Von Redaktion

STIKO empfiehlt Clesrovimab für die erste RSV-Saison

Die STIKO empfiehlt Clesrovimab zusätzlich zu Nirsevimab für Neugeborene und Säuglinge. Die wichtigsten Punkte im Überblick.

Die STIKO empfiehlt Clesrovimab für alle Neugeborenen und Säuglinge in ihrer ersten RSV-Saison. Damit steht neben Nirsevimab ein weiterer langwirksamer monoklonaler Antikörper zur Verfügung. Die Empfehlung gilt unabhängig von Risikofaktoren für schwere RSV-Erkrankungen. Das Robert Koch-Institut veröffentlichte den Beschluss am 10. September 2026 im Epidemiologischen Bulletin 37/2026.

Für Eltern ändert sich vor allem die Auswahl im Versorgungsalltag. Clesrovimab und Nirsevimab sind keine klassischen Impfstoffe. Bei einer passiven Immunisierung erhält das Kind fertige Antikörper. Welche Option im Einzelfall vorgesehen ist, besprechen Eltern mit der betreuenden Praxis oder der Geburtsklinik.

Die Empfehlung gilt für die erste RSV-Saison

Nach dem RKI richtet sich die Empfehlung an alle Neugeborenen und Säuglinge in ihrer ersten RSV-Saison. Sie gilt unabhängig vom Gestationsalter und von bekannten Risikofaktoren. Die STIKO erweitert damit nicht die Zielgruppe. Sie ergänzt die bisherige Prophylaxe mit Nirsevimab um Clesrovimab.

RSV steht für Respiratorisches Synzytial-Virus. Es kann Erkrankungen der unteren Atemwege auslösen. Besonders im ersten Lebensjahr kann eine RSV-Infektion schwer verlaufen. Das RKI verweist darauf, dass ein großer Teil schwerer RSV-Infektionen zuvor gesunde Säuglinge betrifft.

Die STIKO beschreibt ihre Empfehlung als spezifische Prophylaxe. Ihr Ziel ist es, schwere RSV-Erkrankungen in der ersten Saison zu vermeiden. Dazu zählen RSV-bedingte Krankenhausaufenthalte und intensivmedizinische Behandlungen.

Der Zeitpunkt richtet sich nach dem Geburtsmonat

In Deutschland dauert die RSV-Saison nach Angaben des RKI in der Regel von Oktober bis März. Ihr Beginn und ihr Ende können jedoch variieren. Familien mit einem Kind, das außerhalb dieser Zeit geboren wurde, sollen die Prophylaxe möglichst im Herbst vor der ersten Saison erhalten. Für im Herbst oder Winter geborene Kinder empfiehlt die STIKO eine zeitnahe Gabe nach der Geburt.

Ideal ist nach dem RKI die Gabe vor der Entlassung aus der Geburtseinrichtung. Alternativ nennt die STIKO die U2-Untersuchung am dritten bis zehnten Lebenstag. Bei einem längeren Klinikaufenthalt soll der Zeitpunkt vor der Entlassung liegen, wenn diese in die Saison fällt. Eine versäumte Prophylaxe soll innerhalb der ersten Saison schnell nachgeholt werden.

Eine Dosis Clesrovimab beträgt 105 Milligramm

Die Einmaldosis von Clesrovimab beträgt laut STIKO unabhängig vom Körpergewicht 105 Milligramm. Der Antikörper wird in den seitlichen Oberschenkelmuskel gegeben. Die EMA nennt ebenfalls eine einmalige intramuskuläre Gabe von 105 Milligramm. Die Anwendung erfolgt durch medizinisches Fachpersonal.

Die EMA führt Enflonsia mit dem Wirkstoff Clesrovimab als verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Es ist in der Europäischen Union zugelassen, um RSV-Erkrankungen der unteren Atemwege bei Neugeborenen und Säuglingen in ihrer ersten Saison vorzubeugen. Die Zulassung gilt seit dem 15. April 2026. Die STIKO-Empfehlung legt fest, wie die Prophylaxe in Deutschland eingeordnet wird.

Die Produktinformation enthält Hinweise für besondere Situationen. Dazu gehören sehr kleine Säuglinge und Kinder nach einer Herzoperation mit Herz-Lungen-Maschine.

Eine RSV-Impfung in der Schwangerschaft ist ein eigener Fall

Für gesunde Neugeborene, deren Mutter in der aktuellen Schwangerschaft gegen RSV geimpft wurde, ist laut STIKO in der Regel keine zusätzliche Prophylaxe nötig. Es gibt Ausnahmen. Dazu zählen bekannte Risikofaktoren des Kindes oder eine Impfung der Mutter weniger als zwei Wochen vor der Geburt. Dann empfiehlt die STIKO zusätzlich einen langwirksamen Antikörper.

Auch nach einer durchgemachten RSV-Infektion kann innerhalb derselben Saison eine erneute Infektion vorkommen. Für den zusätzlichen Nutzen einer Prophylaxe danach liegen der STIKO keine direkten klinischen Wirksamkeitsdaten vor. Sie empfiehlt deshalb eine individuelle Abwägung nach Alter, Zeitpunkt und Schwere der vorherigen Erkrankung. Entscheidend ist auch das verbleibende Risiko des Kindes.

Die Empfehlung zur Prophylaxe betrifft die erste RSV-Saison. Sie ist nicht mit einer allgemeinen RSV-Impfempfehlung in der Schwangerschaft gleichzusetzen. Nach dem RKI gibt es derzeit keine STIKO-Empfehlung für eine RSV-Impfung in der Schwangerschaft. Die Kommission will ihre Empfehlung regelmäßig überprüfen.

Was Familien jetzt klären können

Für Familien mit einem erwarteten oder gerade geborenen Kind liegt der relevante Zeitraum direkt vor der RSV-Saison. Wer außerhalb der Saison entbindet, kann den Herbsttermin bei der nächsten Vorsorge ansprechen. Wer während der Saison entbindet, kann den vorgesehenen Ablauf bereits in der Geburtsklinik erfragen. Damit lassen sich offene organisatorische Fragen früh klären.

Die Wahl zwischen Clesrovimab und Nirsevimab treffen Eltern nicht allein. Die STIKO empfiehlt beide Antikörper für dieselbe Zielgruppe in der ersten Saison. Verfügbarkeit und die Organisation in Klinik oder Praxis können den Ablauf beeinflussen.

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