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Von Redaktion

KI-Arzt-Assistent verlässt Europa: Was das für Patienten bedeutet

OpenEvidence, die meistgenutzte KI-Suchmaschine für Ärzte weltweit, hat ihren Dienst in der EU und im UK zum 30. April 2026 eingestellt – wegen regulatorischer Unsicherheit durch den EU AI Act.

Am 30. April 2026 hat OpenEvidence seinen Dienst für alle Nutzerinnen und Nutzer in der Europäischen Union und im Vereinigten Königreich ohne Vorwarnung abgeschaltet. Wer die App seitdem öffnet, sieht nur noch einen kurzen Hinweis: „Regulatorische Unsicherheit bezüglich der Behandlung von KI-Systemen" – und die Bitte, die eigene Stimme bei den zuständigen Behörden zu erheben.[1]

Was OpenEvidence ist – und warum das wichtig ist

OpenEvidence ist keine App für Patienten, sondern für Ärzte. Die Plattform kombiniert eine KI-gestützte Suchmaschine mit einem Chatbot, der ausschließlich auf medizinischen Fachjournalen und klinischen Datenbanken trainiert wurde – darunter das New England Journal of Medicine und Quellen der American Medical Association. Das Ziel: Ärztinnen und Ärzte sollen in Sekunden verlässliche, quellenbasierte Antworten auf klinische Fragen bekommen.

Laut eigenen Angaben wird OpenEvidence täglich von etwa 40 Prozent aller US-amerikanischen Ärzte in rund 10.000 Kliniken und medizinischen Zentren genutzt. Im Dezember 2025 verzeichnete die Plattform allein 18 Millionen klinische Konsultationen. Das Unternehmen wurde zuletzt mit rund zwölf Milliarden Dollar bewertet und hatte kurz vor dem Europa-Rückzug eine Finanzierungsrunde über 250 Millionen Dollar abgeschlossen.[1]

Warum Europa nicht mehr mitgemacht wird

Der Grund für die Abschaltung liegt im EU AI Act, dem weltweit ersten umfassenden KI-Regulierungsrahmen. Das Gesetz stuft KI-Systeme, die klinische Entscheidungen beeinflussen können, als „hochriskant" ein. Für solche Systeme gelten besonders strenge Anforderungen: umfangreiche Dokumentationspflichten, menschliche Aufsicht, Transparenz über Trainingsdaten und Konformitätsprüfungen durch Behörden.

OpenEvidence hat entschieden, dass der Aufwand, diese Anforderungen in Europa zu erfüllen, zu groß ist – jedenfalls vorerst. Das Unternehmen hat den Zugang nicht dauerhaft gesperrt, sondern auf Eis gelegt. Beobachter gehen davon aus, dass OpenEvidence früher oder später einen konformen Weg nach Europa finden wird, da Ressourcen und Markenbekanntheit vorhanden sind.[2]

Das UK ist formal nicht mehr EU-Mitglied, hat aber keinen eigenen verbindlichen Rahmen für den Einsatz von Hochrisiko-KI in der Medizin. OpenEvidence hat offensichtlich auch dort keine ausreichende Rechtssicherheit gesehen.

Was das für Patienten in Deutschland bedeutet

Direkt betroffen sind zunächst Ärztinnen und Ärzte, nicht Patienten. Wer bisher OpenEvidence als schnelles Nachschlagewerk für aktuelle Studienlage genutzt hat, muss auf andere Werkzeuge ausweichen – etwa Epocrates, Medscape oder klassische Fachdatenbanken wie PubMed.

Indirekt geht es jedoch um eine grundsätzlichere Frage: Wenn innovative KI-Werkzeuge wegen regulatorischer Unsicherheit Europa meiden, hat das Konsequenzen für die Qualität der medizinischen Versorgung. Früherer Zugang zu evidenzbasierter KI-Unterstützung könnte dazu beitragen, dass Ärzte schneller die relevante Literatur finden – besonders bei seltenen Erkrankungen oder neuen Therapieoptionen.

Für Patientinnen und Patienten, die selbst nach digitalen Gesundheitsangeboten suchen, ist der Fall OpenEvidence ein Signal: Der EU AI Act verändert gerade aktiv die Landschaft der verfügbaren digitalen Gesundheitstools. Einige Angebote werden abgeschaltet, andere neu zertifiziert, und europäische Alternativanbieter können in die entstehende Lücke stoßen. Wer nach geprüften digitalen Gesundheitsanwendungen sucht, findet in der Bestes-Datenbank einen aktuellen Überblick über in Deutschland zugelassene Apps und Dienste.

Häufige Fragen

Kann ich als Patient OpenEvidence trotzdem nutzen?

Nein. OpenEvidence richtet sich ausschließlich an Ärzte und medizinisches Fachpersonal und ist in der EU und im UK seit dem 30. April 2026 nicht mehr verfügbar. Es ist unklar, wann – oder ob – die Plattform zurückkehrt.

Was ist der EU AI Act und was bedeutet er für Gesundheits-Apps?

Der EU AI Act ist seit 2024 in Kraft und legt fest, welche KI-Systeme als hochriskant gelten. Dazu zählen unter anderem KI-Werkzeuge, die direkt medizinische Entscheidungen beeinflussen. Für solche Systeme gelten strenge Zulassungs- und Transparenzanforderungen. Apps, die nur allgemeine Gesundheitsinformationen bereitstellen, fallen in der Regel nicht in diese Kategorie.

Werden mehr KI-Gesundheits-Apps wegen des AI Acts Europa verlassen?

Das ist möglich. Experten beobachten, dass besonders US-amerikanische Anbieter mit komplexen KI-Modellen die Kosten für eine EU-Zertifizierung scheuen. Gleichzeitig entstehen europäische Alternativen, die von Anfang an auf die neuen Anforderungen ausgelegt sind.

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