Studie
Von Bestes.com Redaktion
PanDerm: KI erkennt Melanome zuverlässiger als Hautärzte
PanDerm-Studie Nature Medicine 2025: KI erkennt Melanome 10% besser als Fachärzte. Was das für Früherkennung bedeutet.
Ein KI-System namens PanDerm erkennt Melanome im Frühstadium um zehn Prozent genauer als erfahrene Dermatologen. Das zeigt eine Studie unter Leitung der Monash University Melbourne, der University of Queensland und der Medizinischen Universität Wien, publiziert im Fachjournal Nature Medicine im Juni 2025. [1]
Besonders auffällig: Nicht-spezialisierte Ärzte erreichten mit PanDerm-Unterstützung eine um 17 Prozent höhere Diagnosegenauigkeit als ohne KI-Hilfe. Das könnte die Früherkennung von Hautkrebs deutlich verbessern – gerade in Regionen ohne ausreichend Dermatologen.
## Was PanDerm ist und wie es trainiert wurde
PanDerm ist ein multimodales KI-Modell, das auf über zwei Millionen echten Hautbildern aus elf Kliniken und vier verschiedenen Bildgebungsverfahren trainiert wurde. Das unterscheidet es von früheren KI-Ansätzen in der Dermatologie, die meist nur auf einem einzelnen Bild-Typ (z.B. Dermatoskopie) basierten.
Die Grundlage ist sogenanntes selbstüberwachtes Lernen: Das Modell lernte ohne aufwendige manuelle Beschriftung jedes Einzelbildes, sondern fand eigenständig Muster in den Bilddaten. Das erlaubte den Forschern, eine deutlich größere Datenmenge zu nutzen als mit herkömmlichen Methoden möglich wäre. [1]
Die Evaluation umfasste 28 klinische Testszenarien sowie drei Studien mit Medizinerinnen und Medizinern. Das System zeigte überzeugend bei:
- Unterscheidung von Muttermalen (gutartig) vs. Melanomen (bösartig)
- Erkennung von Frühstadien-Melanomen, bevor sie dem menschlichen Auge auffallen
- Risikoeinschätzung bei verdächtigen Hautveränderungen in der Dermatoskopie
- Differenzialdiagnose seltener Hauterkrankungen
"PanDerm kann aufgrund seiner diagnostischen Genauigkeit und Effizienz eine wertvolle Unterstützung für Ärztinnen und Ärzte sein", schreiben die Studienautoren. [1] Das Modell ist als Open Source verfügbar, was eine breite Nutzung und Weiterentwicklung durch Forschungsgruppen weltweit ermöglicht – ohne proprietäre Lizenzkosten.
## Warum Früherkennung bei Melanomen entscheidend ist
In Deutschland erkranken jährlich rund 25.000 Menschen neu am malignen Melanom (schwarzer Hautkrebs). Es ist der häufigste zum Tode führende Hautkrebs. Der entscheidende Faktor für die Heilungschancen ist der Zeitpunkt der Diagnose: Im Frühstadium mit einer Tumordicke unter einem Millimeter liegt die Zehn-Jahres-Überlebensrate bei über 90 Prozent. Im fortgeschrittenen Stadium mit Tochtergeschwülsten (Metastasen) sinkt sie auf unter 30 Prozent. [2]
Das Problem in der Versorgungsrealität: Dermatologen sind in Deutschland ungleich verteilt. In ländlichen Regionen können Wartezeiten auf einen Hautarzttermin mehrere Monate betragen. KI-gestützte Tools könnten helfen, diese Lücke zu schließen – als erste Einschätzung durch den Hausarzt oder als Triage-Instrument in der Primärversorgung.
## KI-Ganzkörperscanner: Systematisches Screening der gesamten Haut
Parallel zu Modellen wie PanDerm entwickeln sich KI-gestützte Ganzkörperscanner. Sie fotografieren die gesamte Körperoberfläche systematisch und bewerten jede auffällige Veränderung automatisch mit einem Risikowert. Das Deutsche Gesundheitsportal berichtete im September 2025 über erste klinische Einsätze. [3]
Solche Scanner sind besonders für Menschen mit erhöhtem Melanom-Risiko relevant: Wer mehr als 50 Muttermale hat, hellhäutig ist, eine familiäre Vorbelastung mitbringt oder in der Vergangenheit schwere Sonnenbrände erlitten hat, sollte regelmäßige Hautkontrollen einplanen. Der Ganzkörperscan kann dabei Veränderungen über Zeit dokumentieren, die für das bloße Auge kaum erkennbar wären – sogenannte serielle Dermatoskopie.
