Studie
Von Redaktion

Metabolischer BMI: Uni Leipzig-Studie deckt versteckte Stoffwechselstörungen auf

Uni Leipzig entwickelt metabolischen BMI (metBMI): Normalgewichtige mit hohem metBMI haben 5× höheres Diabetes-Risiko. Was die Nature-Medicine-Studie 2026 bedeutet.

Der klassische Body-Mass-Index (BMI) zeigt, ob jemand Übergewicht hat. Was er nicht zeigt: ob der Stoffwechsel trotz normalen Körpergewichts bereits aus dem Gleichgewicht geraten ist. Genau hier setzt eine internationale Forschungsarbeit an, die im Januar 2026 in der Fachzeitschrift Nature Medicine erschien. Wissenschaftler der Universität Leipzig und der Universität Göteborg haben ein KI-gestütztes Modell entwickelt, das Stoffwechselrisiken erkennt, die der klassische BMI übersieht – den sogenannten metabolischen BMI (metBMI). [1] ## Warum der klassische BMI an Grenzen stößt Der BMI berechnet sich aus Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergröße in Metern zum Quadrat. Er ist einfach zu erheben, kostenlos und international standardisiert – weshalb er seit Jahrzehnten als Standardwert in Arztpraxen, Krankenakten und Studien verwendet wird. Das Problem: Körpergewicht sagt nichts darüber aus, wie das Fettgewebe verteilt ist oder wie gesund der Stoffwechsel funktioniert. Bis zu 30 Prozent der Menschen, die nach klassischem BMI als normalgewichtig gelten, zeigen bereits messbare Störungen des Glukose- oder Fettstoffwechsels – ein Phänomen, das in der Medizin als "metabolisch obese normal weight" (MONW) bezeichnet wird. Umgekehrt gibt es Menschen mit hohem BMI, die metabolisch weitgehend gesund sind. Allein der BMI-Wert führt in diesen Fällen zu Fehleinschätzungen. [2] ## Wie der metBMI funktioniert Das Forschungsteam aus Leipzig und Göteborg nutzte Daten aus zwei großen schwedischen Bevölkerungsstudien mit insgesamt knapp 2.000 Teilnehmern. Neben klassischen Gesundheitswerten wurden umfangreiche Laboranalysen durchgeführt: Blutproben auf mehr als 1.000 Stoffwechselprodukte (Metaboliten) sowie Proben der Darmbakterienzusammensetzung. Mit Hilfe von Machine-Learning-Algorithmen identifizierten die Wissenschaftler ein reduziertes Panel aus 66 Metaboliten, das nahezu die gleiche Aussagekraft für Stoffwechselrisiken besaß wie die vollständige Messung aller 1.000 Marker. Das Modell kombiniert diese Blutwerte zu einem einzigen Score – dem metBMI. [1] ## Die wichtigsten Ergebnisse Das zentrale Ergebnis: Normalgewichtige Personen mit hohem metBMI haben ein bis zu fünffach erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes und Fettleber im Vergleich zu Normalgewichtigen mit niedrigem metBMI. Ihr Risiko liegt damit auf einem ähnlichen Niveau wie das übergewichtiger Personen. Ein zweiter wichtiger Befund betrifft das Darmmikrobiom: Menschen mit hohem metBMI hatten eine geringere bakterielle Vielfalt im Darm. Ihr Mikrobiom zeigte zudem ein reduziertes Potenzial, Ballaststoffe in kurzkettige Fettsäuren – insbesondere Buttersäure – umzuwandeln. Buttersäure gilt als wichtiger Schutzfaktor für die Darmschleimhaut und hat entzündungshemmende Eigenschaften. [1] "Der metabolische BMI gibt uns ein viel differenzierteres Bild als der klassische BMI", erläuterte Prof. Michael Stumvoll, Direktor der Klinik für Endokrinologie und Nephrologie am Universitätsklinikum Leipzig, in der Pressemitteilung der Universität Leipzig vom 7. Januar 2026. "Menschen mit normalem Gewicht, aber ungesundem Stoffwechsel fallen bisher durch das Raster – der metBMI kann das ändern." [1] ## Was das für die Praxis bedeutet Noch ist der metBMI kein Standardtest in Arztpraxen. Das 66-Metaboliten-Panel erfordert spezielle Laboranalysen, die aufwändiger und teurer sind als eine einfache Blutabnahme. Bis eine praxistaugliche Variante verfügbar ist, dürften