Nierensteine: Warum immer mehr Jüngere betroffen sind – und wie man vorbeugt

DGU: Nierensteine nehmen um 70% zu – immer mehr Jüngere betroffen. Trinken ist die beste Prävention. Ursachen, Schmerztherapie und Behandlungsoptionen.

Nierensteine sind auf dem Vormarsch. Aktuelle Daten der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) zeigen, dass Nierensteinerkrankungen in den vergangenen zwei Jahrzehnten um fast 70 Prozent zugenommen haben – mit einem deutlichen Trend zu jüngeren Altersgruppen und Frauen [1]. Experten machen vor allem Ernährungs-gewohnheiten, zu wenig Flüssigkeit und Übergewicht verantwortlich. ## Was sind Nierensteine genau? Nierensteine entstehen, wenn Mineralien und Salze im Urin in so hoher Konzentration vorkommen, dass sie auskristallisieren. Am häufigsten – in rund 80 Prozent der Fälle – sind Kalziumoxalat-Steine. Seltener sind Harnsäuresteine (10–15%), die durch erhöhten Fleischkonsum oder Gicht begünstigt werden, sowie Struvitsteine durch bestimmte Harnwegsinfektionen. Kleine Steine unter 5 Millimeter wandern häufig spontan durch den Harnleiter und werden ausgeschieden – oft schmerzhaft. Größere Steine können sich festsetzen und die Nierenfunktion gefährden. ## Warum nehmen Nierensteine zu? Die Hauptursachen sind belegt. Unzureichende Flüssigkeitszufuhr ist der wichtigste Risikofaktor: Wer zu wenig trinkt, hat konzentrierteren Urin, in dem Kristalle leichter entstehen. Empfohlen wird eine Urinmenge von mindestens 2 bis 2,5 Litern täglich. Eine Ernährung mit viel tierischem Eiweiß, Salz und Zucker erhöht das Risiko ebenfalls. Übergewicht und das metabolische Syndrom – die Kombination von Bauchfett, Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten und Insulinresistenz – sind eigenständige Risikofaktoren für Harnsäuresteine. Klimawandel spielt eine Rolle: Mit steigenden Temperaturen schwitzt man mehr, ohne zwingend mehr zu trinken – die Urinkonzentration steigt. ## Die Nierenkolik: eines der stärksten Schmerzerlebnisse Eine Nierenkolik gilt als einer der stärksten Schmerzen überhaupt – vergleichbar mit Wehen. Verursacht wird er durch die Wanderbewegung des Steins im Harnleiter, die zu krampfartigen Muskelkontraktionen führt. In der Notaufnahme werden starke Schmerzmittel gegeben. Bei leichten Koliken kann Ibuprofen helfen – aber im Zweifel sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die Nierenfunktion zu kontrollieren. ## Behandlung: Von Trinkkur bis Laser Kleine Steine unter 6 mm werden meist konservativ behandelt: viel Trinken, Bewegung und bei Bedarf krampflösende Schmerzmittel. Für größere Steine stehen die Stoßwellenlithotripsie (ESWL) von außen oder die Ureteroskopie (URS) mit Laser von innen zur Verfügung. Beide Verfahren sind schonend und ambulant durchführbar. ## Vorbeugung: Trinken ist das Wichtigste Wer bereits Nierensteine hatte, sollte täglich mindestens 2,5 Liter trinken. Zitronenwasser zeigt positive Effekte bei Oxalatsteinen: Zitrat hemmt die Kristallbildung. Tierisches Eiweiß und Kochsalz reduzieren, Gemüse und Ballaststoffe erhöhen – diese Ernährungsmaßnahmen senken die Rückfallrate. Ohne Prophylaxe erleiden rund 50 Prozent der Betroffenen innerhalb von fünf Jahren einen Rückfall. ## Häufige Fragen **Muss ich bei Nierensteinen auf Kalzium verzichten?