Krankenkassen Studie
Von Redaktion

Lungenkrebs-Screening ab April 2026: Diese Raucher haben jetzt Anspruch

G-BA: Ab April 2026 ist Lungenkrebs-Screening per Niedrigdosis-CT Kassenleistung für Raucher 50–75 Jahre mit 15+ Packungsjahren. So melden Sie sich an.

Ab April 2026 erhalten starke Raucherinnen und Raucher in Deutschland Anspruch auf eine jährliche Niedrigdosis-CT zur Lungenkrebs-Früherkennung – kostenlos über die gesetzliche Krankenversicherung. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat den Beschluss Ende März 2026 offiziell freigegeben. Es ist das erste neue Krebsfrüherkennungsprogramm für Erwachsene in Deutschland seit Jahren – und für Hunderttausende Betroffene potenziell lebensrettend.

Wer hat Anspruch auf das Screening?

Das neue Programm richtet sich an aktive und ehemalige Raucherinnen und Raucher zwischen 50 und 75 Jahren, die mindestens 15 Packungsjahre geraucht haben. Ein Packungsjahr entspricht einer Schachtel täglich über ein Jahr. Ehemalige Raucher sind eingeschlossen, sofern der Nikotinstopp weniger als zehn Jahre zurückliegt. In Deutschland erfüllen schätzungsweise vier bis fünf Millionen Menschen diese Kriterien.

Wer teilnehmen möchte, spricht zuerst mit seinem Hausarzt oder Lungenfacharzt. Dieser klärt über Nutzen und Risiken auf – vor allem über das Risiko falsch-positiver Befunde, die unnötige Folgeuntersuchungen auslösen können. Erst nach dieser Beratung erfolgt die Überweisung zur qualifizierten radiologischen Praxis.

Was ist eine Niedrigdosis-CT und warum ist sie effektiv?

Bei der Niedrigdosis-Computertomographie (NDCT) wird die Lunge mit deutlich geringerer Strahlenbelastung als bei einer herkömmlichen CT untersucht – vergleichbar mit etwa drei Röntgenaufnahmen des Brustkorbs. Die Untersuchung dauert weniger als zehn Minuten, erfordert keine Vorbereitung und ist schmerzfrei.

Die wissenschaftliche Grundlage ist stark: In der NLST-Studie (USA, n=53.000 Hochrisiko-Raucher) sank die Lungenkrebs-Sterblichkeit in der Screening-Gruppe um 20 Prozent gegenüber Röntgen-Screening. Die europäische NELSON-Studie (n=15.792) zeigte bei Männern sogar eine Reduktion der Lungenkrebs-Sterblichkeit um 24 Prozent nach zehn Jahren. Früh erkannter Lungenkrebs im Stadium I hat eine Fünfjahresüberlebensrate von über 70 Prozent – bei Diagnose im Stadium IV sind es weniger als zehn Prozent.

Neue GOPs ab 1. April 2026

Zum Start des Programms hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) acht neue Gebührenordnungspositionen in den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) aufgenommen: für die ärztliche Beratung, die NDCT-Untersuchung, die Zweitbefundung bei auffälligem Befund sowie für die Beratung im Falle eines abklärungsbedürftigen Befundes. Damit ist die Vergütung für Radiologen und überweisende Ärzte klar geregelt.

Wichtig: Nicht alle Radiologien dürfen das Screening durchführen. Um die Qualität zu sichern, müssen teilnehmende Praxen besondere Qualifikationsanforderungen erfüllen – zertifizierte Radiologen, kalibrierte Geräte und strukturierte Befundprotokolle nach LUNG-RADS-Klassifikation.

Kritik: Hochrisikopatienten ohne GKV-Schutz?

