Long COVID: Forscher entdecken Immunzell-Muster als Ursache der Fatigue
Forscher identifizieren Immunzell-Muster als Ursache von Long-COVID-Fatigue. Nature-Immunology-Studie März 2026 gibt neue Hoffnung für Therapien.
Warum sind manche Menschen nach einer Corona-Infektion monatelang erschöpft? Forscherinnen und Forscher haben jetzt einen wichtigen Hinweis gefunden: Eine bestimmte Art weißer Blutkörperchen zeigt bei Long-COVID-Patienten ein dauerhaft verändertes Aktivierungsmuster – und das könnte erklären, warum Fatigue und Atemprobleme manchmal jahrelang anhalten. Die Studie erschien am 25. März 2026 im Fachjournal Nature Immunology und gilt als bisher klarster biologischer Fingerabdruck der Erkrankung.
Was die Forscher entdeckt haben
Ein internationales Forschungsteam untersuchte Immunzellen von Long-COVID-Patienten im Vergleich zu Menschen, die nach einer Corona-Infektion vollständig genasen. Der Fokus lag auf CD14-positiven Monozyten – einer Untergruppe weißer Blutkörperchen, die eine Schlüsselrolle bei der Immunabwehr spielen. Monozyten zirkulieren im Blut, wandern in Gewebe ein und koordinieren Entzündungsreaktionen.
Bei Long-COVID-Patienten zeigten diese Monozyten einen charakteristischen molekularen Zustand: Sie waren dauerhaft überaktiv, schütteten entzündungsfördernde Botenstoffe aus und zeigten gleichzeitig Zeichen von Erschöpfung – ähnlich wie Immunzellen, die sich jahrelang gegen einen chronischen Entzündungsherd wehren. Dieser Zustand wird als "immune exhaustion with chronic inflammation" bezeichnet – chronische Entzündung kombiniert mit gleichzeitiger Immunerschöpfung.
Der Zusammenhang mit Fatigue und Atemproblemen
Besonders auffällig: Das veränderte Immunzell-Muster war am stärksten ausgeprägt bei Patienten, die über anhaltende Erschöpfung und Atemprobleme klagten. Patienten mit nur einem der beiden Symptome zeigten das Muster schwächer. Bei Patienten ohne Long COVID war es kaum nachweisbar.
Dies deutet darauf hin, dass die Immunzell-Dysregulation nicht nur ein Zufallsbefund ist, sondern tatsächlich mit den schlimmsten Long-COVID-Symptomen zusammenhängt. "Das ist der bisher klarste biologische Fingerabdruck für Long-COVID-Fatigue, den wir haben", sagte Studienautorin Dr. Sarah Mitchell von der University of Edinburgh gegenüber ScienceDaily. Besonders interessant: Das Muster war bei Patienten besonders häufig, die ursprünglich nur einen milden oder mittelschweren COVID-19-Verlauf hatten – und trotzdem Long COVID entwickelten.
Warum das wichtig für neue Behandlungen ist
Derzeit gibt es keine zugelassene Therapie für Long COVID. Die Entdeckung des Monozyten-Musters eröffnet nun einen neuen Ansatzpunkt: Medikamente, die chronische Immunaktivierung dämpfen, könnten theoretisch helfen. Einige davon – wie JAK-Hemmer oder bestimmte entzündungshemmende Mittel – werden bereits in klinischen Studien gegen Long COVID getestet.
Die Forscher identifizierten außerdem spezifische molekulare Signalwege, die bei Long COVID dauerhaft aktiviert sind. Diese könnten als Ziele für gezielte Therapien dienen. Das RECOVER-Programm der NIH in den USA sowie das deutsche Long-COVID-Netzwerk koordinieren entsprechende Studien.
Das Ausmaß des Problems in Deutschland
In Deutschland sind nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts zwischen 500.000 und einer Million Menschen von Long COVID betroffen, viele davon mit eingeschränkter Arbeitsfähigkeit. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2023 schätzte, dass etwa einer von zehn Menschen nach einer SARS-CoV-2-Infektion Long-COVID-Symptome entwickelt. Besonders betroffen sind Frauen, Menschen zwischen 35 und 55 Jahren sowie Personen mit bestehenden Grunderkrankungen. Auch Menschen, die nie im Krankenhaus lagen, können Long COVID entwickeln.
Was Betroffene jetzt tun können
Eine direkte Behandlung aus dieser Studie ergibt sich noch nicht. Für Betroffene empfehlen Experten weiterhin: strukturiertes Aktivitätsmanagement (Pacing), Vermeidung von Überbelastung (Post-Exertional Malaise), und ärztliche Abklärung weiterer Symptome. In Deutschland gibt es spezialisierte Long-COVID-Ambulanzen an größeren Universitätskliniken wie der Charité Berlin, dem Universitätsklinikum Frankfurt und dem LMU Klinikum München.
Häufige Fragen
Ab wann spricht man von Long COVID?
Wenn Symptome wie Erschöpfung, Kurzatmigkeit oder Konzentrationsprobleme mehr als 12 Wochen nach der akuten Infektion anhalten und nicht durch eine andere Erkrankung erklärt werden können. Die WHO hat Long COVID 2021 offiziell als eigenständiges Krankheitsbild anerkannt. Typische Symptome sind Fatigue, Hirnnebel (brain fog), Atemnot und Herzrasen.
Gibt es in Deutschland Anlaufstellen für Long-COVID-Patienten?
Ja. Viele Universitätskliniken betreiben spezialisierte Long-COVID-Ambulanzen. Erste Anlaufstelle ist der Hausarzt, der gezielt zu Spezialisten für Innere Medizin, Pulmonologie oder Neurologie überweisen kann. Finde Internisten und Pneumologen in deiner Nähe auf bestes.com/services.