Morbus Bechterew 2026: Früher diagnostizieren, besser behandeln
Morbus Bechterew – auch Axiale Spondyloarthritis (axSpA) genannt – ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule und Beckengelenke (Sakroiliakalge
Die Diagnose kommt oft mit jahrelanger Verspätung: Morbus Bechterew – in der modernen Medizin als Axiale Spondyloarthritis (axSpA) bezeichnet – betrifft in Deutschland rund 320.000 Menschen, doch die durchschnittliche Zeit bis zur Diagnose beträgt laut Deutschen Rheuma-Liga noch immer fünf bis sieben Jahre. Dabei gilt: Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Chancen, eine Versteifung der Wirbelsäule zu verhindern. Aktualisierte ASAS/EULAR-Leitlinien von 2024 geben neue Handlungsempfehlungen, die auch für Patienten in Deutschland relevant sind. [1]
## Was ist Morbus Bechterew?
Morbus Bechterew ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die vor allem die Wirbelsäule und die Sacroiliakalgelenke – also die Verbindung zwischen Kreuzbein und Beckenknochen – betrifft. Die Erkrankung beginnt meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Männer erkranken häufiger, aber auch bei Frauen verläuft die Erkrankung oft schwerwiegend – und wird bei ihnen noch öfter übersehen, weil die Symptome weniger typisch erscheinen.
Das entscheidende Frühsymptom ist der entzündliche Rückenschmerz: Er entsteht in Ruhe, ist morgens am stärksten (Morgensteifheit über 30 Minuten), bessert sich aber durch Bewegung. Das unterscheidet ihn grundlegend vom mechanischen Rückenschmerz, der durch Belastung zunimmt. Weitere häufige Beschwerden sind Schmerzen an Sehnenansätzen – etwa an der Ferse – sowie bei rund 25 Prozent der Patienten eine Augenentzündung (Uveitis), die als Notfall gilt. [2]
## Das genetische Risiko: HLA-B27
Rund 90 Prozent der Patienten mit Morbus Bechterew tragen das Genmarker HLA-B27. Dieser Test kann bei unklarem Rückenschmerz als Hinweis dienen – ist aber allein keine Diagnose, da auch etwa acht Prozent der Bevölkerung HLA-B27-positiv sind, ohne zu erkranken. Entscheidend für die Diagnosestellung ist das Gesamtbild: klinische Symptome, Entzündungsmarker (CRP, BSG) und Bildgebung. Dabei hat das MRT der Sacroiliakalgelenke das Röntgen weitgehend abgelöst – es zeigt entzündliche Veränderungen deutlich früher. [1]
## Therapie: Früh, gezielt und dauerhaft
Entzündungshemmer aus der Gruppe der NSAR (wie Naproxen oder Ibuprofen) stehen weiterhin an erster Stelle der Behandlung. Sie wirken nicht nur symptomlindernd, sondern können laut aktueller Studienlage auch die Versteifungsrate der Wirbelsäule verlangsamen – wenn sie regelmäßig und ausreichend hoch dosiert eingenommen werden. [1]
Bei unzureichender Wirkung kommen sogenannte Biologika zum Einsatz. TNF-Alpha-Hemmer wie Adalimumab oder Certolizumab sind seit über 20 Jahren etabliert und reduzieren die Krankheitsaktivität um 50 bis 70 Prozent. Neuere IL-17-Hemmer wie Secukinumab und Ixekizumab zeigen in Studien ähnlich gute Ergebnisse und haben sich bei gleichzeitiger Psoriasis oder entzündlicher Darmerkrankung bewährt. Die ASAS/EULAR-Leitlinien 2024 sehen beide Substanzklassen gleichwertig als Biologika-Erstlinientherapie. [1]
## Physiotherapie als unverzichtbare Säule
Regelmäßige gezielte Bewegungstherapie ist bei Morbus Bechterew nicht nur empfehlenswert, sondern medizinisch notwendig. Dehnungs- und Stabilitätsübungen – mindestens 30 Minuten täglich – sind der wichtigste nicht-medikamentöse Beitrag zur Verhinderung der Versteifung. Rauchen verdoppelt nachweislich die Progressionsrate und sollte unbedingt beendet werden. [2]
## Diagnose und Anlaufstellen
Bei typischen Symptomen – entzündlicher Rückenschmerz unter 45 Jahren, Morgensteifheit, familiäre Vorbelastung oder bekanntes HLA-B27 – ist eine frühzeitige Vorstellung beim Rheumatologen wichtig. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) bietet eine Rheumatologenfinder-Datenbank an. In Deutschland gibt es zudem zertifizierte Behandlungszentren für axSpA. [2]
**Tipp:** Digitale Symptom-Tagebücher und Rheuma-Apps können helfen, den Krankheitsverlauf zu dokumentieren und Muster zu erkennen. Passende Tools findest du im Bestes-Portal unter [Gesundheitstagebuch](/#gesundheitstagebuch).
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**Quellen:**
[1] ASAS/EULAR: "Recommendations for the management of axial spondyloarthritis." Annals of the Rheumatic Diseases, 2024. https://ard.bmj.com/content/83/1/4
[2] Deutsche Rheuma-Liga: "Morbus Bechterew – Informationen für Betroffene." 2024. https://www.rheuma-liga.de/morbus-bechterew