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Von Bestes.com Redaktion
Makuladegeneration 2026: Feuchte AMD behandelbar – trockene Form wartet noch auf Europa-Zulassung
AMD ist die häufigste Erblindungsursache ab 60. Feuchte AMD: Anti-VEGF-Therapien wirken. Für trockene AMD fehlt EU-Zulassung noch – trotz US-Fortschritten.
Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist in Deutschland und Europa die häufigste Ursache für schwere Sehbeeinträchtigung und rechtliche Erblindung bei Menschen über 60 Jahren. Rund 4,5 Millionen Deutsche sind betroffen, jedes Jahr kommen schätzungsweise 50.000 Neuerkrankungen hinzu. Im Oktober 2024 zog der Pharmahersteller Astellas seinen Antrag auf Marktzulassung des trockenen AMD-Medikaments Avacincaptad Pegol (IZERVAY) in der EU zurück – kurz nachdem die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) bereits im September 2024 den Antrag für Pegcetacoplan (SYFOVRE) zum zweiten Mal abgelehnt hatte. Ein Meilenstein, der europaweit Patienten und Augenärzte aufhorchen ließ.
## Was ist die Makuladegeneration?
Die Makula – auch "gelber Fleck" genannt – ist das Zentrum der Netzhaut und verantwortlich für das scharfe Sehen: Lesen, Gesichtserkennung, Autofahren. Bei AMD werden die Photorezeptorzellen in diesem Bereich nach und nach zerstört.
Man unterscheidet zwei Hauptformen:
### Trockene AMD (atrophische Form)
Mit rund 80–90 Prozent aller Fälle die häufigste Form. Sie entwickelt sich langsam über Jahre. Drusen (Ablagerungen) bilden sich unter der Netzhaut, später stirbt Gewebe ab – man spricht von geografischer Atrophie (GA). Bis 2024 gab es keine zugelassene Therapie in Europa.
### Feuchte AMD (neovaskuläre Form, nAMD)
Wächst schnell und kann innerhalb von Wochen zu starkem Sehverlust führen. Krankhaft neu gebildete Blutgefäße wachsen unter die Netzhaut und lecken Flüssigkeit. Diese Form ist – wenn rechtzeitig erkannt – gut behandelbar.
## Feuchte AMD: Anti-VEGF-Therapien als Goldstandard
Der entscheidende Durchbruch in der nAMD-Therapie gelang mit der Entwicklung von Anti-VEGF-Medikamenten, die den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor (VEGF) hemmen und so das Wachstum krankhafter Blutgefäße stoppen.
Zu den zugelassenen Wirkstoffen gehören Ranibizumab (Lucentis), Aflibercept (Eylea), Bevacizumab (off-label) und seit 2022 Faricimab (Vabysmo) – der erste bispezifische Antikörper, der gleichzeitig VEGF-A und Angiopoietin-2 blockiert. Im Februar 2024 folgte Hochdosis-Aflibercept 8 mg (Eylea 8 mg), das längere Spritzintervalle ermöglicht: bis zu 16 Wochen statt bisher 8 Wochen.
"Durch die neuen Wirkstoffe müssen Patienten deutlich seltener zur Praxis kommen und erhalten dennoch eine gleichwertige oder sogar bessere Krankheitskontrolle", erläutert Prof. Dr. Frank Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn, in der Pharmazeutischen Zeitung. Diese Verbesserung der Lebensqualität – weniger Krankenhausbesuche, weniger Augeninjektionen – ist für ältere Patienten erheblich.
## Port Delivery System: weniger Spritzen durch Reservoir im Auge
Ein weiteres Novum ist das Port Delivery System (PDS), das seit Mitte 2025 in ausgewählten deutschen Augenkliniken verfügbar ist. Dabei wird ein winziges Medikamentenreservoir (mit Ranibizumab) in einem kurzen chirurgischen Eingriff unter die Bindehaut implantiert und kann in festgelegten Abständen über eine Kanüle nachgefüllt werden. Patienten benötigen damit deutlich weniger klassische intravitreale Injektionen.
