Psoriasis und kardiovaskuläre Erkrankungen: Mehr als nur Hautsache
Psoriasis-Patienten haben ein stark erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Neue Behandlungen versprechen nicht nur Hautbesserung, sondern auch kardiovaskulären Schutz.
Schuppenflechte gilt im Volksmund als Hauterkrankung. Kardiologen und Rheumatologen sehen das schon länger anders: Schwere Psoriasis ist eine systemische Entzündungserkrankung – und sie erhöht das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko ähnlich stark wie Typ-2-Diabetes. Neue Biologika zeigen dabei einen doppelten Nutzen: Sie bessern nicht nur die Haut, sondern dämpfen auch die systemische Entzündung, die das Herz gefährdet.
Wie häufig ist Psoriasis in Deutschland?
Nach Schätzungen der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) sind in Deutschland rund 2,5 Millionen Menschen von Psoriasis betroffen – etwa drei Prozent der Bevölkerung. Die Erkrankung verläuft in Schüben, beginnt oft zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr und ist chronisch. Bei etwa einem Drittel der Betroffenen ist der Verlauf mittelschwer bis schwer, das heißt mehr als zehn Prozent der Körperoberfläche sind betroffen oder die Erkrankung beeinträchtigt Gelenke, Augen oder innere Organe.
Was die Daten zeigen: Herzrisiko wie bei Diabetes
Das erhöhte kardiovaskuläre Risiko bei Psoriasis ist gut belegt. Patienten mit schwerer Psoriasis haben laut einer Metaanalyse über europäische Kohorten ein 1,63-fach erhöhtes Herzinfarktrisiko, ein 1,59-fach erhöhtes Schlaganfallrisiko und ein 1,4-fach erhöhtes Herzinsuffizienz-Risiko – Daten, die das Ärzteblatt als eigenständigen kardiovaskulären Risikofaktor einordnet, vergleichbar mit Typ-2-Diabetes. Wichtig: Dieses erhöhte Risiko besteht auch dann, wenn klassische Faktoren wie Übergewicht, Rauchen oder Bewegungsmangel herausgerechnet werden. Die Entzündungskomponente der Psoriasis selbst ist kardiovaskulär wirksam.
Warum die Herzgefährdung so hoch ist: Systemische Entzündung
Der Mechanismus verläuft über dauerhaft erhöhte Entzündungsmarker. Bei schwerer Psoriasis zirkulieren hohe Konzentrationen der Zytokine TNF-α, IL-17 und IL-23 im Blut. Diese Botenstoffe fördern Arteriosklerose: Sie aktivieren die Gefäßinnenwand (Endothel), erhöhen die Gefäßpermeabilität und begünstigen die Einlagerung von Lipiden in Gefäßwände – der Beginn einer Plaquebildung. Patienten, die mit Biologika gegen diese Zytokine behandelt wurden, zeigten in klinischen Studien eine messbare Reduktion des kardiovaskulären Risikos – ein Hinweis darauf, dass die Entzündung kausal ist.
Biologika: Nicht nur Hautbesserung, sondern systemischer Schutz
Moderne Biologika gegen Psoriasis gehören zu den wirksamsten dermatologischen Therapien. IL-17-Inhibitoren (Secukinumab, Ixekizumab, Bimekizumab) und IL-23-Inhibitoren (Guselkumab, Risankizumab, Tildrakizumab) erzielen bei schwerem Verlauf Hautreinigungsraten von über 90 Prozent. Darüber hinaus zeigen Registerdaten und Beobachtungsstudien einen Rückgang von Herzinfarkt- und Schlaganfallhäufigkeit unter Biologika-Therapie. Kausale Beweise aus randomisierten Studien fehlen noch, da diese kardiovaskuläre Endpunkte selten als primären Studienendpunkt definieren. Laufende Register wie die europäische PSOBIOTEQ-Kohorte sollen hier mehr Klarheit bringen.
Psoriasis und Begleiterkrankungen: Mehr als nur das Herz
Psoriasis ist häufig mit weiteren Erkrankungen verknüpft. Psoriasis-Arthritis, eine entzündliche Gelenkerkrankung, entwickeln bis zu 30 Prozent der Psoriasis-Patienten – oft Jahre nach der Hautmanifestation. Das Risiko für metabolisches Syndrom, Typ-2-Diabetes und nicht-alkoholische Fettleber ist erhöht. Chronischer Schmerz und die sichtbare Erkrankung tragen zudem zu erhöhten Raten an Depressionen bei – eine Analyse im Journal of the American Academy of Dermatology (2023) beziffert das Depressionsrisiko bei schwerer Psoriasis auf mehr als das Doppelte verglichen mit der Normalbevölkerung.
Konsequenzen für die Versorgung: Interdisziplinär denken
Die europäischen Leitlinien EuroGuiDerm (2022) empfehlen für alle Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis ein regelmäßiges kardiovaskuläres Screening: Blutdruck, Lipidprofil, Nüchternblutzucker und BMI sollten mindestens alle zwei Jahre kontrolliert werden. Der SCORE2-Algorithmus der European Society of Cardiology kann das 10-Jahres-Herzrisiko individuell berechnen und sollte in die Verlaufskontrolle einbezogen werden. In Deutschland haben einige Universitätskliniken Psoriasis-Kompetenzzentren eingerichtet, die dermatologische und kardiologische Expertise bündeln. Flächendeckend ist das noch nicht der Fall.
Ausblick: Psoriasis-Forschung 2026
Die Psoriasis-Forschung entwickelt sich schnell. IL-23-Inhibitoren der neuesten Generation erzielen in klinischen Studien Hautclearing-Raten von über 90 Prozent bei günstiger Sicherheit. Gleichzeitig untersuchen Registerstudien wie die europäische PSOBIOTEQ-Kohorte, ob diese Biologika langfristig auch das kardiovaskuläre Risiko senken. Erste Subgruppenanalysen sind vielversprechend, aber noch nicht ausreichend für definitive Leitlinienempfehlungen.
Was Betroffene jetzt tun können
Wer an mittelschwerer oder schwerer Psoriasis leidet, sollte den behandelnden Dermatologen aktiv auf das kardiovaskuläre Risiko ansprechen und ein Screening einfordern. Klassische Risikofaktoren konsequent angehen: Rauchen einstellen, Normalgewicht anstreben, regelmäßig bewegen. Bei der Therapieentscheidung den kardiovaskulären Zusatznutzen moderner Biologika berücksichtigen. Apps zur Symptomverfolgung – Hautbild, Gelenkschmerzen, Stimmung – können die Kommunikation mit dem Arzt erleichtern. Auf bestes.com finden Betroffene geprüfte Gesundheitsangebote rund um Haut- und Herzgesundheit.