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Von Redaktion

Kaiserschnitt 2024: Jedes dritte Baby in Deutschland kommt per Schnittentbindung

Neue Destatis-Daten: 2024 kamen 33% aller Klinikgeburten per Kaiserschnitt zur Welt – Höchststand seit 1991. Was das für werdende Mütter bedeutet.

Jedes dritte Kind in Deutschland kommt heute per Kaiserschnitt auf die Welt. Das zeigen neue Daten des Statistischen Bundesamts (Destatis), die anlässlich des Internationalen Hebammentags am 5. Mai 2026 veröffentlicht wurden. Mit 33,0 Prozent erreichte die Kaiserschnittrate im Jahr 2024 den höchsten Wert seit der deutschen Wiedervereinigung – und hat sich damit seit 1991 mehr als verdoppelt.

Für werdende Mütter stellt sich die Frage: Was steckt hinter dieser Entwicklung, und was bedeutet das für die eigene Geburtsplanung?

Jedes dritte Baby per Kaiserschnitt – die Zahlen im Detail

Laut Destatis haben im Jahr 2024 insgesamt 654.600 Frauen im Krankenhaus entbunden. Davon kamen 215.900 Babys per Kaiserschnitt zur Welt – das entspricht einer Rate von 33,0 Prozent. Zum Vergleich: 1991 lag die Kaiserschnittrate noch bei 15,3 Prozent, hat sich also in gut drei Jahrzehnten mehr als verdoppelt.

Die natürliche Entbindung ist mit 60,1 Prozent weiterhin die häufigste Geburtsform. Eine Saugglocke wurde bei 6,7 Prozent der Geburten eingesetzt, eine Geburtszange bei 0,2 Prozent. Der Kaiserschnitt ist damit die häufigste operative Geburtsform in Deutschland und inzwischen fast so verbreitet wie in manchen südeuropäischen Ländern, die seit Jahren Spitzenwerte verzeichnen.

Warum steigt die Kaiserschnittrate seit Jahrzehnten?

Mediziner und Versorgungsforscher nennen mehrere Faktoren, die zusammenspielen:

Demografischer Wandel: Erstgebärende sind heute im Schnitt deutlich älter als in den 1990er-Jahren. Mit steigendem Alter der Mutter nehmen häufig auch Begleiterkrankungen zu, die eine Schnittentbindung medizinisch begünstigen.

Mehr Mehrlingsschwangerschaften: Durch assistierte Reproduktionstechnologien (IVF, ICSI) kommen häufiger Zwillinge oder Drillinge zur Welt – Mehrlingsschwangerschaften werden überwiegend per Kaiserschnitt entbunden.

Veränderte medizinische Standards: Niedrigere Eingriffsschwellen bei Lageanomalien (Steißlage), Geburtstillstand oder CTG-Auffälligkeiten führen heute häufiger zu einem Kaiserschnitt als noch vor 20 Jahren.

Strukturelle Anreize: Kritiker weisen darauf hin, dass ein Kaiserschnitt für Kliniken planbarer und teils lukrativer abzurechnen ist als eine vaginale Entbindung – ein Faktor, der die Entscheidung im Grenzfall beeinflussen kann.

Wunschkaiserschnitt: In einem messbaren, wenn auch kleinen Anteil der Fälle entscheiden sich Frauen aus persönlichen Gründen für eine geplante Schnittentbindung ohne zwingende medizinische Indikation.

Regionale Unterschiede: Hamburg 36,4% – Sachsen 27,4%

Die Kaiserschnittrate variiert erheblich zwischen den Bundesländern. Den höchsten Anteil verzeichnet Hamburg mit 36,4 Prozent, gefolgt vom Saarland (35,9 Prozent) und Hessen (35,6 Prozent). Am niedrigsten ist die Rate in Sachsen (27,4 Prozent), Brandenburg (27,6 Prozent) und Berlin (29,9 Prozent).

Diese Spanne von fast zehn Prozentpunkten lässt sich nicht allein mit Patientinnenmerkmalen erklären. Klinikgröße, Hebammenversorgung, regionale Geburtshilfekulturen und wirtschaftliche Anreize im Abrechnungssystem spielen laut Versorgungsforschern eine zusätzliche Rolle. Für Schwangere bedeutet das: Der Geburtsort beeinflusst die Wahrscheinlichkeit eines Kaiserschnitts messbar.