## Trockene AMD: Europa wartet auf wirksame Therapie
Für die geografische Atrophie – das Endstadium der trockenen AMD – gibt es in der EU weiterhin keine zugelassene Behandlung. In den USA wurden 2023 zwei Medikamente zugelassen:
- **Pegcetacoplan (SYFOVRE, Apellis):** hemmt Komplementfaktor C3
- **Avacincaptad pegol (IZERVAY, Astellas):** hemmt Komplementfaktor C5
Beide bremsen nachweislich das Fortschreiten der geografischen Atrophie – die Fläche wächst in Studien langsamer. Die EMA stufte dies jedoch als nicht ausreichend für einen klinisch bedeutsamen Nutzen für Patienten ein: Sehschärfe und Lebensqualität verbesserten sich in den Studien nicht signifikant. Im September 2024 lehnte die EMA Pegcetacoplan zum zweiten Mal ab; im Oktober 2024 zog Astellas seinen Antrag für Avacincaptad Pegol zurück.
Für betroffene Patienten bleibt vorerst nur präventive Unterstützung: Antioxidantive Nahrungsergänzungsmittel nach dem AREDS2-Schema (Vitamin C, E, Lutein, Zeaxanthin, Zink) können das Fortschreiten von einer frühen zu einer späten AMD um etwa 25 Prozent verlangsamen.
## Gentherapie und Implantate: Hoffnung für die Zukunft
In klinischen Studien befindet sich die Gentherapie RGX-314 (REGENXBIO), die eine einmalige Injektion ermöglicht, nach der das Auge dauerhaft Anti-VEGF-Protein produziert. Frühphasenstudien zeigen vielversprechende Ergebnisse. Auch Photobiomodulation – Laserbehandlung zur Aktivierung der Netzhaut – wird bei früher trockener AMD erprobt, ist aber noch nicht standardisiert.
Für Hochrisikopatienten mit großen Drusen oder Pigmentepithelveränderungen empfehlen Augenfachgesellschaften engmaschige Kontrolluntersuchungen alle 6–12 Monate sowie Selbstkontrollen mit dem Amsler-Gitter zu Hause.
## Früherkennung entscheidet
AMD entwickelt sich schleichend – viele Betroffene bemerken Veränderungen erst im fortgeschrittenen Stadium. Warnsignale sind: verzerrtes Sehen, blinde Flecken im Zentrum, Probleme beim Lesen feiner Schrift oder bei schlechtem Licht. Bei diesen Symptomen sollte umgehend ein Augenarzt aufgesucht werden – besonders bei bekannten Risikofaktoren wie Rauchen, positiver Familienanamnese und hellem Irispigment.
Ab 40 Jahren empfehlen Fachgesellschaften eine regelmäßige augenärztliche Kontrolluntersuchung, ab 60 Jahren mindestens alle zwei Jahre. Moderne OCT-Geräte (Optische Kohärenztomografie) erkennen frühe AMD-Veränderungen, bevor sie sich auf das Sehvermögen auswirken.
## Lebensstilfaktoren: Was Betroffene selbst tun können
Rauchen ist der bedeutendste vermeidbare Risikofaktor für AMD und beschleunigt den Krankheitsverlauf erheblich. Rauchende haben ein zwei- bis dreifach erhöhtes AMD-Risiko; Rauchentwöhnung senkt dieses Risiko nachweislich. Weitere Schutzfaktoren: Sonnenschutz für die Augen (UV-Filtergläser), mediterrane Ernährung mit luteinreichen Lebensmitteln (Spinat, Grünkohl) sowie regelmäßige körperliche Aktivität.
Auf bestes.com finden Sie Informationen zu Augenheilkunde-Apps sowie Orientierungshilfen für die Arztsuche.
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**Quellen:**
- EMA: Beschluss zur Ablehnung von SYFOVRE (Pegcetacoplan), September 2024; https://www.ema.europa.eu
- Astellas: Pressemitteilung Rückzug EU-Zulassungsantrag Avacincaptad Pegol, Oktober 2024; https://newsroom.astellas.com
- Pharmazeutische Zeitung: "Altersabhängige Makuladegeneration: Neue Therapien mit längerer Wirkdauer"; https://www.pharmazeutische-zeitung.de
- Klinikum Dortmund: "Neue Hoffnung bei feuchter Makuladegeneration" (Juli 2025); https://www.klinikumdo.de
- DBSV: Makula-Behandlung; https://www.dbsv.org/makula-behandlung.html