## Was das für die Praxis bedeutet
PanDerm ist aktuell ein Forschungs- und Klinik-Werkzeug, kein Consumer-Produkt. Für Patienten gibt es bereits CE-zugelassene KI-Apps zur Hautbildanalyse (z.B. von Dermanostic oder SkinVision), die aber nicht mit PanDerm gleichzusetzen sind. Sie ersetzen keine ärztliche Untersuchung, können aber als ergänzendes Instrument sinnvoll sein – etwa um zu entscheiden, ob ein Arztbesuch dringend ist oder ein Muttermal beobachtet werden sollte.
Wichtig: Keine App, auch keine noch so gute KI, ersetzt die Dermoskopie durch einen Facharzt mit einem Auflichtmikroskop. Das bleibt der Goldstandard. KI kann aber helfen, die begrenzte Kapazität von Dermatologen effizienter einzusetzen: Hausärzte könnten KI-Unterstützung nutzen, um auffällige Hautveränderungen gezielter zu selektieren – und so sicherstellen, dass jene Patientinnen und Patienten, bei denen es wirklich dringend ist, schnell einen Termin beim Spezialisten bekommen.
Das Heidelberger Klinikum entwickelte ergänzend ein KI-System für die Hautkrebs-Diagnostik, das seine Entscheidungen erklärt. Die Erklärungen steigerten das Vertrauen der Ärzte in die KI – und in die eigenen Diagnosen. Transparenz bei KI-Entscheidungen ist damit nicht nur ein regulatorisches Thema, sondern hat direkte klinische Relevanz. [3]
## Häufige Fragen
**Kann ich meine Muttermale per App selbst auf Krebs prüfen?**
KI-Apps für Hautbild-Analysen sind erhältlich, aber sie sind kein Ersatz für die dermatoskopische Untersuchung beim Hautarzt. Sie können als Ergänzung sinnvoll sein – etwa um zu entscheiden, ob ein Arztbesuch dringend ist.
**Ab wann ist der gesetzliche Hautkrebs-Check kostenfrei?**
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt ab 35 Jahren alle zwei Jahre einen Hautkrebs-Screening-Check beim Hausarzt oder Dermatologen. Wer Risikofaktoren hat – viele Muttermale, helle Haut, familiäre Melanom-Fälle, oder immunsuppressive Therapie –, kann früher und häufiger zur Untersuchung gehen. Dies sollte aktiv mit dem Dermatologen besprochen werden. Manche Kassen bieten darüber hinaus Sonderleistungen wie den Ganzkörper-Foto-Check als ergänzende Satzungsleistung an – lohnt sich, nachzufragen.
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**Quellen:**
[1] Medizinische Universität Wien, Juni 2025: "Neues AI-System zur Analyse von Hauterkrankungen getestet." https://www.meduniwien.ac.at/web/ueber-uns/news/2025/news-im-juni-2025/neues-ai-system-zur-analyse-von-hauterkrankungen-getestet/
[2] Biermann Medizin: "PanDerm steigert mithilfe von KI diagnostische Genauigkeit in der Dermatologie." https://biermann-medizin.de/panderm-steigert-mithilfe-von-ki-diagnostische-genauigkeit-in-der-dermatologie/
[3] Deutsches Gesundheitsportal, September 2025: "KI-gestützte Ganzkörperscanner in der Hautkrebs-Diagnostik." https://www.deutschesgesundheitsportal.de/2025/08/19/einsatz-von-ki-in-der-hautkrebs-diagnostik-ki-gestuetzte-ganzkoerperscanner-koennen-die-gesamte-koerperoberflaeche-mit-risikobewertung-jeder-auffaelligen-veraenderung-an-der-haut-darstellen/