noch einige Jahre vergehen. Dennoch hat die Studie unmittelbar praktische Relevanz – für die Frage, wem besondere Aufmerksamkeit in der Prävention gelten sollte. Aktuell empfiehlt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) für normalgewichtige Personen ohne weitere Risikofaktoren keine regelmäßigen Stoffwechsel-Screens. Das könnte sich ändern, wenn kostengünstige Proxies für den metBMI – etwa bestimmte Blutmarker – identifiziert werden. ## Wer besonders auf den Stoffwechsel achten sollte Unabhängig vom metBMI gibt es Risikoprofile, bei denen eine engmaschigere Kontrolle des Glukose- und Fettstoffwechsels sinnvoll ist: - Familiäre Vorbelastung für Typ-2-Diabetes oder Herzerkrankungen - Bauchbetontes Übergewicht (Taillenumfang > 88 cm bei Frauen, > 102 cm bei Männern) - Bluthochdruck oder erhöhte Triglyzeridwerte - Wenig körperliche Aktivität bei gleichzeitig ballaststoffarmer Ernährung Ein Arzt kann durch den Check-up 35 (ab 35 Jahren, alle drei Jahre kostenfrei von der GKV übernommen) Blutfette, Blutzucker und Blutdruck messen lassen. Dabei zeigen sich erste Hinweise auf Stoffwechselstörungen – auch ohne Übergewicht. ## Was die Forschung langfristig verspricht Die Studie ist Teil eines wachsenden Forschungsfeldes, das klassische Messwerte durch Biomarker-basierte Präzisionsmedizin ergänzt. In der Diabetesforschung, der Kardiologie und der Onkologie gibt es ähnliche Ansätze: einzelne Risikowerte durch mehrdimensionale Profile zu ersetzen, die individuelle Stoffwechselprozesse besser abbilden. Das Deutsches Ärzteblatt und Medscape Deutschland berichteten über die Leipziger Studie als einen der bedeutsamen Beiträge zur metabolischen Diagnostik des Jahres 2026 – mit Potenzial, Präventionsstrategien für eine bislang übersehene Risikogruppe zu schärfen. [2] ## Ernährung und Lebensstil: Was den Stoffwechsel wirklich beeinflusst Auch ohne metBMI-Messung gibt es gut belegte Lebensstilfaktoren, die den Stoffwechsel positiv beeinflussen. Das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) empfiehlt: **Ballaststoffe erhöhen:** Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse und Nüsse fördern die Vielfalt der Darmbakterieen und damit die Produktion von Buttersäure – genau jene Verbindung, die in der Leipziger Studie bei Personen mit hohem metBMI reduziert war. **Zuckerzufuhr senken:** Industriell verarbeitete Lebensmittel mit hohem Anteil an freiem Zucker und Fruktose-Glukose-Sirup belasten die Leber und begünstigen Insulinresistenz – ein früher Schritt auf dem Weg zu Typ-2-Diabetes. **Regelmäßige Bewegung:** Ausdauertraining verbessert die Insulinsensitivität der Muskelzellen messbar – unabhängig von Gewichtsveränderungen. Schon 150 Minuten moderate Aktivität pro Woche (z. B. zügiges Gehen) zeigen positive Stoffwechseleffekte laut Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Digitale Gesundheitsbegleiter für Prävention und Stoffwechsel findest du auf bestes.com/services. --- **Quellen:** [1] Universität Leipzig, Pressemitteilung vom 07.01.2026: "Neuer BMI deckt versteckte Stoffwechselstörung auf." https://www.uni-leipzig.de/newsdetail/artikel/neuer-bmi-deckt-versteckte-stoffwechselstoerung-auf-2026-01-07 [2] Deutsches Ärzteblatt: "Neuer metabolischer BMI signalisiert Krankheitsrisiko besser." https://www.aerzteblatt.de/news/neuer-metabolischer-bmi-signalisiert-krankheitsrisiko-besser-f1462670-7dba-49a3-9e00-8c5250a316c0 [3] Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): "Neuer metabolischer BMI entwickelt." https://www.bzfe.de/presse/pressemeldungen-archiv/neuer-metabolischer-bmi-entwickelt

Die Bestes-App

Gesundheit, die kostenlos in deiner Tasche ist.

Quiz, Vorsorge, KI-Coach und mehr — für dich und deine Familie. Jetzt im App Store und bei Google Play.