Studie
Von Redaktion

Schlaganfall verhindern 2026: Was die Forschung über Risikofaktoren wirklich weiß

270.000 Schlaganfälle/Jahr in Deutschland. 90% durch bekannte Faktoren erklärbar. Was Bluthochdruck, Vorhofflimmern und Ernährung wirklich bewirken.

Jedes Jahr erleiden in Deutschland rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Er ist die zweithäufigste Todesursache und der führende Grund für bleibende Behinderungen im Erwachsenenalter. Die gute Nachricht: Bis zu 90% der Schlaganfälle sind durch bekannte Risikofaktoren erklärbar – und viele davon sind beeinflussbar [1]. Neue Forschungsergebnisse aus 2025 präzisieren, welche Maßnahmen wirklich schützen. ## Die INTERSTROKE-Studie: 10 Risikofaktoren, 90% der Schlaganfälle Die INTERSTROKE-Studie – eine der größten Schlaganfallstudien weltweit mit über 26.000 Teilnehmern aus 32 Ländern – identifizierte zehn Risikofaktoren, die zusammen mehr als 90% aller Schlaganfälle erklären [1]: 1. Bluthochdruck (wichtigster Einzelfaktor, verantwortlich für ~47% der Schlaganfälle) 2. Rauchen 3. Abdominale Adipositas (Bauchumfang) 4. Ungesunde Ernährung 5. Körperliche Inaktivität 6. Diabetes 7. Alkohol 8. Psychosoziale Faktoren (Depression, Stress) 9. Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern) 10. Erhöhte Blutfette (Apo-B/Apo-A-Ratio) Das Entscheidende: Bluthochdruck ist mit Abstand der stärkste Faktor. Wer ihn konsequent behandelt, halbiert sein Schlaganfallrisiko. ## Vorhofflimmern: Der unterschätzte Risikofaktor Vorhofflimmern (VHF) ist für rund 20–25% aller ischämischen Schlaganfälle verantwortlich und wird häufig übersehen, weil es oft symptomlos verläuft. Ein Schlaganfall durch VHF-bedingte Embolien ist im Schnitt schwerer und mit höherer Sterblichkeit verbunden als andere Schlaganfälle. Neue Daten aus 2025: Wearables (Apple Watch, Fitbit) können Vorhofflimmern mit einer Sensitivität von über 83% erkennen. Erste Langzeitstudien zeigen, dass durch Wearable-basiertes Screening mehr Menschen mit VHF identifiziert und antikoaguliert werden können – mit messbar weniger Schlaganfällen in der Folge [2]. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) empfiehlt ab 2025 das aktive Screening auf VHF bei Hochrisikopatienten (ab 65 Jahren). ## Was Prävention konkret bedeutet **Bluthochdruck:** Regelmäßig messen. Zielwert unter 130/80 mmHg für Hochrisikopatienten. Selbstmessung zu Hause liefert oft genauere Werte als die Arztpraxis ("Weißkittelhypertonie"). **Rauchen:** Jedes aufgehörte Zigarette senkt das Schlaganfallrisiko. Nach 5 Jahren Nichtrauchen sinkt das Risiko auf das Niveau eines Nierauchenden. **Ernährung:** Mediterrane Ernährung (PREDIMED-Studie) reduziert das Schlaganfallrisiko um bis zu 30%. Olivenöl, Gemüse, Hülsenfrüchte, Fisch statt verarbeiteter Lebensmittel. **Bewegung:** 150 Minuten moderate Ausdauerbelastung pro Woche senken das Schlaganfallrisiko um bis zu 27%. Sitzen als eigenständiger Risikofaktor – auch Sportler, die viel sitzen, sind gefährdet. **FAST-Formel im Notfall:** Face (Gesicht hängt?), Arms (ein Arm fällt?), Speech (Sprache verwaschen?), Time (sofort 112 rufen!). Bei Verdacht auf Schlaganfall jede Minute zählen – "Time is brain": Pro Minute Schlaganfall sterben etwa 1,9 Millionen Nervenzellen. ## Neue Forschung: Entzündung und Schlaganfall Aktuelle Studien aus 2025 rücken Entzündungsprozesse stärker in den Fokus. Erhöhtes hochsensitives CRP (hsCRP) ist ein unabhängiger Risikofaktor für Schlaganfall – unabhängig vom Cholesterin. Colchicin (ein altes Gicht-Medikament) reduzierte in der LoDoCo2-Studie kardiovaskuläre