Risiken und Vorteile: Was Schwangere wissen sollten

Ein Kaiserschnitt ist ein etablierter, sicherer Eingriff – in bestimmten medizinischen Situationen kann er Leben retten. Dennoch ist er eine Bauchoperation mit eigenen Risiken, die bei der Entscheidung berücksichtigt werden sollten.

Mögliche Risiken für die Mutter:
Die Erholungszeit nach einem Kaiserschnitt ist länger als nach einer vaginalen Geburt (in der Regel vier bis sechs Wochen). Typische operative Komplikationen wie Wundinfektionen, Thrombosen oder Verwachsungen sind möglich. Bei späteren Schwangerschaften steigt das Risiko für Plazentaanomalien oder eine Uterusnarbe, die unter der Belastung einer erneuten Geburt Probleme bereiten kann.

Mögliche Risiken für das Neugeborene:
Kinder, die per Kaiserschnitt geboren werden, passieren den Geburtskanal nicht und werden daher nicht auf die gleiche Weise mit mütterlichen Bakterien kolonisiert. Verschiedene Studien untersuchen, ob das die Entwicklung des Mikrobioms und die Immunreifung beeinflusst. Zudem treten in den ersten Stunden nach einem Kaiserschnitt häufiger vorübergehende Atemprobleme auf, weil die Lunge nicht durch den Geburtskanal komprimiert wird.

Wann ist ein Kaiserschnitt eindeutig sinnvoll:
Bei Steißlage, Querlage, Plazenta praevia, drohender Uterusruptur oder akutem kindlichem Sauerstoffmangel ist der Kaiserschnitt der sichere Weg. Die Entscheidung sollte immer individuell und auf Basis einer fundierten ärztlichen Beratung fallen.

Was werdende Mütter jetzt tun können

Die steigende Kaiserschnittrate zeigt: Der Eingriff ist in Deutschland Routine – aber kein Schritt, der ohne Reflexion getroffen werden sollte. Wer informiert in die Geburtsplanung geht, ist besser vorbereitet, egal wie die Geburt verläuft.

Frühzeitig mit der Geburtsklinik sprechen: Welche Kaiserschnittrate hat die Klinik? Unter welchen Bedingungen wird dort ein Kaiserschnitt empfohlen? Was sind die Alternativen bei bestimmten Risikokonstellationen wie Steißlage?

Einen Geburtsplan erstellen: Eigene Wünsche und Befürchtungen im Gespräch mit Hebamme und Gynäkolog:in festhalten – auch für den Fall eines ungeplanten Kaiserschnitts.

Geburtsvorbereitungskurse besuchen: Eine gute Vorbereitung auf beide Geburtsszenarien – vaginal und operativ – reduziert Angst und verbessert das Geburtserlebnis unabhängig vom Ausgang.

Apps wie Flo Health helfen dabei, Schwangerschaftsverläufe strukturiert zu dokumentieren und besser vorbereitet in Gespräche mit dem medizinischen Team zu gehen.

Häufige Fragen zum Kaiserschnitt

Wie häufig ist ein Kaiserschnitt in Deutschland? Laut Statistischem Bundesamt kamen 2024 33,0 Prozent aller Klinikgeburten per Kaiserschnitt zur Welt – der höchste Wert seit der Wiedervereinigung.

Ist ein Kaiserschnitt gefährlicher als eine natürliche Geburt? In Notfallsituationen ist er oft die sicherere Option. Bei einem elektiven Wunschkaiserschnitt ohne medizinische Indikation ist das Komplikationsprofil etwas anders: Längere Heilungszeit für die Mutter, höheres Risiko für Atemprobleme beim Kind in den ersten Stunden.

Kann ich einen Kaiserschnitt auf Wunsch verlangen? Ja, ein Wunschkaiserschnitt ist möglich. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten jedoch nur bei medizinischer Notwendigkeit; fehlt eine Indikation, trägt die Patientin die Mehrkosten selbst.

Warum ist die Kaiserschnittrate in manchen Bundesländern so viel höher? Regional spielen neben medizinischen Faktoren auch Klinikstruktur, Hebammenversorgung und geburtshilfliche Traditionen eine Rolle. Hamburg liegt mit 36,4 Prozent fast zehn Prozentpunkte über Sachsen (27,4 Prozent).

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