** Nein – im Gegenteil. Kalzium bindet Oxalat im Darm. Wer kalziumreich isst und gleichzeitig Oxalat reduziert, hat sogar ein geringeres Steinrisiko. **Können Nierensteine die Niere dauerhaft schädigen?** Bei wiederholten unbehandelten Steinerkrankungen kann es zu Nierenschäden kommen. Gut behandelt und vorgebeugt, ist das Risiko aber gering. Finde urologische Praxen auf bestes.com/services. --- ## Diagnose und metabolisches Abklärungsprogramm Wer einmal einen Nierenstein hatte, hat ohne Gegenmassnahmen ein Rückfallrisiko von 50 Prozent innerhalb von 10 Jahren. Daher empfehlen Urologen nach dem ersten Stein ein metabolisches Abklärungsprogramm: 24-Stunden-Sammelurin, Blutbild mit Kalzium, Harnsäure, Kreatinin und Phosphat. Das Ergebnis erlaubt eine gezielte Prävention – z.B. Oxalat-Reduktion bei Kalziumoxalat-Steinen oder Allopurinol bei Harnsäuresteinen [1]. ## Ernährung gezielt anpassen Die wichtigste Einzelmaßnahme ist ausreichend trinken: mindestens 2,5 Liter Flüssigkeit täglich, bei Hitze oder Sport mehr. Wasser und ungesüßte Tees sind ideal. Zitronensaft hemmt die Steinbildung zusätzlich, da Zitrat die Kalzium-Kristallisation verlangsamt. Bei Kalziumoxalat-Steinen (ca. 75 Prozent aller Steine): Spinat, Nüsse, Kakao und Rhabarber sind oxalatreich und sollten reduziert werden. Entgegen früheren Empfehlungen sollte Kalzium über die Nahrung nicht reduziert werden – es bindet Oxalat im Darm und verringert die Aufnahme ins Blut. Kalziumpräparate als Tabletten hingegen können das Steinrisiko erhöhen, wenn sie ohne Mahlzeit eingenommen werden. ## Behandlungsoptionen Kleinere Steine (unter 5 mm) gehen in rund 80 Prozent der Fälle spontan ab, oft mit Alpha-Blockern (z.B. Tamsulosin) zur Erleichterung. Steine zwischen 5 und 20 mm werden häufig per extrakorporaler Stoßwellenlithotripsie (ESWL) zertrümmert – ein ambulantes, schmerzzarmes Verfahren. Größere Steine oder Steine in schwieriger Lage erfordern eine Harnleiterspiegelung (URS) oder perkutane Nephrolitholapaxie (PCNL). Die Wahl des Verfahrens hängt von Steingröße, -lage und Patientenfaktoren ab. Finde Urologie-Angebote in deiner Nähe auf bestes.com/services. **Quellen:** [1] Deutsche Gesellschaft für Urologie – Leitlinie Urolithiasis 2025 [2] Türk C et al. – EAU Guidelines on Urolithiasis 2025 ## Fazit: Trinken, anpassen, vorbeugen Nierensteine sind schmerzhaft, aber in vielen Fällen vermeidbar. Die wichtigste Präventionsmaßnahme ist zugleich die einfachste: mehr trinken. Wer täglich mindestens 2,5 Liter Wasser trinkt, reduziert sein Risiko messbar. Wer bereits Steine hatte, sollte die metabolische Abklärung nicht aufschieben – sie zeigt, welche Steinart vorliegt und welche gezielte Prävention möglich ist. Ernährungsanpassungen, die auf den Steintyp zugeschnitten sind, können die Rückfallrate halbieren. Die moderne Urologie bietet schonende Behandlungsverfahren: Stoßwellenlithotripsie (ESWL) und Harnleiterspiegelung (URS) sind minimalinvasiv und haben kurze Erholungszeiten. Wer über Flanken- oder Rückenschmerzen klagt, sollte bei einem Verdacht auf Nierensteine nicht warten. Eine Ultraschalluntersuchung beim Hausarzt oder Urologen klärt in wenigen Minuten. Koliken im rechten oder linken Unterbauch, die in die Leiste ausstrahlen, sind klassische Zeichen – und sollten als medizinischer Notfall eingestuft werden, wenn sie mit Fieber oder Übelkeit verbunden sind. Finde Urologie-Angebote auf bestes.com/services.