RKI zählt 39 neue Fälle eines Salmonellen-Ausbruchs
Das RKI zählt 39 neue Fälle eines Salmonellen-Ausbruchs. Die Einordnung zeigt, was zu Tomatenhinweisen und aktuellen Daten bekannt ist.
Das Robert Koch-Institut zählt seit Juni 2026 bereits 39 Fälle eines erneuten Salmonella-Strathcona-Ausbruchs. Datenstand ist der 16. September. Die Behörde veröffentlichte die Zahl am 24. September im Epidemiologischen Bulletin. Die aktuellen Befragungen liefern erneut Hinweise auf Aufenthalte in Italien und den Verzehr von Tomaten.
Die 39 Fälle gehören zu einem wiederkehrenden Geschehen
Salmonella Strathcona ist eine Untergruppe von Salmonellen. Das RKI beschreibt sie als früher seltenes Serovar, das seit einigen Jahren saisonal häufiger nachgewiesen wird. Seit 2011 wurden in Europa wiederholt genetisch eng verwandte Ausbrüche beobachtet. Für die Jahre 2011 bis 2024 nennt das RKI mehr als 600 Ausbruchsfälle in 17 Ländern.
Die Zahl von 39 Fällen bezieht sich auf das neue Geschehen seit Juni 2026. Sie ist deshalb nicht mit dem abgeschlossenen Ausbruch der Saison 2025 und 2026 gleichzusetzen. Für diese vorangegangene Saison dokumentiert das RKI 116 Fälle in Deutschland. Davon waren 100 Fälle durch Genomanalysen bestätigt. Weitere 16 Fälle galten als wahrscheinlich.
Das RKI wertet Erregersequenzen aus Patientenproben aus. Diese Analyse kann Verbindungen zwischen Fällen sichtbar machen, auch wenn Erkrankungen an unterschiedlichen Orten auftreten. Die Isolate der neuen Fälle sind laut Bulletin eng mit dem Ausbruchscluster der vergangenen Jahre verwandt. Damit erscheint ein fortlaufendes Geschehen plausibler als voneinander unabhängige Ereignisse.
Die Einordnung beruht nicht allein auf einer Fallzahl. Für bestätigte Fälle der Saison 2025 und 2026 verglich das RKI die vollständigen Erregergenome. Die 100 untersuchten Isolate unterschieden sich dabei nur geringfügig. Solche Befunde helfen, einen Ausbruch über Ländergrenzen und längere Zeiträume hinweg zu verfolgen.
Auch die räumliche Verteilung ist Teil der Auswertung. Die Fälle der vorherigen Saison traten in 13 Bundesländern auf. Bei 80 der 116 Fälle war das vermutete Expositionsland bekannt. 48 Personen hatten sich vermutlich in Deutschland infiziert. Bei 27 der 32 Fälle mit Auslandsbezug wurde Italien genannt.
Tomaten sind ein wichtiger Hinweis, aber kein Urteil über einzelne Produkte
Das RKI nennt Tomaten als wiederkehrenden Hinweis in den Untersuchungen. In der Saison 2025 und 2026 gaben 25 von 30 befragten Erkrankten an, Tomaten gegessen zu haben. Solche Befragungen können eine mögliche Quelle eingrenzen. Sie beweisen für sich allein jedoch nicht, welches Lebensmittel eine Infektion verursacht hat.
Diese Einschränkung betont das RKI ausdrücklich. Tomaten werden häufig gegessen, und Angaben aus Rückblicken können durch Erinnerung beeinflusst sein. Belastbarer wird der Zusammenhang erst durch mehrere Befunde. Dazu gehören Befragungen, Rückverfolgungen, Genomdaten und Untersuchungen der Lebensmittelüberwachung.
