Von Redaktion

Rückenschmerz führt bei Einschränkungen die Krankheitslast an

Das RKI zeigt: Rückenschmerz verursacht in Deutschland die meisten verlorenen gesunden Lebensjahre durch gesundheitliche Einschränkungen.

Schmerzen im unteren Rücken stehen in Deutschland bei den durch Einschränkungen verlorenen gesunden Lebensjahren an erster Stelle. Das zeigt die neue nationale Krankheitslaststudie des Robert Koch-Instituts. Hinter Rückenschmerz folgen Kopfschmerzerkrankungen, Angststörungen, Diabetes und depressive Störungen. Die Daten erlauben erstmals Trendvergleiche für die Jahre 2017 bis 2022.

Die Rangfolge beschreibt nicht, welche Krankheit für einzelne Menschen am gefährlichsten ist. Sie zeigt, wie viel gesundes Leben Krankheiten in der Bevölkerung kosten. Dabei unterscheidet das RKI zwischen Verlusten durch Einschränkungen und Verlusten durch frühe Todesfälle. Beides zusammen ergibt die gesamte Krankheitslast.

Rückenschmerz steht bei Einschränkungen an erster Stelle

Für das Leben mit gesundheitlichen Einschränkungen verwendet die Studie den Indikator YLD. Er steht für Years Lived with Disability, auf Deutsch verlorene gesunde Lebensjahre durch Beeinträchtigung. Schmerzen im unteren Rücken liegen in dieser Auswertung vorn. Kopfschmerzen, Angststörungen, Diabetes und depressive Störungen folgen danach.

Der Befund bedeutet nicht, dass Rückenschmerz mehr Todesfälle verursacht als andere Erkrankungen. Er beschreibt den Anteil verlorener gesunder Lebensjahre durch Einschränkungen. Das RKI berücksichtigt dafür die Schwere einer Erkrankung und die Zeit, die Menschen damit leben. Solche Berechnungen vergleichen Folgen verschiedener Erkrankungen auf Bevölkerungsebene.

Die Daten helfen, zwei Messgrößen auseinanderzuhalten. YLD beschreibt den Anteil der Krankheitslast durch gesundheitliche Einschränkungen. YLL erfasst verlorene Lebensjahre durch Todesfälle. Erkrankungen können sich in ihrem Verhältnis von YLD und YLL unterscheiden. Deshalb können sich die Rangfolgen je nach Indikator unterscheiden.

Bei verlorenen Lebensjahren dominiert die koronare Herzkrankheit

Für die durch Todesfälle verlorenen Lebensjahre nutzt das RKI den Indikator YLL. Hier steht die koronare Herzkrankheit an erster Stelle. Es folgen Lungenkrebs, Schlaganfall, COPD sowie Alzheimer- und Demenzerkrankungen. Diese Reihenfolge berücksichtigt die Häufigkeit der Todesfälle und das Alter, in dem sie auftreten.

Die Kombination beider Perspektiven heißt DALY, ausgeschrieben Disability-Adjusted Life Years. DALY fasst verlorene Lebensjahre durch Einschränkungen und durch Tod zusammen. Damit lassen sich Krankheitslasten über unterschiedliche Ursachen hinweg vergleichen. Das RKI nutzt diese Kennzahl, um die Auswirkungen von Krankheiten und Todesursachen in der Bevölkerung abzubilden.

Die Studie liefert dabei unterschiedliche Ergebnisse für Frauen und Männer. Bei Frauen gehören Schmerzen im unteren Rücken, koronare Herzkrankheit und Kopfschmerzen zu den Erkrankungen mit hoher Krankheitslast. Bei Männern liegt die koronare Herzkrankheit vor Rückenschmerzen und Lungenkrebs. Diese Ergebnisse beziehen sich auf die gesamte Krankheitslast und nicht allein auf YLD oder YLL.

Alter, Region und Ursachen verändern die Einordnung

Auch das Alter verändert das Bild. In jüngeren Altersgruppen haben Schmerzerkrankungen laut RKI eine hohe Krankheitslast. Im hohen Alter stehen koronare Herzkrankheit sowie Alzheimer- und Demenzerkrankungen bei den DALY vorn. Die Veröffentlichung beschreibt damit keine einheitliche Rangfolge für jede Lebensphase.

Die Ergebnisse können nach Alter, Geschlecht und Region betrachtet werden. Das RKI stellt Daten für Bundesländer und teilweise für Raumordnungsregionen bereit. Solche Aufschlüsselungen können Unterschiede sichtbar machen. Sie liefern jedoch für sich genommen keine Erklärung, warum sich Krankheitslasten zwischen Regionen unterscheiden.

Für YLL berücksichtigt das RKI alle Todesursachen anhand der amtlichen Todesursachenstatistik. YLD und DALY werden dagegen für eine Auswahl wichtiger Erkrankungen und Verletzungen berechnet. Die Rangfolgen bei Einschränkungen und der gesamten Krankheitslast beziehen sich daher auf diese Auswahl. Das gehört zur Einordnung der veröffentlichten Daten.

Die Trends von 2017 bis 2022 laufen nicht in dieselbe Richtung

Die neuen Ergebnisse liefern erstmals für Deutschland vergleichbare Trends über mehrere Jahre. Zwischen 2017 und 2022 sank die Krankheitslast durch koronare Herzkrankheit. Dagegen nahm sie bei Angststörungen und Stürzen zu. Das RKI betont damit, dass sich Entwicklungen nicht für alle Erkrankungen gleich beschreiben lassen.

Für die Auswertung passt das Institut die internationale Global-Burden-of-Disease-Methodik an deutsche Daten und Anforderungen an. Die nationale Studie baut auf den methodischen Arbeiten des Projekts BURDEN 2020 auf. Ihr Ziel ist ein vergleichbares Bild der gesundheitlichen Auswirkungen von Krankheiten, Verletzungen und Todesursachen. Sie ist eine Auswertung von Daten auf Bevölkerungsebene.

Die Zeitreihen können Entwicklungen sichtbar machen, sie weisen aber keinen Grund für eine Veränderung nach. Aus einem Anstieg oder Rückgang lässt sich daher keine einzelne Ursache ableiten. Auch Aussagen über die Wirkung konkreter Maßnahmen lassen sich aus dieser Analyse nicht ableiten. Dafür wären andere Studienansätze erforderlich.

Was die Krankheitslastdaten einordnen können

Die Veröffentlichung ordnet Erkrankungen für die Bevölkerung ein. Sie ist keine Diagnosehilfe für einzelne Personen und enthält keine Aussage darüber, wie Beschwerden individuell verlaufen. Die Rangfolge lässt sich deshalb nicht auf die persönliche Gesundheitssituation übertragen. Ihr Nutzen liegt im Vergleich von Belastungen in der Bevölkerung.

Für Prävention und Versorgung liefern die Zahlen eine Grundlage, wie das RKI hervorhebt. Sie machen sichtbar, dass Einschränkungen und frühe Todesfälle getrennt betrachtet werden müssen. Rückenschmerz steht bei den Einschränkungen ganz vorn. Bei den verlorenen Lebensjahren durch Todesfälle bleibt die koronare Herzkrankheit die größte Belastung.

Die neuen Ergebnisse liegen laut RKI für die Jahre 2017 bis 2022 vor. Wer Rangfolgen oder Trends vergleicht, sollte deshalb stets auf den jeweils ausgewählten Indikator und Zeitraum achten. Für einen direkten Vergleich ist deshalb wichtig, welche Kennzahl einem Ergebnis zugrunde liegt. Die Datenseite des Instituts macht die Abgrenzung der Indikatoren transparent.

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