Studie
Von Bestes.com Redaktion
Kälte und Herzinfarkt: An extremen Kältetagen steigt das Risiko um 33 Prozent
Weltweite Studie 27 Länder: An extremen Kältetagen steigt das Herzinfarkt-Risiko um 33 %. Herzstiftung warnt Risikopatienten für den Winter.
Wenn die Temperaturen im Winter fallen, steigt das Herzinfarktrisiko – das ist seit Jahrzehnten bekannt. Doch wie stark dieser Effekt wirklich ist, zeigt jetzt eine weltweite Beobachtungsstudie mit Daten aus 27 Ländern: An extremen Kältetagen erhöht sich das Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben, um 33 Prozent – verglichen mit moderaten Temperaturen [1]. In Deutschland sterben laut Herzstiftung allein durch kältebedingten Mehraufwand des Herzens jährlich Tausende Menschen, die es ohne den Kältestress möglicherweise nicht müssten.
## Wie Kälte das Herzinfarktrisiko erhöht
Der Körper reagiert auf Kälte mit einer Kaskade von physiologischen Veränderungen, die das Herz belasten. Die Blutgefäße verengen sich – eine Schutzreaktion, die die Körperkerntemperatur halten soll. Gleichzeitig steigt der Blutdruck, weil das Herz gegen den erhöhten Widerstand der verengten Gefäße pumpen muss. Die Herzfrequenz erhöht sich, und die Blutviskosität – also die Zähflüssigkeit des Blutes – nimmt zu. Gerinnungsproteine werden aktiviert [2].
Die Kombination dieser Effekte erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein bereits instabiler Arteriosklerose-Plaque in einer Herzkranzarterie aufbricht – was zum Herzinfarkt führt. Besonders riskant ist dabei die Kombination aus Kälte und körperlicher Anstrengung: Wer an einem frostigen Morgen Schnee schippt, setzt sein Herz einer Doppelbelastung aus [2].
## Die weltweite Studie: 27 Länder, klare Ergebnisse
Die Beobachtungsstudie, deren Ergebnisse auf aponet.de veröffentlicht wurden, analysierte Herzinfarkt-Todesfälle in 27 Ländern und verknüpfte sie mit Wetterdaten. Das Ergebnis war konsistent: An Tagen mit extremer Kälte (je nach Region unterschiedlich definiert, aber im unteren Fünftel der Jahrestemperaturen) war die kardiovaskuläre Sterblichkeit um 33 Prozent erhöht gegenüber moderaten Tagen [1]. Der Effekt war in gemäßigten Klimazonen stärker als in kälteren Regionen – was darauf hindeutet, dass nicht an extreme Kälte adaptierte Menschen besonders gefährdet sind.
In den USA wurden aus ähnlichen Studien 40.000 zusätzliche Herztode pro Jahr durch Kältewellen errechnet. Für Deutschland fehlen entsprechende Daten, aber angesichts vergleichbarer Klimabedingungen ist der Effekt ähnlich einzuordnen.
## Wer besonders aufpassen muss
Menschen mit vorbestehenden Herzerkrankungen, koronarer Herzkrankheit (KHK), Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern oder Bluthochdruck haben das höchste Risiko bei winterlicher Kälte. Aber auch scheinbar gesunde Menschen über 60 Jahre, Raucher und Menschen mit Übergewicht oder Diabetes sollten im Winter vorsichtig sein.
Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt für Risikopatienten: Blutdruck im Winter häufiger messen (kalte Temperaturen können den Blutdruck erhöhen), Medikamente konsequent nehmen, sich warm anziehen und den Oberkörper gut bedecken. Draußen keine plötzlichen intensiven Anstrengungen – Schneeräumen, schwere Lasten tragen, schnelles Rennen bei Frost sind potenzielle Auslöser [2].
