Von Redaktion

RKI berichtet rund 180 Millionen geschätzte Atemwegserkrankungen

Der RKI-Saisonbericht ordnet rund 180 Millionen geschätzte Atemwegserkrankungen im Winter 2025/26 und die Belastung für Praxen und Kliniken ein.

Laut RKI gab es in der Bevölkerung während der Wintersaison 2025/26 rund 180 Millionen akute Atemwegserkrankungen. Die syndromisch geschätzte, für Deutschland hochgerechnete Zahl beschreibt Erkrankungsepisoden, nicht einzelne Menschen, und umfasst Influenza, COVID-19, RSV sowie weitere Erreger. Das RKI ordnet die Saison insgesamt als moderat ein.

Eine Saison, viele Infektionen

Die Summe wirkt zunächst hoch, weil Atemwegsinfektionen bei einer Person mehrfach im Laufe einer Saison auftreten können. Die Schätzung bildet damit wiederholte Erkrankungsepisoden in der Bevölkerung ab. Kleine Kinder hatten laut RKI im Durchschnitt 4,6 akute Atemwegserkrankungen. Bei Erwachsenen ab 60 Jahren lag der Durchschnitt bei 1,3 Erkrankungen.

Akute Atemwegserkrankungen sind ein Sammelbegriff. Dazu gehören Erkältungen ebenso wie Grippe, COVID-19 und RSV-Erkrankungen. Aus der Gesamtzahl lässt sich deshalb nicht ablesen, welcher Erreger hinter einer einzelnen Erkrankung stand. Auch über die Schwere einzelner Verläufe sagt die Zahl allein nichts aus.

Der Bericht betrachtet außerdem den Sommer 2025. Im Mittelpunkt steht aber die Wintersaison 2025/26. Das RKI vergleicht sie mit dem Geschehen in anderen europäischen Ländern. Danach bewegte sich die Belastung in einem moderaten Bereich.

Arztpraxen und Kliniken waren spürbar belastet

Für den ambulanten Bereich nennt der Saisonbericht etwa 37 Millionen ARE-Erstkonsultationen aus dem ARE-Praxis-Sentinel. Die Kennzahl steht daher nicht für bestätigte Fälle einer bestimmten Infektion.

In Kliniken wurden laut RKI rund 429.000 Fälle schwerer akuter respiratorischer Infektionen behandelt. Die Fachabkürzung SARI bezeichnet schwere Infektionen der Atemwege. Das RKI schätzt zudem rund 22.700 verstorbene SARI-Fälle. Solche Kennzahlen zeigen, dass die saisonale Belastung nicht nur Praxen betrifft.

Die Zahlen erlauben keinen Schluss auf das Risiko einer einzelnen Person. Eine persönliche Beschwerde lässt sich aus den Saisonwerten nicht beurteilen.

Das RKI bündelt mehrere Datenquellen

Der Saisonbericht ist keine einzelne Studie. Er fasst verschiedene Formen der Gesundheitsüberwachung zusammen. Das RKI nutzt dazu Meldedaten, Laboruntersuchungen und Informationen aus Arztpraxen sowie Krankenhäusern. Auch Daten aus der Abwasserüberwachung fließen in die Lagebeurteilung ein.

Ein Teil der Systeme erfasst Symptome oder ärztliche Diagnosecodes. Andere untersuchen Proben von Menschen mit Atemwegserkrankungen. Bei Influenza und SARS-CoV-2 betrachtet das RKI zusätzlich das Erbgut zirkulierender Viren. Sterblichkeitsschätzungen beruhen auf Daten des Statistischen Bundesamts.

Diese Kombination erklärt, weshalb im Bericht verschiedene Kennzahlen nebeneinanderstehen. Sie messen unterschiedliche Ausschnitte des Geschehens. Eine Meldung mit Labornachweis ist etwas anderes als eine Befragung zu Symptomen. Eine Krankenhausbehandlung bildet wiederum schwerere Verläufe ab.

Das RKI betont, dass mehrere Datenquellen gemeinsam bewertet werden müssen. Erst ihre gemeinsame Auswertung ermöglicht die Einschätzung der Aktivität in einer Saison.

Was der Bericht vor dem nächsten Winter einordnet

Der neue Saisonbericht liefert einen Rückblick, keine Vorhersage für den kommenden Winter. Er zeigt jedoch, welche Größenordnung Atemwegsinfektionen in Deutschland erreichen können. Für Familien und andere Haushalte ist deshalb vor allem relevant, dass sich die Kennzahlen auf viele unterschiedliche Erkrankungsepisoden beziehen.

Das RKI verweist für Informationen zum Infektionsschutz auf das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit. Während der Wintersaison veröffentlicht das RKI wöchentlich einen ARE-Wochenbericht und stellt aktuelle Daten zusätzlich in einem Dashboard bereit. Der neue Saisonbericht ergänzt diese kurzen Lagebilder um eine Gesamtbetrachtung.

Der Bericht hilft, die Zahl der Erkrankungen in der Saison einzuordnen. Er ersetzt keine individuelle medizinische Einschätzung.

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