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Von Redaktion

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa: Mirikizumab-Zulassung 2025 und ECCO-Kongress Berlin markieren neues Kapitel der CED-Therapie

Im Februar 2025 wurde Mirikizumab für Morbus Crohn zugelassen. Der ECCO-Kongress 2025 in Berlin zeigte: Frühe Biologika-Therapie senkt die Operationsrate deutlich. Was 400.000 CED-Betroffene in Deutschland jetzt wissen sollten.

Im Februar 2025 erteilte die Europäische Kommission die Zulassung für Mirikizumab (Omvoh, Eli Lilly) zur Behandlung Erwachsener mit mittelschwerem bis schwerem aktivem Morbus Crohn, die auf konventionelle Therapie oder Biologika unzureichend angesprochen haben. Es ist der dritte selektive IL-23-p19-Inhibitor in dieser Indikation nach Risankizumab – und ein deutliches Zeichen für den rasanten Wandel, den die Behandlung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen (CED) derzeit erlebt. Zeitgleich fand der ECCO-Kongress 2025 (European Crohn's and Colitis Organisation) vom 19. bis 22. Februar in Berlin statt – erstmals auf deutschem Boden. Unter dem Motto Nachhaltigkeit bei CED und darüber hinaus präsentierten Forschende neue Erkenntnisse zur Langzeittherapie, Biologika-Sequenztherapie und frühen Intervention bei hohem Risiko. CED in Deutschland: 400.000 Betroffene, steigende Inzidenz Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind die zwei Hauptformen der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. In Deutschland sind nach Schätzungen des Kompetenznetzes CED rund 400.000 Menschen betroffen. Die Inzidenz steigt seit Jahrzehnten – besonders in industrialisierten Ländern –, was mit veränderter Darmflora, westlicher Ernährungsweise und erhöhter Hygiene in Zusammenhang gebracht wird. Morbus Crohn kann den gesamten Verdauungstrakt befallen (vom Mund bis zum After) und verläuft schubweise mit Phasen der Remission. Typisch sind transmurale Entzündung, Fisteln, Stenosen und perianale Erkrankungen. Colitis ulcerosa betrifft ausschließlich den Dickdarm, kontinuierlich vom Rektum aufsteigend, mit blutigen Durchfällen als Leitsymptom. Beide Erkrankungen können extraintestinale Manifestationen verursachen: Gelenkschmerzen (peripheres und axiales Muster), Hautveränderungen (Erythema nodosum, Pyoderma gangraenosum), Augenentzündungen (Uveitis) sowie primär sklerosierende Cholangitis (PSC), die häufiger bei Colitis ulcerosa auftritt. Frühe Biologika-Therapie: Was aktuelle Daten zeigen Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus jüngerer Forschung: Der frühzeitige Einsatz von Biologika bei Morbus Crohn senkt die kumulative Operationsrate signifikant. Eine auf dem ECCO-Kongress 2025 diskutierte Metaanalyse belegt diesen Effekt bei Hochrisikopatienten – definiert durch Komplikationen bei Diagnosestellung (Stenosen, Fisteln, perianale Erkrankung) und jungem Erkrankungsalter. Frühe Intervention bedeutet nicht nur weniger Operationen, sondern auch weniger Krankenhausaufenthalte und bessere Lebensqualität, fasste das ECCO-Leitthema 2025 zusammen. Bei Colitis ulcerosa ist das Bild differenzierter: Hier zeigen einige Analysen kein klares Reduktionssignal bei der Kolektomierate, was weiterer Klärung bedarf. Entscheidend für die frühe Therapieeskalation ist die Identifikation von Hochrisikopatienten: ausgedehnter Befall, hohe Entzündungsaktivität (CRP, Calprotectin, Endoskopie), Steroidabhängigkeit und frühes Erkrankungsalter unter 30 Jahren. Die neue Therapielandschaft: Biologika und Small Molecules 2025 Die Behandlung von CED hat sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. TNF-alpha-Inhibitoren (Infliximab, Adalimumab, Golimumab) sind die älteste und am besten dokumentierte Klasse; zahlreiche Biosimilars stehen zur Verfügung, was die Behandlungskosten deutlich gesenkt hat. Vedolizumab (Entyvio, Integrin-Inhibitor) wirkt selektiv im Darm mit günstigem Sicherheitsprofil für beide CED-Entitäten. Die IL-23-Inhibitoren