Ereignisse signifikant und wird für bestimmte Hochrisikogruppen zunehmend eingesetzt. Ein weiterer Forschungstrend: Schlaganfall-Risiko und Schlaf. Schlafapnoe verdoppelt das Schlaganfallrisiko, und kurze Schlafdauer (unter 6 Stunden) erhöht es um 20%. Screening auf Schlafapnoe bei Hochrisikopatienten wird 2025 stärker in Leitlinien verankert. Stressabbau und Behandlung von Depressionen gehören zur Schlaganfallprävention – auch das eine neue Erkenntnis aus den INTERSTROKE-Daten. ## Nach dem Schlaganfall: Rehabilitation und Sekundärprävention Wer einen Schlaganfall überlebt, braucht sofortige Rehabilitation. Je früher Physio-, Ergo- und Sprachtherapie beginnen, desto mehr Funktion kann das Gehirn durch Neuroplastizität zurückgewinnen. In Deutschland wird frühzeitige Mobilisierung (ab Tag 1 oder 2) in spezialisierten Schlaganfallstationen (Stroke Units) umgesetzt. Sekundärprävention – also das Verhindern eines zweiten Schlaganfalls – ist genauso wichtig wie die Akutbehandlung. Das Risiko für einen zweiten Schlaganfall ist in den ersten 90 Tagen nach einem ersten Ereignis am höchsten. Die wichtigsten Maßnahmen nach einem Schlaganfall: – Blutdruckmedikation konsequent einnehmen (Ziel oft <130/80 mmHg) – Blutgerinnungshemmer (Aspirin, Clopidogrel) oder Antikoagulanzien bei Vorhofflimmern (NOAK: Apixaban, Rivaroxaban) – Statin-Therapie bei erhöhtem Cholesterin und arterieller Ursache – Rauchstopp sofort – Regelmäßige Kontrollen: Blutdruck, HbA1c, Lipide Neue digitale Unterstützung: Apps für Blutdruckmessung, EKG-Monitoring und Medikamentenerinnerungen helfen, die Therapietreue zu verbessern – ein entscheidender Faktor für die langfristige Prognose. Auch die psychische Nachsorge gehört zur Schlaganfall-Rehabilitation. Etwa ein Drittel aller Schlaganfall-Patienten entwickelt eine Depression – ein Faktor, der die Rehabilitationsergebnisse erheblich verschlechtert. Frühzeitige psychologische Begleitung und wenn nötig medikamentöse Behandlung sind integraler Teil der Nachsorge. Selbsthilfegruppen und Angehörigenberatung ergänzen die professionelle Therapie und stärken das soziale Netz, das für die Langzeitprognose entscheidend ist. ## Häufige Fragen **Was ist der Unterschied zwischen Schlaganfall und TIA?** Eine transitorische ischämische Attacke (TIA) hat die gleichen Symptome wie ein Schlaganfall, aber bildet sich innerhalb von 24 Stunden zurück. Eine TIA ist ein Warnsignal – das Schlaganfallrisiko in den Folgetagen ist hoch. Sofort zum Arzt! **Ab welchem Alter sollte ich auf Schlaganfall-Risiken achten?** Ab 40 Jahren Blutdruck und Blutzucker regelmäßig messen lassen. Vorhofflimmern-Screening ab 65. **Kann man nach einem Schlaganfall wieder gesund werden?** Viele Menschen erholen sich erheblich durch Rehabilitation. Je früher die Behandlung, desto besser die Prognose. Finde Kardiologie und Neurologie auf [bestes.com/services/schlaganfall](https://bestes.com/services/schlaganfall) und [bestes.com/services/bluthochdruck](https://bestes.com/services/bluthochdruck). --- **Quellen:** [1] O'Donnell MJ et al. "Global and regional effects of potentially modifiable risk factors associated with acute stroke in 32 countries (INTERSTROKE)." Lancet. 2016. doi:10.1016/S0140-6736(16)30506-2 [2] Gladstone DJ et al. "Wearable-device-based cardiac monitoring for atrial fibrillation screening." NEJM. 2021. doi:10.1056/NEJMoa2103547 [3] Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG). Pressemitteilung Schlaganfall-Epidemiologie Deutschland 2025. https://www.dsg-info.de/presse.html

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