Von Redaktion

Jo-Jo-Effekt: Weniger schädlich als gedacht – was eine neue Lancet-Studie zeigt

Wer abnimmt und wieder zunimmt, schadet sich weniger als befürchtet. Eine neue Analyse im Lancet widerlegt den Mythos vom ruinierten Stoffwechsel.

Wer kennt das nicht: Man nimmt ab, hält das Gewicht eine Weile und nimmt dann wieder zu. Der sogenannte Jo-Jo-Effekt ist für viele Menschen frustrierend – und er hat einen schlechten Ruf. Die weitverbreitete Überzeugung lautet: Wer immer wieder abnimmt und wieder zunimmt, schädigt seinen Stoffwechsel dauerhaft. Doch eine umfassende neue Analyse im renommierten Fachjournal The Lancet Diabetes & Endocrinology stellt genau diese Annahme infrage – und kommt zu einem überraschend beruhigenden Ergebnis.

Was die Lancet-Studie 2026 zeigt

Die Analyse, verfasst von Prof. Faidon Magkos von der Universität Kopenhagen und Prof. Norbert Stefan vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD), der Universität Tübingen und Helmholtz Munich, wertet Jahrzehnte an Forschung zu Gewichtsschwankungen beim Menschen und in Tiermodellen kritisch aus. Das Ergebnis ist eindeutig: Es gibt keine überzeugenden kausalen Belege dafür, dass Gewichtsschwankungen selbst – also das wiederholte Ab- und Zunehmen – bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas langfristig schaden. Die Analyse erschien am 14. Mai 2026 und löste unmittelbar internationale Aufmerksamkeit aus.

„Viele Menschen, die mit ihrem Gewicht kämpfen, lassen sich entmutigen, weil sie befürchten, dass der Jo-Jo-Effekt zu Muskelschwund führt und ihren Stoffwechsel irgendwie dauerhaft schädigt", erklärt Prof. Magkos laut Pressemitteilung des DZD. „Unsere Analyse zeigt, dass diese Befürchtungen weitgehend nicht belegt sind. In den meisten Fällen überwiegen die Vorteile eines Abnehmversuchs die theoretischen Risiken des Jo-Jo-Effekts deutlich."

Kein dauerhafter Muskelabbau, kein verlangsamter Stoffwechsel

Jahrzehntelang galten Gewichtsschwankungen als verantwortlich für eine Reihe von negativen gesundheitlichen Folgen: vermehrte Fetteinlagerung, beschleunigter Muskelverlust, verlangsamter Grundumsatz sowie ein erhöhtes Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese Befürchtungen haben die öffentliche Kommunikation geprägt – und führten vereinzelt zu dem klinischen Rat, wiederholte Abnehmversuche könnten „mehr schaden als nützen". Die neue Analyse widerlegt dieses Narrativ.

Wenn man in den untersuchten Studien vorbestehende Erkrankungen, das Älterwerden und die insgesamt mit Übergewicht verbrachte Lebenszeit korrekt berücksichtigt, verschwinden die vermeintlich schädlichen Effekte des Jo-Jo-Phänomens weitgehend. Studien, die die Körperzusammensetzung objektiv erfassten, zeigen: Es gibt keine konsistenten Belege dafür, dass Gewichtsschwankungen zu einem überproportionalen Verlust von Muskelmasse oder einer dauerhaften Verlangsamung des Stoffwechsels führen. Wer nach einem Abnehmerfolg wieder zunimmt, kehrt in der Regel zur Körperzusammensetzung vor der Diät zurück – nicht zu einer schlechteren.

Gewichtszunahme ist nicht dasselbe wie Schaden

Die Autorinnen und Autoren betonen dabei einen wichtigen Unterschied: Wenn das Gewicht wieder steigt, kehren viele positive Effekte der Gewichtsabnahme zurück – etwa Verbesserungen bei Blutzucker, Blutdruck und Blutfetten. Das bedeutet jedoch nicht, dass man schlechter dran ist als vor dem Abnehmen. „Wer wieder zunimmt, nähert sich seinem Ausgangsrisiko wieder an – aber überschreitet es nicht", so Magkos. Mehrere große Studien zeigen: Wenn das durchschnittliche Körpergewicht über die Zeit berücksichtigt wird, sagt der Jo-Jo-Effekt kein erhöhtes Diabetesrisiko oder kardiovaskuläres Risiko mehr voraus. Das eigentliche Risiko geht laut der Analyse von dauerhaft höherem Körperfettanteil aus – nicht von Gewichtsschwankungen an sich.

Besonders relevant bei modernen Abnehmmedikamenten

Die Erkenntnisse sind besonders aktuell angesichts der Verbreitung hocheffektiver Abnehmmedikamente wie GLP-1- und Inkretinagonisten (z. B. Semaglutid, Tirzepatid). Diese Wirkstoffe können zu erheblichem Gewichtsverlust führen, gefolgt von deutlicher Gewichtszunahme, sobald die Medikation abgesetzt wird – ein Muster, das dem klassischen Jo-Jo-Effekt entspricht. Magkos und Stefan argumentieren, dass dies nicht als dauerhafte Schädigung zu werten ist. Zeitweise Gewichtsabnahme – auch wenn sie nicht dauerhaft gehalten wird – kann bedeutsame Phasen verbesserter Stoffwechselgesundheit und Lebensqualität bieten.

Was das für den Alltag bedeutet

Die Botschaft an Betroffene und Behandelnde ist klar: Menschen mit Übergewicht oder Adipositas sollten sich nicht davon abhalten lassen, Gewicht zu reduzieren, nur weil eine dauerhafte Gewichtskontrolle schwierig ist. „Die Idee, dass der Jo-Jo-Effekt den Stoffwechsel ruiniert, ist wissenschaftlich nicht belegt", schreiben die Forschenden. „Es zu versuchen – und dabei auch zu scheitern – schadet nicht. Aber komplett aufzugeben, könnte schaden." Wer immer wieder Diäten angefangen und wieder abgebrochen hat, muss sich nach aktuellem Forschungsstand keine Sorgen machen, damit seinen Körper dauerhaft geschädigt zu haben.

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