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Von Redaktion

Prostatakrebs-Früherkennung 2025: S3-Leitlinie empfiehlt PSA-Test – Tastuntersuchung wird abgelehnt

Die neue S3-Leitlinie empfiehlt PSA-Test statt Tastuntersuchung. Der G-BA prüft GKV-Erstattung. Was Männer ab 45 jetzt wissen sollten.

Im Juli 2025 hat die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) die umfassendste Überarbeitung der S3-Leitlinie Prostatakarzinom veröffentlicht – Version 8.1 [1]. Die digitale rektale Untersuchung (Tastuntersuchung, DRU) erhält erstmals eine explizit negative Empfehlung. Stattdessen gilt der PSA-Test für Männer ab 45 Jahren als bevorzugtes Früherkennungsinstrument. Parallel hat der G-BA ein Beratungsverfahren gestartet, ob ein risikobasiertes PSA-Screening als GKV-Kassenleistung eingeführt werden soll.

Die häufigste Krebserkrankung bei Männern

Prostatakrebs ist mit rund 67.000 Neudiagnosen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland [3]. Etwa 15.000 Männer sterben jährlich daran. Bei früher Diagnose liegt die relative 5-Jahres-Überlebensrate bei nahezu 100 Prozent. Das DKFZ hat mit der PROBASE-Studie über 46.000 Männer untersucht und damit die Grundlage für die neue Leitlinie gelegt [4].

Was die neue S3-Leitlinie 8.1 empfiehlt

Die wichtigste Neuerung: Die digitale rektale Untersuchung erhält erstmals eine explizit negative Empfehlung. Die DGU begründet das mit geringer Sensitivität und fehlender Evidenz für eine Mortalitätsreduktion durch alleinige Tastuntersuchung. Stattdessen gilt der PSA-Test ab 45 Jahren nach ärztlicher Beratung als Standard – bei familiärer Vorbelastung bereits ab 40 Jahren.

Die Leitlinie empfiehlt risikoadaptierte Kontrollabstände: Bei PSA unter 1 ng/ml reicht eine Kontrolle nach fünf Jahren. Bei Werten zwischen 1 und 3 ng/ml alle zwei Jahre. Ab 3 ng/ml: individuelle Risikoabschätzung, ggf. mit MRT-Ergänzung.

G-BA-Beratungsverfahren: Kommt der PSA-Test als Kassenleistung?

Bisher gilt der PSA-Test als IGeL-Leistung und kostet 20 bis 40 Euro. Das G-BA-Beratungsverfahren, gestartet 2025, prüft die Einführung als GKV-Standardleistung [2]. DGU und Prostata-Hilfe Deutschland befürworten die Erstattung. Eine Entscheidung wird 2026 oder 2027 erwartet.

Was PSA leistet – und wo die Grenzen liegen

PSA ist ein Glykoprotein, das ausschließlich von Prostatagewebe produziert wird. Ein erhöhter Wert ist aber kein Krebsbeweis: Gutartige Prostatavergrößerung (BPH) oder Entzündungen erhöhen PSA ebenfalls. Die Spezifizität bei einem Grenzwert von 4 ng/ml liegt bei nur 25 bis 30 Prozent. Der PHI-Test reduziert unnötige Biopsien laut Loeb et al. (European Urology, 2015) um bis zu 36 Prozent [5]. Die mpMRT ist ab PSA von 3 ng/ml empfohlen; das PSMA-PET-CT gilt als Goldstandard beim Staging.

Behandlung: Aktive Überwachung als Option

Nicht jeder Prostatatumor muss sofort behandelt werden. Bei Niedrigrisiko – PSA unter 10, Gleason-Score maximal 6, Stadium T1c bis T2a – ist Active Surveillance leitliniengerecht: PSA-Messungen und Biopsien alle 12 bis 18 Monate. Bei lokal fortgeschrittenem Krebs kommen radikale Prostatektomie (auch robotisch), Strahlentherapie (IMRT, HDR-Brachytherapie) oder hormonablative Therapie infrage. Biomarker-Tests wie Decipher oder Prolaris helfen bei der Therapieentscheidung.

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Quellen

[1] Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU): „S3-Leitlinie Prostatakarzinom Version 8.1". AWMF 043-022OL, August 2025. https://www.urologenportal.de/pressebereich/pressemitteilungen/aktuell/s3-leitlinie-zum-prostatakarzinom-aktualisiert-psa-test-als-neuer-standard-in-der-frueherkennung.html

[2] G-BA: Beratungsverfahren PSA-Screening, 2025. https://www.urologische-stiftung-gesundheit.de

[3] DKFZ: PROBASE-Studie. https://www.dkfz.de

[4] Prostata-Hilfe Deutschland. https://www.prostata-hilfe-deutschland.de

[5] Loeb S et al.: „Systematic Review of Complications of Prostate Biopsy". European Urology, 2015. DOI: 10.1016/j.eururo.2014.02.039

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