Studie
Von Redaktion

Schlaf-Apps können Schlaf verschlechtern – Studie warnt vor Orthosomnie

Schlaf-Tracking-Apps lösen bei 18 % der Nutzer Schlafangst aus. Studie warnt vor Orthosomnie: Die Jagd nach dem perfekten Schlaf kann ihn verschlechtern.

Schlaf-Tracking-Apps boomen: Millionen Menschen messen nächtens Schlafphasen, Herzrate und Bewegungen – um ihren Schlaf zu verstehen und zu verbessern. Doch eine neue Studie zeigt eine unerwünschte Nebenwirkung: Bei einem relevanten Teil der Nutzer führt das Tracken zu mehr Schlafangst, nicht weniger [1]. Wissenschaftler nennen das Phänomen Orthosomnie – eine Fixierung auf den "perfekten Schlaf", die ironischerweise das Schlafen erschwert. ## Was die Studie herausfand Forscher der Universität Bergen (Norwegen) befragten 1.002 Erwachsene zu ihrem Schlafverhalten und ihren Erfahrungen mit Schlaf-Apps und Wearables wie Smartwatches, Fitnesstrackern und Schlafsensoren [1]. Die Ergebnisse, veröffentlicht in der Fachzeitschrift "Frontiers in Psychology", zeigen ein gemischtes Bild: 18 Prozent der App-Nutzer gaben an, durch das Tracking unruhiger geworden zu sein. 14 Prozent hatten das Gefühl, dass mit ihrem Schlaf etwas nicht stimmt – obwohl objektiv möglicherweise nichts Besonderes vorlag. 2,3 Prozent sagten, ihr Schlaf habe sich subjektiv tatsächlich verschlechtert [1]. Besonders betroffen: jüngere Erwachsene zwischen 18 und 35 Jahren, von denen 23 Prozent durch die Apps gestresster wurden – im Vergleich zu nur 2,4 Prozent der über 66-Jährigen. Das deutet darauf hin, dass jüngere Menschen sensitiver auf Tracking-Feedback reagieren und stärker dazu neigen, Schlafwerte zu optimieren. ## Was Orthosomnie bedeutet und wie sie entsteht Der Begriff Orthosomnie setzt sich zusammen aus dem griechischen "orthos" (richtig) und "somnus" (Schlaf). Er beschreibt eine krankhafte Fixierung auf den "richtigen" oder "perfekten" Schlaf – ausgelöst oder verstärkt durch das ständige Auswerten von Schlaf-Tracking-Daten. Betroffene grübeln abends über ihren letzten Schlaf-Score, wachen nachts auf um die Uhr zu prüfen, oder gehen frustriert schlafen wenn der Score "zu schlecht" war [2]. Das Problem: Die Messdaten von Consumer-Apps und Wearables sind ungenau. Sie schätzen Schlafphasen algorithmisch auf Basis von Bewegung und Herzrate – ohne Hirnstrommessung (EEG) ist eine exakte Schlafstadien-Einteilung schlicht nicht möglich. Consumer-Wearables haben eine Ungenauigkeit von 20 bis 40 Prozent bei der Schlafstadienerkennung im Vergleich zur klinischen Polysomnographie. Wer einem ungenauen Score zu viel Bedeutung beimisst, produziert Stress – und Stress ist ein Hauptfeind des gesunden Schlafs. Ein Circulus vitiosus entsteht. ## Die andere Seite: Wenn Tracking hilft Die Studie zeigte auch positive Effekte: 48 Prozent der Nutzer gaben an, etwas Neues über ihren Schlaf gelernt zu haben. 