßnahmen zusammen. An erster Stelle steht Bewegung: Gezieltes Kraft- und Gleichgewichtstraining senkt das Sturzrisiko um 23 bis 35 Prozent [2]. Besonders wirksam sind Tai-Chi-Programme und balanceorientierte Übungen. Medikationsüberprüfung ist ebenso entscheidend: Etwa ein Drittel aller Stürze geht auf Medikamente zurück – vor allem Schlaf- und starke Schmerzmittel. Bei Vitamin-D-Mangel ist eine Supplementierung sinnvoll, da Mangel die Muskelkraft schwächt. Wohnraumanpassungen wie Haltegriffe im Bad und ausreichende Beleuchtung kosten wenig und zeigen messbare Effekte. Regelmäßige Augenuntersuchungen sind ebenfalls einfache und wirksame Prävention. ## Der Faktor Sturzangst Ein häufig unterschätztes Phänomen: Viele ältere Menschen schränken nach einem Sturz ihre Aktivitäten stark ein – aus Angst vor einem weiteren Sturz. Das "Post-Fall-Syndrom" führt dazu, dass Betroffene weniger gehen und weniger Sport treiben. Die Folge ist ein Teufelskreis: Weniger Bewegung schwächt Muskeln und Gleichgewicht weiter. Deshalb ist psychologische Unterstützung nach einem Sturz genauso wichtig wie die Physiotherapie. Verhaltenstherapeutische Ansätze zur Überwindung der Sturzangst sind in modernen Geriatrie-Programmen fest verankert. ## Hilfsmittel und digitale Lösungen Rollatoren, Gehstöcke und orthopädische Einlagen können das Sturzrisiko senken, wenn richtig eingesetzt. Hüftprotektoren schützen bei einem Sturz effektiv vor Oberschenkelhalsbrüchen. Smartwatches und Telecare-Systeme können Stürze automatisch erkennen und Hilfe rufen. Apple Watch und Samsung Galaxy Watch verfügen über Sturzerkennung. Spezielle Telecare-Geräte werden von Pflegekassen bezuschusst. ## Häufige Fragen **Gibt es Kassen-Leistungen für Sturzprophylaxe?** Viele Kassen erstatten Bewegungskurse zur Sturzprophylaxe nach Paragraf 20 SGB V. Ergotherapeutische Wohnraumanpassungen können über die Pflegeversicherung beantragt werden. **Was tun, wenn jemand gestürzt ist?** Bei Schmerzen im Hüft- oder Oberschenkelbereich oder wenn die Person sich nicht aufstehen kann, sofort 112 rufen – Oberschenkelhalsbrüche müssen operiert werden. Finde Physiotherapeuten und Geriatrie-Angebote auf bestes.com/services. --- ## Welche Übungen empfiehlt die DGG? Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) empfiehlt in ihrer Leitlinie 2026 ein strukturiertes Kraft- und Gleichgewichtstraining als wirksamste Einzelmaßnahme zur Sturzprävention. Konkret: mindestens zweimal pro Woche Übungen wie Einbeinstand, Tandemgang (Ferse-vor-Zehen-Gehen), Kniebeugen an der Stuhllehne und Treppensteigen. Das Otago Exercise Programme, entwickelt in Neuseeland, ist besonders gut belegt: Es reduziert Stürze bei über 80-Jährigen um bis zu 35 Prozent [1]. Kurse in der Volkshochschule oder über Physiotherapeuten sind auf Rezept erstattungsfähig. ## Wohnraumanpassung: einfache Maßnahmen wirken Bis zu 50 Prozent aller Stürze älterer Menschen passieren zu Hause. Die häufigsten Stolperfallen: lose Teppiche, schlechte Beleuchtung, fehlende Haltegriffe in Bad und Dusche sowie rutschige Böden. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen kann eine Wohnraumbegehung veranlassen. Pflegebedürftige können über Pflegegeld oder Pflegesachleistungen Zuschüsse für Umbaumaßnahmen beantragen. Auch Anti-Rutsch-Matten, Nachtlichter und die Entfernung von Kabeln auf Gehwegen sind kostengünstige und wirksame Maßnahmen. ## Medikamente als Sturzrisiko Ein häufig übersehener Faktor: Mehr als 20 verschiedene Medikamentengruppen erhöhen das Sturzrisiko. Besonders betroffen sind Schlafmittel, Antidepressiva, Blutdrucksenker (besonders bei Stehbeschwerden/Orthostase) und Entwässerungs-mittel. Die DGG empfiehlt eine jährliche Medikamentenüberprüfung ab 65 Jahren – der sogenannte Medication Review. Hausärzte können gezielt das PRISCUS-Verzeichnis als Hilfe nutzen: Es listet Medikamente auf, die für ältere Menschen besonders problematisch sind. Wer viele Medikamente einnimmt, sollte aktiv nach einem solchen Review fragen. Finde Geriatrie-Angebote auf bestes.com/services. **Quellen:** [1] Deutsche Gesellschaft für Geriatrie – Sturzprophylaxe-Leitlinie 2026 [2] Campbell AJ et al. – Otago Exercise Programme, BMJ 1997 ## Fazit: Stürze sind vermeidbar Stürze im Alter sind kein unvermeidliches Schicksal. Mit einem kombinierten Ansatz aus Bewegungstraining, Wohnraumanpassung und Medikamentenoptimierung lässt sich das Sturzrisiko deutlich reduzieren. Entscheidend ist, nicht zu warten, bis ein Sturz passiert: Präventive Maßnahmen wirken am besten, wenn sie frühzeitig begonnen werden – idealerweise bereits mit 60 Jahren. Physiotherapeuten können individuelle Trainingspläne erstellen. Krankenkassen erstatten Präventionskurse nach § 20 SGB V. Wer bereits gestürzt ist oder Angst vor Stürzen hat, sollte eine geriatrische Einschätzung anfordern. Das Ergebnis ist nicht nur mehr Sicherheit – sondern auch mehr Selbstständigkeit und Lebensqualität. Mobilität und Gleichgewicht lassen sich trainieren wie ein Muskel. Wer frühzeitig beginnt, erhält seine Unabhängigkeit länger. Empfehle deinen Eltern oder Großeltern, einmal einen Gleichgewichtstest beim Hausarzt anzusprechen – der Timed Up and Go Test dauert unter zwei Minuten und gibt sofort Aufschluss. Prävention wirkt, wenn sie vor dem ersten Sturz beginnt. Auch Vitamin D spielt eine Rolle: Ein Mangel erhöht das Sturzrisiko über verminderte Muskelkraft nachweislich. Der Hausarzt kann den Vitamin-D-Spiegel im Blutbild bestimmen und bei Bedarf eine Supplementierung empfehlen. Finde Geriatrie- und Physiotherapie-Angebote auf bestes.com/services.

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