## Warnzeichen erkennen – sofort handeln
Die Warnzeichen eines Herzinfarkts sollte jeder kennen: anhaltende Brustschmerzen oder Druckgefühl in der Brust, das in den Arm, Kiefer oder Rücken ausstrahlen kann; Atemnot; Schwindel und Übelkeit; kalter Schweiß; ungewöhnliche Erschöpfung. Bei diesen Symptomen sofort 112 rufen. Jede Minute zählt – "time is muscle" gilt buchstäblich: Je schneller der Herzinfarkt behandelt wird, desto weniger Herzmuskelgewebe geht unwiederbringlich verloren [2].
## Häufige Fragen
**Soll ich bei Herzproblemen im Winter Sport meiden?**
Nicht generell – regelmäßige moderate Bewegung schützt das Herz. Aber intensive Anstrengungen bei extremer Kälte sollten vermieden werden. Als Faustregel: Beim Sport draußen im Winter langsam beginnen, gut warm anziehen und auf Signale des Körpers hören. Bei ungewöhnlichen Symptomen sofort pausieren.
**Wie schütze ich mein Herz im Winter am besten?**
Warm anziehen, den Kopf bedecken, Alkohol als Wärmegefühl meiden (er erweitert Gefäße und kühlt den Körper), bei Kälte langsam beginnen und auf plötzliche Anstrengungen verzichten. Herzerkrankungen konsequent behandeln und Risikofaktoren reduzieren. Kardiologen und Hausärzte auf bestes.com/services.
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**Quellen:**
[1] aponet.de. "US-Studie: Mehr Herz-Kreislauf-Todesfälle bei niedrigen Temperaturen." März 2026. https://www.aponet.de/artikel/us-studie-mehr-herz-kreislauf-todesfaelle-bei-niedrigen-temperaturen-32968
[2] Deutsche Herzstiftung. "Vorsicht bei Minusgraden: Kälte kann fürs Herz gefährlich werden." Januar 2026. https://herzstiftung.de/service-und-aktuelles/presse/pressemitteilungen/herzinfarkt-gefahr-bei-kaelte
## Konkrete Schutzmaßnahmen im Winter-Check
Für Menschen mit Herzerkrankungen, Bluthochdruck oder Diabetes empfehlen Kardiologen und die Deutsche Herzstiftung ein winterliches Risiko-Check-up: Blutdruck mindestens einmal wöchentlich messen (Kälte erhöht ihn), Medikamente besonders zuverlässig nehmen, und bei geplanter körperlicher Aktivität im Freien den Hausarzt um eine Einschätzung bitten [2].
Interessant ist auch der Klimawandel-Effekt: Zwar werden Winter wärmer – aber extreme Kälteperioden wie im Winter 2025/26 nehmen durch veränderte atmosphärische Muster nicht zwingend ab. Gleichzeitig zeigen Studien, dass extreme Hitze im Sommer das Herzrisiko ähnlich stark erhöht wie extreme Kälte im Winter – der Körper reagiert bei beiden Extremen mit Gefäßveränderungen, die die Herzbelastung steigern.
Wer sich in der kalten Jahreszeit unwohl fühlt oder ungewohnte Symptome bemerkt: Lieber einmal zu viel den Arzt aufsuchen als zu spät. Herzinfarkt-Warnzeichen sind: Brustschmerzen, Atemnot, Übelkeit, Ausstrahlung in Arm oder Kiefer – Notruf 112. Kardiologen und Hausärzte auf bestes.com/services.
## Herzgesundheit aktiv schützen – ganzjährig
Kälte ist nur einer von vielen vermeidbaren Herzrisikofaktoren. Bluthochdruck – der stärkste modifizierbare Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall – betrifft in Deutschland rund 43 Prozent der Erwachsenen, oft unentdeckt. Die Stille Hypertonie entwickelt über Jahre keine Symptome und wird deshalb häufig zu spät behandelt. Ein Blutdruckmess-Gerät zu Hause, kombiniert mit regelmäßigen Arzt-Kontrollen, ist die wirksamste Einzelmaßnahme zur Herzprävention.
Weitere gesicherte Schutzmaßnahmen: mediterrane Ernährung (belegt durch PREDIMED-Studie), 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche, Rauchverzicht und stressreduzierende Maßnahmen. Kardiologen und Herzspezialisten auf bestes.com/services.