Ustekinumab (Stelara), Risankizumab (Skyrizi) und neu Mirikizumab (Omvoh, zugelassen Feb 2025 für Morbus Crohn) bieten eine weitere selektive Option; die Zulassung von Guselkumab (Tremfya) für Colitis ulcerosa wird 2025 erwartet. JAK-Inhibitoren (Tofacitinib, Filgotinib, Upadacitinib) sind oral einnehmbar mit schnellerem Wirkungseintritt, erfordern aber engmaschiges Monitoring bezüglich Infektionsrisiko, Blutbild, Leberwerte und kardiovaskuläre Risikofaktoren. Diagnose: Wie erkennt man CED? Die CED-Diagnose erfolgt durch Koloskopie mit Biopsie, Bildgebung (MRT-Sellink für Dünndarmbefall bei Morbus Crohn, Darmsonographie), Laborparameter (CRP, Leukozyten, Albumin) sowie fäkales Calprotectin als kostengünstigen Entzündungsmarker, der CED vom Reizdarmsyndrom unterscheiden kann (Sensitivität 83 Prozent, Spezifität 84 Prozent laut Metaanalysen). Wichtig: Zwischen ersten Symptomen und gesicherter CED-Diagnose vergehen in Deutschland im Durchschnitt 2 bis 3 Jahre – eine diagnostische Verzögerung, die Komplikationen begünstigt. Anhaltende Durchfälle über 4 Wochen, Bauchschmerzen, unklarer Gewichtsverlust und rektale Blutungen sollten gastroenterologisch abgeklärt werden. Ernährung bei CED: Was Betroffene wissen sollten Keine Standarddiät ist für alle CED-Patienten geeignet – individuelle Verträglichkeit steht im Vordergrund. In Schüben: leicht verdauliche, fett- und faserreduzierte Kost, ausreichend Flüssigkeit, kleine Mahlzeiten. In Remission: ausgewogene Mischkost ohne pauschale Einschränkungen; mediterrane Ernährungsmuster zeigen in Beobachtungsstudien günstige Effekte auf Entzündungsparameter. Mangelernährung und Mikronährstoffdefizite (Eisen, Vitamin B12, Vitamin D, Folsäure, Zink) sind bei CED häufig und sollten regelmäßig laborchemisch kontrolliert werden. Alltag mit CED CED sind chronische Erkrankungen, aber in stabiler Remission ist ein weitgehend normales Leben möglich. Wichtige Aspekte: Regelmäßige Kontrollkoloskopien (erhöhtes Kolonkarzinom-Risiko bei langjähriger Colitis ulcerosa). Psychische Begleitung: Angststörungen und Depression sind bei CED häufige Komorbiditäten. Impfstatus aktuell halten: Biologika und JAK-Inhibitoren erhöhen das Infektionsrisiko. Gastroenterologen und CED-Zentren in der Nähe sind auf bestes.com zu finden. Quellen - Europäische Kommission: Zulassung Mirikizumab (Omvoh) für Morbus Crohn, Februar 2025. - ECCO 2025 Berlin: Kongress CED, 19. bis 22. Februar 2025. ecco-ibd.eu - Universimed: ECCO-Update 2025 – Gastroenterologie. universimed.com - Deutsches Ärzteblatt: CED – rasant zunehmende Therapieoptionen. aerzteblatt.de - DGP: Frühe Biologika-Therapie senkt Operationsrate bei Morbus Crohn, 2024. deutschesgesundheitsportal.de - DGVS Leitlinien Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. awmf.org Psychische Gesundheit bei CED: Ein unterschätzter Faktor Angststörungen treten bei Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa zwei- bis dreimal häufiger auf als in der Normalbevölkerung; Depressionen sind ebenfalls signifikant erhöht. Die psychische Belastung durch Symptomkontrolle, Unvorhersehbarkeit von Schüben und soziale Einschränkungen ist real und sollte aktiv angesprochen werden. Psychologische Unterstützung, kognitive Verhaltenstherapie (KVT) und – bei Bedarf – medikamentöse psychiatrische Behandlung sind integraler Bestandteil einer modernen CED-Versorgung. Gut geführte CED-Zentren bieten psychoonkologische oder psychosomatische Begleitung an. Selbsthilfegruppen (z. B. DCCV – Deutsche Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung) bieten Austausch mit anderen Betroffenen und praktische Alltagshilfen. Stressmanagement ist ebenfalls relevant: Obwohl Stress keine CED verursacht, kann er Schübe triggern oder die Schwere von Schüben beeinflussen. Entspannungsverfahren, regelmäßige Bewegung (in Remission) und ausreichend Schlaf unterstützen die Krankheitskontrolle.

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