Von Redaktion

Jeder dritte Deutsche schläft schlecht: Was neue RKI-Daten zeigen

Neue Daten aus dem RKI-Panel zeigen: 35 % der Erwachsenen in Deutschland haben Schlafprobleme – mehr als 2008. Frauen und ältere Menschen sind besonders betroffen. Was die Zahlen bedeuten und was nachweislich hilft.

Schlechter Schlaf ist in Deutschland kein Einzelphänomen mehr – er ist zur Norm geworden. Das zeigen neue Daten aus dem RKI-Panel „Gesundheit in Deutschland", die am 3. Juni 2026 im Journal of Health Monitoring veröffentlicht wurden. Rund 35 Prozent der Erwachsenen berichten von Schlafproblemen – ein deutlicher Anstieg gegenüber den rund 30 Prozent, die in der Periode 2008 bis 2011 erfasst wurden. Für das Robert Koch-Institut (RKI) ist das ein klares Signal: Schlaf ist eine vernachlässigte Dimension der öffentlichen Gesundheit.

Was genau gemessen wurde

Das RKI-Panel „Gesundheit in Deutschland" ist eine der größten und am längsten laufenden Bevölkerungsbefragungen in Deutschland. Für die aktuellen Schlafauswertungen wurden Daten von rund 40.000 Erwachsenen im Alter von 16 Jahren und älter aus dem gesamten Bundesgebiet ausgewertet. Die Befragten wurden nach Einschlafproblemen, Durchschlafproblemen und deren zeitlicher Häufigkeit gefragt.

Die Ergebnisse: Fast jeder dritte Erwachsene berichtet von Problemen beim Durchschlafen, etwa jeder Sechste von Schwierigkeiten beim Einschlafen. Rund jeder achte Erwachsene ist von beidem gleichzeitig betroffen – ein Zustand, der in der Schlafmedizin als kombinierte Insomnie gilt und besonders belastend ist.

Wer am häufigsten betroffen ist

Die Auswertung zeigt klare Muster. Frauen berichten häufiger von Schlafstörungen als Männer – ein Befund, der sich durch zahlreiche internationale Studien zieht und mit hormonellen Schwankungen, psychosozialer Belastung und unterschiedlichem Stresserleben erklärt wird. Auch das Alter spielt eine Rolle: Je älter die Befragten, desto häufiger Schlafprobleme. Das ist teilweise biologisch bedingt, da der Schlaf im Alter leichter und fragmentierter wird – es erklärt aber nicht alles, da auch soziale Faktoren wie Einsamkeit und gesundheitliche Belastungen zunehmen.

Ein weiterer Faktor, der laut RKI-Daten besonders ins Gewicht fällt: Bildung und sozioökonomischer Status. Menschen mit niedrigerem Bildungsabschluss und geringerem Einkommen schlafen schlechter – ein Befund, der Schlafprobleme als soziale Frage sichtbar macht, nicht nur als individuelles Gesundheitsthema.

Warum der Trend beunruhigt

Der Anstieg von 30 auf 35 Prozent über rund 15 Jahre klingt moderat – ist es aber nicht. In absoluten Zahlen bedeutet das Millionen zusätzlicher Betroffener. Und: Schlafprobleme bleiben selten isoliert. Chronische Schlafstörungen gelten als eigenständiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2, Depressionen und Angststörungen. Das RKI betont, dass der Zusammenhang bidirektional ist: Schlechter Schlaf begünstigt Erkrankungen, und Erkrankungen verschlechtern wiederum den Schlaf.

Hinzu kommen gesellschaftliche Veränderungen, die in den Paneldaten nicht direkt erfasst werden: Smartphones und Bildschirmnutzung bis kurz vor dem Schlafen, Homeoffice ohne klare Grenzen zwischen Arbeit und Ruhe, Schichtarbeit und irreguläre Arbeitszeiten – all das dürfte zur Verschlechterung beitragen.

Was die Forschung als wirksam einschätzt

Schlafmittel sind in Deutschland weiterhin weit verbreitet, aber ihr langfristiger Einsatz ist umstritten. Die aktuell wirksamste nicht-medikamentöse Therapie bei chronischer Insomnie ist die Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I). Studien zeigen, dass KVT-I langfristig wirksamer ist als Schlafmittel – auch weil sie die zugrunde liegenden Denk- und Verhaltensmuster verändert, nicht nur Symptome dämpft. Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) wie somnio oder Schlafdorfer bieten KVT-I mittlerweile als App an und sind erstattungsfähig.

Für die Allgemeinbevölkerung empfehlen Schlafmedizinerinnen und -mediziner zunächst sogenannte Schlafhygiene-Maßnahmen: konsequente Schlaf- und Aufstehzeiten, auf Koffein am Nachmittag verzichten, das Schlafzimmer kühl und dunkel halten, Bildschirme 30 bis 60 Minuten vor dem Schlafen weglegen. Diese Maßnahmen reichen bei leichten Formen oft aus.

Häufige Fragen

Ab wann spricht man von einer Schlafstörung?

Medizinisch liegt eine behandlungsbedürftige Insomnie vor, wenn Schlafprobleme mindestens dreimal pro Woche auftreten, länger als vier Wochen anhalten und tagsüber zu messbaren Einschränkungen führen – etwa Konzentrationsschwäche, Reizbarkeit oder Erschöpfung. Wer selten schlecht schläft, braucht nicht zwingend Behandlung.

Helfen Schlaf-Apps wirklich?

Die Datenlage variiert stark. Apps, die strukturierte KVT-I-Programme anbieten und als DiGA zugelassen sind, haben klinische Evidenz. Allgemeine Entspannungs- oder Tracking-Apps hingegen können hilfreich sein, ersetzen aber keine Therapie bei echter Insomnie. Im Zweifel: ärztliche Beratung suchen.

Warum schlafen Frauen schlechter als Männer?

Die Ursachen sind mehrschichtig. Hormonelle Schwankungen (Menstruationszyklus, Wechseljahre) beeinflussen die Schlafarchitektur. Frauen übernehmen häufiger nächtliche Fürsorgeaufgaben für Kinder oder Pflegebedürftige. Und psychische Belastungen wie Angststörungen und Depressionen, die eng mit Schlafstörungen verbunden sind, treten bei Frauen häufiger auf.

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