Fachverbände begrüßen das Screening grundsätzlich, kritisieren aber die Altersgrenze von 50 Jahren als zu restriktiv. Nach Hochrechnungen werden rund 15 Prozent aller Lungenkrebspatienten, die die Rauchkriterien erfüllen, durch das Alter ausgeschlossen. Eine Re-Evaluation der Altersgrenzen ist für 2027 angekündigt. Für Betroffene unter 50 Jahren oder mit weniger als 15 Packungsjahren bleibt die Diagnosemöglichkeit über den behandelnden Pneumologen auf Einzelfallbasis.

Rauchstopp: Der effektivste Schutz bleibt unverändert

Das neue Screening entbindet nicht von der wichtigsten Präventionsmaßnahme: dem Rauchstopp. Wer mit dem Rauchen aufhört, senkt das Lungenkrebsrisiko nach zehn Jahren auf fast das Niveau von Nichtrauchern. Raucherentwöhnung ist Kassenleistung – verhaltenstherapeutische Kurse, Nikotinersatztherapie und seit 2024 das Medikament Vareniclin werden von vielen Kassen vollständig erstattet. Hausärzte können direkt überweisen oder eine Beratung im Rahmen des Check-ups anbieten.

Der kombinierte Ansatz (Screening plus Rauchstopp-Unterstützung) bringt den größten Nutzen. Wer nicht aufhören kann, sollte das Screening als Sicherheitsnetz nutzen – aber nicht als Freifahrtschein. Beide Maßnahmen zusammen bieten die beste Schutzwirkung.

Was bedeutet das für Betroffene?

Wer die Kriterien erfüllt – zwischen 50 und 75 Jahre alt, mindestens 15 Packungsjahre – sollte das Gespräch mit dem Hausarzt suchen. Das Screening ist freiwillig und kostenlos. Ein normaler Befund entlastet psychologisch. Ein auffälliger Befund bedeutet nicht zwangsläufig Krebs – die meisten auffälligen Befunde (Lungenknoten) sind gutartig und erfordern nur Verlaufskontrollen.

Häufige Fragen

Muss ich zur Untersuchung nüchtern erscheinen?
Nein. Die NDCT erfordert keine Nüchternheit oder Vorbereitung.

Was passiert, wenn ein Knoten gefunden wird?
Das hängt von Größe und Form ab. Kleine Knoten unter sechs Millimeter brauchen meist nur eine Jahreskontrolle. Größere erfordern eine zeitnahe Folge-CT.

Zahlt die Kasse auch das Beratungsgespräch?
Ja. Beratungsgespräche vor und nach dem Screening sind Kassenleistung.

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Internationaler Vergleich: Deutschland holt auf

Die USA haben das LDCT-Screening für Hochrisiko-Raucher bereits 2013 nach den NLST-Ergebnissen eingeführt. Großbritannien und die Niederlande folgten bis 2021. Deutschland war damit im internationalen Vergleich deutlich verspätet. Experten der Deutschen Krebsgesellschaft hatten das Programm jahrelang gefordert – die Datenlage war eindeutig, der politische Prozess langwierig.

In England wurden in den ersten drei Jahren des NHS-Programms fast 4.000 Lungenkrebsfälle früh erkannt, die ohne Screening unentdeckt geblieben wären. 74 Prozent davon wurden im Stadium I oder II erkannt – stadien mit guten Heilungschancen. Diese Zahlen zeigen, welches Potenzial nun auch in Deutschland gehoben werden kann.

Kombinierter Ansatz: Screening plus Rauchstopp-Programm

Die Pneumologische Gesellschaft empfiehlt, das neue Screening mit einer aktiven Rauchstopp-Beratung zu verbinden. Studien zeigen: Wer beim Screening-Termin gleichzeitig auf Raucherentwöhnung angesprochen wird, hört signifikant häufiger auf. Die Kombination wirkt synergistisch – Screening motiviert und der Rauchstopp senkt langfristig das Erkrankungsrisiko deutlich stärker als das Screening allein.

Hausärzte können die Rauchstopp-Beratung direkt im Rahmen des Präventionsgesprächs durchführen. Hierfür gibt es kodierbare GOPs, die die Beratungszeit vergüten.

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