Pharma
Von Redaktion

Schilddrüsenunterfunktion: 5 Millionen Betroffene – oft jahrelang unerkannt

Hypothyreose betrifft 5 Mio. Deutsche – viele unerkannt. Symptome, Hashimoto als häufigste Ursache und wie Levothyroxin hilft.

Die Schilddrüse ist klein, aber entscheidend. Wenn sie zu wenig des Hormons Thyroxin produziert, sprechen Mediziner von einer Hypothyreose – zu Deutsch: Schilddrüsenunterfunktion. Schätzungsweise 5 Millionen Menschen in Deutschland sind betroffen, viele davon ohne Diagnose. Denn die Beschwerden sind unspezifisch und werden leicht auf Stress oder Alter geschoben.

Welche Symptome sollten aufhorchen lassen?

Eine Unterfunktion verlangsamt viele Körperprozesse. Typische Zeichen sind: anhaltende Erschöpfung und Müdigkeit trotz ausreichend Schlaf, Gewichtszunahme ohne veränderte Ernährung, Frieren auch in warmen Räumen, trockene Haut und spröde Haare, Konzentrationsprobleme, Verstopfung und ein verlangsamter Herzschlag.

Das Tückische: Keines dieser Symptome ist spezifisch für die Schilddrüse. Viele Betroffene laufen jahrelang mit diffusen Beschwerden durch Arztpraxen, bevor ein einfacher Bluttest Klarheit schafft. Gemessen wird der TSH-Wert (thyreoideastimulierendes Hormon) – ein erhöhter Wert signalisiert der Hypophyse, die Schilddrüse stärker anzukurbeln, weil sie zu wenig Hormone produziert.

Ursachen: Von Hashimoto bis Jodmangel

Die häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion in Deutschland ist die Hashimoto-Thyreoiditis – eine Autoimmunerkrankung, bei der das eigene Immunsystem das Schilddrüsengewebe angreift und langsam zerstört. Frauen sind etwa fünfmal häufiger betroffen als Männer. Hashimoto wird durch Antikörper-Tests im Blut nachgewiesen.

Andere Ursachen: eine zu hohe Jodzufuhr (selten), Medikamente wie Amiodaron oder Lithium, eine Schilddrüsenoperation oder Radiojodtherapie sowie ein angeborener Mangel.

Behandlung: einfach und effektiv

Die gute Nachricht: Eine Hypothyreose lässt sich sehr gut behandeln. Das fehlende Hormon wird durch Levothyroxin ersetzt – ein synthetisches Schilddrüsenhormon als tägliche Tablette. Die Tablette wird morgens nüchtern, 30 Minuten vor dem Frühstück eingenommen. Kaffee, Milch und viele Medikamente hemmen die Aufnahme.

Die Dosierung wird individuell eingestellt und durch regelmäßige TSH-Kontrollen angepasst. Die meisten Patienten nehmen Levothyroxin ein Leben lang – ohne größere Einschränkungen.

Neuere Forschungen untersuchen, ob eine Kombination aus T4 (Levothyroxin) und T3 (Liothyronin) manchen Patienten besser hilft als T4 allein. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie prüft aktuell die Datenlage für eine aktualisierte Leitlinie.

Wer sollte seinen TSH testen lassen?

Besonders empfohlen ist ein TSH-Screening bei: Frauen ab 40, Personen mit familiärer Vorbelastung, schwangeren Frauen (Hypothyreose kann die Entwicklung des Kindes beeinträchtigen) sowie bei unklarer Gewichtszunahme, Erschöpfung oder depressiver Verstimmung.

Häufige Fragen

Kann ich trotz Hypothyreose abnehmen?
Ja. Ist der TSH-Wert unter Behandlung normalisiert, gilt für Gewichtsreduktion dasselbe wie für alle: gesunde Ernährung und Bewegung. Eine Unterfunktion macht Abnehmen schwerer, nicht unmöglich – aber die Behandlung normalisiert den Stoffwechsel wieder.

Muss ich bei Hashimoto Gluten meiden?
Das ist wissenschaftlich nicht belegt – außer bei gleichzeitiger Zöliakie, die überproportional häufig mit Hashimoto vorkommt. Ein Zöliakie-Test kann sinnvoll sein, eine generelle glutenfreie Diät bei Hashimoto ohne Zöliakie bringt nach aktuellem Forschungsstand keinen Vorteil.

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