Von Redaktion

RSV-Saison 2025/26: 67.716 gemeldete Fälle in Deutschland

Der RKI-Rückblick zur RSV-Saison 2025/26 ordnet 67.716 gemeldete Fälle ein und zeigt, welche Gruppen besonders betroffen waren.

67.716 laborbestätigte RSV-Fälle wurden in der Wintersaison 2025/26 an das Robert Koch-Institut gemeldet. Der jetzt veröffentlichte Saisonbericht ordnet die Zahl ein: Die Welle dauerte 14 Wochen. Säuglinge und Kleinkinder sowie Menschen ab 60 Jahren waren besonders häufig betroffen. Für den kommenden Herbst zeigt der Rückblick, worauf Familien und ältere Menschen achten können.

Eine moderate Saison mit klaren RSV-Schwerpunkten

Das RKI bewertet die gesamte Atemwegssaison 2025/26 als moderat. Über alle überwachten Bereiche lagen die Zahlen akuter Atemwegserkrankungen unter den beiden vorherigen Wintern. RSV zirkulierte dennoch in allen Altersgruppen. Die Krankheitslast lag bei Kindern unter fünf Jahren deutlich höher als bei anderen Altersgruppen.

Die RSV-Welle begann nach RKI-Definition in der zweiten Kalenderwoche 2026 und endete in der 15. Kalenderwoche. Ihren Höhepunkt erreichte die Aktivität im Februar und Anfang März. Das ist eine rückblickende Einordnung, keine Vorhersage für die kommende Saison. Sie macht aber sichtbar, dass RSV nicht nur ein Thema für die Kinderarztpraxis ist.

RSV-Saison und RSV-Welle bezeichnen nicht dasselbe. Die Saison reicht auf der Nordhalbkugel üblicherweise von Anfang Oktober bis Mitte Mai. Als Welle gilt dagegen die Zeit erhöhter Aktivität. Das RKI bestimmt ihren Beginn und ihr Ende anhand der Positivenrate in der virologischen Surveillance bei Kindern von null bis vier Jahren. Diese Unterscheidung hilft, Zahlen aus dem Saisonbericht richtig zu lesen.

Das RKI stützt den Bericht auf mehrere Systeme. Dazu gehören Meldedaten nach dem Infektionsschutzgesetz, Arztkonsultationen, Krankenhausdaten, Laborproben und Abwasseruntersuchungen. Die Systeme messen unterschiedliche Ausschnitte des Geschehens. Deshalb sind gemeldete Fälle und geschätzte Erkrankungen nicht dasselbe.

Für die meisten Auswertungen gilt der Datenstand vom 2. Juni 2026. Spätere Nachmeldungen können einzelne Meldedaten verändern. Die Einordnung des Saisonverlaufs ersetzt das nicht.

Was die Zahl von 67.716 Fällen aussagt

Die 67.716 Fälle sind laborbestätigte und nach dem Infektionsschutzgesetz übermittelte RSV-Infektionen. Die bundesweite Meldepflicht besteht seit Juli 2023. Nach Angaben des RKI entspricht die Zahl einer kumulativen Inzidenz von etwa 81 Infektionen je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner.

In derselben Saison wurden 20.234 RSV-Fälle mit Hospitalisierung übermittelt. Der Höchstwert der Meldungen lag in der neunten Meldewoche 2026. 38 Prozent der gemeldeten Fälle betrafen Säuglinge und Kleinkinder. Weitere 34 Prozent entfielen auf Menschen ab 60 Jahren. Diese Verteilung beschreibt Meldedaten, nicht alle Infektionen in Deutschland.

Für die Gesamtlast nutzt das RKI zusätzliche Schätzungen. Während der RSV-Welle wurden demnach rund 7,9 Millionen RSV-bedingte akute Atemwegserkrankungen geschätzt. Im Krankenhaus-Sentinel wurden für die gesamte Wintersaison rund 34.000 schwere akute Atemwegsinfektionen mit RSV-Diagnose geschätzt. Solche Schätzungen beruhen auf der Sentinel-Surveillance und lassen sich nicht mit den gemeldeten Fällen addieren.

Warum Säuglinge und ältere Erwachsene im Blick bleiben

Bei Säuglingen und Kleinkindern wurde RSV im ambulanten und stationären Bereich besonders häufig nachgewiesen. In der jüngsten Altersgruppe hatte etwa jeder dritte schwere akute Atemwegsfall im Krankenhaus eine RSV-Diagnose. Das RKI weist zugleich darauf hin, dass die Zahl der RSV-Diagnosen bei Säuglingen in den beiden jüngsten Saisons zurückging.

Bei älteren Erwachsenen zeigt sich ein anderes Muster. Menschen ab 60 Jahren stellten 34 Prozent der gemeldeten Fälle. Von 421 an das RKI übermittelten Todesfällen mit RSV-Infektion betrafen 95 Prozent diese Altersgruppe. Aus Meldedaten allein lässt sich jedoch nicht ableiten, welche Rolle RSV im einzelnen Todesfall spielte.

Auch Menschen mit Herz- oder Lungenerkrankungen sowie mit geschwächtem Immunsystem können ein höheres Risiko für schwere Verläufe haben. Das RKI nennt diese Gruppen in seinen aktuellen Informationen zu RSV ausdrücklich. Wer zu einer dieser Gruppen gehört, kann den persönlichen Schutz mit der behandelnden Praxis besprechen.

Welche Schutzangebote jetzt relevant sind

Für Neugeborene und Säuglinge empfiehlt die Ständige Impfkommission eine Prophylaxe mit langwirksamen monoklonalen Antikörpern für die erste RSV-Saison. Es handelt sich dabei nicht um eine Impfung. Der Saisonbericht beobachtet seit der Einführung dieser Empfehlung eine deutlich niedrigere RSV-Krankheitslast bei Säuglingen. Der Bericht ordnet den Zusammenhang ein, beweist aber keine Ursache.

Für Menschen ab 75 Jahren empfiehlt die STIKO eine einmalige RSV-Impfung als Standardimpfung. Menschen zwischen 60 und 74 Jahren kommt sie bei einer schweren Grunderkrankung oder bei Leben in einer Pflegeeinrichtung als Indikationsimpfung infrage. Die RKI-Informationen nennen für die Impfung den Spätsommer oder Herbst vor der RSV-Saison.

Familien können zusätzlich auf einfache Maßnahmen achten. Bei Symptomen einer akuten Atemwegsinfektion sollte enger Kontakt zu Kindern unter einem halben Jahr möglichst vermieden werden. Husten und Niesen in die Armbeuge oder ein Einweg-Taschentuch sowie Händewaschen bleiben sinnvolle Schutzmaßnahmen im Alltag.

Der Rückblick hilft bei der Vorbereitung

Der Saisonbericht liefert keine Prognose für den nächsten Winter. Er zeigt aber, welche Gruppen in der vergangenen RSV-Welle besonders betroffen waren und wie unterschiedliche Messsysteme die Lage abbilden. Auch die Meldedaten werden erst sinnvoll, wenn sie neben Schätzungen aus Praxis- und Krankenhaus-Sentinels stehen. Für Familien mit einem Neugeborenen und für ältere Menschen lohnt sich deshalb jetzt ein Blick auf die aktuellen STIKO-Empfehlungen.

Bei Atemnot, auffällig schneller oder erschwerter Atmung oder wenn ein Säugling deutlich weniger trinkt, rät das RKI zu einer raschen kinderärztlichen Abklärung. Für individuelle Fragen zu Impfung oder Prophylaxe ist die eigene Arztpraxis der richtige Ansprechpartner.

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