Die europäische Ausbruchsbewertung von ECDC und EFSA stützt diese Einordnung. Sie nennt Tomaten in mehreren Untersuchungen das wichtigste Lebensmittel als mögliche Quelle. Im Jahr 2025 wurde der Ausbruchsstamm laut Bericht in Bewässerungswasser bei einem Tomatenproduzenten in Sizilien nachgewiesen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher folgt daraus kein allgemeiner Verdacht gegen Tomaten. Die Quelle eines Ausbruchs wird durch Behörden ermittelt, nicht durch einzelne Beobachtungen im Alltag.
Warum der aktuelle Datenstand wichtig ist
Die 39 Fälle zeigen, dass das Geschehen nach dem starken Ausbruch der vorherigen Saison weiter beobachtet werden muss. Das RKI meldet aktuelle Fälle auch aus anderen europäischen Ländern. Die Zahl ist eine Momentaufnahme vom 16. September 2026. Sie kann sich ändern, wenn weitere Meldungen eingehen oder Untersuchungsergebnisse vorliegen.
Für den Ausbruch 2025 und 2026 lagen vollständige Angaben zum Krankenhausaufenthalt von 91 Erkrankten vor. 24 von ihnen wurden wegen einer Salmonellose stationär behandelt. Diese Angabe beschreibt den vergangenen Ausbruch. Sie lässt keine Aussage darüber zu, wie schwer die aktuell 39 dokumentierten Fälle verlaufen.
Der RKI-Ratgeber zur Salmonellose nennt Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Fieber als mögliche Beschwerden. Das RKI weist zugleich auf mögliche schwere invasive Verläufe hin. Beschwerden nach dem Verzehr verdächtiger Lebensmittel haben viele Ursachen. Wer stark oder anhaltend erkrankt ist, sollte ärztlichen Rat einholen.
Was Menschen jetzt aus der Meldung mitnehmen können
Die Meldung ist kein Rückruf und enthält keine Anweisung, bestimmte Tomaten zu meiden. Sie dokumentiert eine laufende Ausbruchsuntersuchung. Maßgeblich sind Hinweise von Behörden und Lebensmittelüberwachung, etwa bei einem konkreten Produktrückruf.
Für den Alltag verweist das Bundesinstitut für Risikobewertung auf die übliche Küchenhygiene. Das BfR empfiehlt, pflanzliche Lebensmittel unter fließendem Wasser zu waschen sowie Arbeitsmittel zu reinigen und getrennt zu verwenden. Diese Schritte sind allgemeine Vorsorge und keine spezielle Maßnahme gegen den aktuellen Ausbruch.
Wer eine Warnung oder einen Rückruf sieht, sollte die dort genannte Produktbezeichnung und die Hinweise der zuständigen Behörde beachten. Das RKI, ECDC und EFSA untersuchen die wiederkehrenden Fälle weiter. Der derzeitige Stand lautet: 39 erfasste Fälle seit Juni, aber noch keine abschließende Zuordnung zu einem einzelnen Lebensmittel oder Produkt.
Warum Küchenhygiene auch ohne Warnung wichtig bleibt
Das Bulletin nennt keinen einzelnen Verkaufspunkt und keine bundesweite Verzehrwarnung. Aus dem Befund folgt deshalb nicht, Tomaten grundsätzlich zu meiden. Die Hinweise des BfR richten sich an die allgemeine Küchenpraxis, nicht speziell an diesen Ausbruch. Die Behörde rät, rohes Gemüse unter fließendem Wasser zu waschen und Arbeitsmittel nach dem Kontakt mit Lebensmitteln zu reinigen.
Der RKI-Ratgeber nennt bei einer Salmonellose den Ausgleich von Flüssigkeit und Elektrolyten als wichtigen Teil der Behandlung. Bei schweren Beschwerden, anhaltenden Symptomen oder einem erhöhten Risiko ist ärztlicher Rat sinnvoll. Das betrifft besonders kleine Kinder, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem. Für die Einordnung einzelner Erkrankungen bleibt die medizinische Diagnose maßgeblich. Die Ausbruchsuntersuchung beschreibt ein Bevölkerungsgeschehen, sie ersetzt keine individuelle Abklärung.