15 Prozent sagten, ihr Schlaf habe sich verbessert [1]. Tracking kann hilfreich sein, wenn es dabei bleibt, übergeordnete Muster zu erkennen: Schläft man nach Alkohol schlechter? Verbessert Sport den Schlaf? Hat die Zimmertemperatur Einfluss? Problematisch wird es, wenn jede Abweichung vom "Ideal-Score" als Katastrophe bewertet wird. Gesunder Schlaf ist nicht gleichförmig: Jede Nacht ist anders, und das ist normal. ## Für wen Schlaf-Apps sinnvoll sind – und für wen nicht Für Menschen mit leichten Schlafproblemen oder zur gelegentlichen Selbstbeobachtung können Apps einen ersten Überblick liefern. Sie ersetzen jedoch keine ärztliche Diagnose bei ernsthafter Schlafstörung. Schlafapnoe zum Beispiel – eine häufige, ernste Erkrankung – kann eine Consumer-App nicht zuverlässig erkennen. Bei Menschen, die bereits an Schlafstörungen oder Angststörungen leiden, raten Schlafmediziner oft von intensivem Tracking ab. Die ständige Selbstbeobachtung kann die Aufmerksamkeit auf den Schlaf erhöhen und ihn damit paradoxerweise erschweren – bekannt als "Hyper-Arousal". ## Häufige Fragen **Sollte ich mein Schlaf-Tracking pausieren wenn ich gestresst werde?** Wenn das Tracken zu Schlafangst führt oder du nachts an die Uhr denkst, ist eine Tracking-Pause von zwei bis vier Wochen sinnvoll. Viele Betroffene berichten, dass sich ihr Schlaf nach dem Abschalten der App entspannt. Beobachte, ob sich dein Schlaf ohne die Kontrolle verbessert. **Was sind typische Zeichen von Orthosomnie?** Du bist frustriert bei einem "schlechten Score", obwohl du dich ausgeruht fühlst. Du versuchst krampfhaft früh ins Bett zu gehen um den Score zu optimieren. Du grübelst abends über deinen letzten Schlaf. Finde Schlafmediziner und Somnologen auf bestes.com/services. --- **Quellen:** [1] Sivertsen B et al. "Sleep-tracking apps and sleep anxiety: a population-based study." Frontiers in Psychology. 2026. https://www.t-online.de/gesundheit/aktuelles/id_101179386/schlaf-tracking-wie-apps-den-schlaf-laut-studie-verschlechtern.html [2] Apfeltalk. "Schlaf-Tracking per App: Hilfe oder zusätzliche Belastung?" 2026. https://www.apfeltalk.de/magazin/news/schlaf-tracking-per-app-hilfe-oder-zusaetzliche-belastung/ ## Wann Schlaf-Tracking sinnvoll ist Schlaf-Tracking ist nicht per se schlecht. Es kann helfen, grobe Muster zu erkennen: Schläft man in Wochenphasen mit hohem Stress schlechter? Verändert eine neue Schlafzeit die Erholung? Diese Trendbeobachtung über Wochen kann motivierend wirken und Zusammenhänge sichtbar machen, die man sonst nicht bemerkt [1]. Problematisch wird Tracking, wenn der Score zum täglichen Urteil über sich selbst wird. Schlafen ist ein autonomer Prozess – wie Verdauung oder Herzschlag. Zu viel Kontrolle und Aufmerksamkeit aktivieren das Nervensystem genau dann, wenn es herunterfahren sollte. Das Paradoxon: Je mehr man versucht, gut zu schlafen, desto schwerer wird es, einzuschlafen [2]. Die Empfehlung der Studie: Tracking als Werkzeug nutzen, nicht als Richter. Wer merkt, dass der Score morgens die Stimmung bestimmt, sollte eine Tracking-Pause einlegen. Zwei bis vier Wochen ohne App zeigen oft, ob die Angst vor schlechtem Schlaf selbst Teil des Problems ist. Schlafmediziner, Psychologen mit Schlaf-Expertise und allgemeine Gesundheitsberatung finden sich auf [bestes.com/services](https://bestes.com/services). Wer eine Schlaf-App nutzt, sollte außerdem auf die Genauigkeit der verwendeten Daten achten. Smartwatches und Fitness-Tracker schätzen Schlafphasen aus Bewegungs- und Herzfrequenzdaten – eine deutlich ungenauere Methode als das klinische Polysomnogramm. Die Apps zeigen Trends, keine Diagnosen. Sie sollten keine medizinische Beratung ersetzen.

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